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Hut zum Malen

Entringer Kirchturm als Modell

Das Kirchturmdach der Entringer Michaelskirche wird 100 Jahre alt. Zum Jubiläum gibt es einen künstlerischen Wettbewerb.

09.04.2008
  • Mario Beisswenger

Entringen. „Eigentlich sollte der Turm nur neu verputzt werden“, berichtet Reinhold Bauer, Messner und Ortshistoriker aus der Baugeschichte der Michaelskirche. Als die Bauarbeiter dann aber Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf dem Gerüst die Schäden an den Dachbalken des Kirchturm sahen, musste der Turmhelm vollständig erneuert werden. Die Kinder, die damals noch ins direkt neben der Kirche gelegene Schulhaus gingen, bekamen sofort schulfrei, weil der Dachaufsatz einsturzgefährdet war.

Die Kirchengemeinde musste schnell Geld in die Hand nehmen. Dabei hatte sie sich bei den 1906 beschlossenen Umbauten schon stark verausgabt. 63 000 Mark sollte der Kirchenumbau kosten, doch mit dem kaputten Turmhelm hatte niemand gerechnet. Die Baukosten wurden deshalb auf 10 000 Mark begrenzt. Die bürgerliche Gemeinde, die gerade Geld vom Bau der Ammertalbahn übrig hatte, steuerte die Hälfte bei. Das Geld reichte nicht für ein hochaufstrebendes Dachwerk. Der neue Turm reichte statt 70,5 Meter nur noch 55 Meter in die Höhe.

Der ursprüngliche hohe spitze Turm zeigt für Bauer, dass die früheren Ortsherren von Entringen zur Bauzeit vor gut 500 Jahren, „potente Auftraggeber waren“. Der steinerne Turm sei massiv ausgeführt und konnte den hohen Aufbau leicht tragen. Dass die Kirchturmspitze rund 1,40 Meter aus der Senkrechten verschoben ist, liegt nicht am Mauerwerk, sondern am labilen Untergrund.

1996/97 wurde der Turm aufwendig unterfangen, seither, so beobachtet Bauer, gebe es zwar weiter Setzungen, aber die zögen den Bau in die richtige Richtung. In den letzten Jahren war die Kirche wieder eingerüstet, neuere größere Reparaturen stünden aber gerade nicht an. Deshalb ist der Wettbewerb zur modellhaften Neugestaltung des 100 Jahre alten neuen Turmhelms auch keine verdeckte Spendenaktion. „Das müssen wir ja nicht immer machen“, meint Bauer

Es gehe nur um die Freude am Entwurf, sagt Bauer. Dazu stellt die Kirchengemeinde eine Art Bastelset des Turmes zum Selbstkostenpreis zur Verfügung. Im Maßstab 1:25, also bei 2, 20 Meter Höhe, kosten die zugeschnittenen Mehrschichtplatten 6,60 Euro bei 1:50 nur 1,80.

Beteiligen können sich an der Aktion alle Interessierten. Eine Sympathie-Aktion hat das Bauwerk nicht mehr nötig. Vor hundert Jahren hätten „die Entringer arg über das kleine Hüatle gescholten“, sagt Bauer. Inzwischen sei die Dachform im Dorf akzeptiert. „Hoch muss ja nicht schön bedeuten. Das Dach ist Geschmackssache.“

Entringer Kirchturm als Modell
Bis 1908 strebte der Turm der Entringer Michaelskirche auf 70,5 Meter in die Höhe (gemessen bis zum Hahnenkamm des Wettergockels). Das Bild zeigt eine Aufnahme von der oberen Kirchstraße aus.

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09.04.2008, 12:00 Uhr

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