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Welt im Kriechgang

Entschleunigter Schnecken-Bummel

Reutlingen. Die Albschnecke als Symbol der Entschleunigung, des bewussten Genusses und des ruhigen Flanierens bevölkert derzeit in 64 Programmpunkten des Netzwerks Kultur bis 7. Juli Reutlingens Gassen und Geschäfte. Auch in den Galerien sind die Kriecher in einigen Ausstellungen präsent.

26.05.2012

Die größte davon findet sich im Rathaus-Foyer. An die 30 regionale Künstler/innen zeigen, was ihnen zum Thema eingefallen ist. Und zwar eine ganze Menge. Das Spektrum der zumeist aktuell entstandenen Arbeiten reicht von Collagen, Ölgemälden, Bildergeschichten, Fotografien, Radierungen, Lithografien und Tuschezeichnungen bis hin zu Porzellan-Skulpturen.

„Just do it!“ Beim Eintreten springt einem eine Montage von Thoralf Kalweit ins Auge. Ein rot umrandetes Warndreieck mit einer schwarzen Schnecke in der Mitte. Gisela Cichy zeigt ein fast surreales Stilleben mit Schnecken und Buntstiften unter dem Titel: „Der Maler und sein Modell (Mit Geduld ans Ziel)“ aus dem Jahr 2005. Ulla Frenger stellt in „Traum in Blau“ eine Burg-Keramik mit zerbrochenen und intakten Schneckenhäusern in kleinen Kammern dar, natürlich ist das Haus spiralförmig gewunden. Friederike Just vermischt in amorph gezeichneten Figuren Nacktschnecken mit menschlichen Akten. Peter Magiera spielt in „Versuche, die Heimat zu finden“, mit geometrischen Formen und Schnecken-Spiralen.

Renate Schöck zeigt als „Metamorphosen 1-4“ Computer-Collagen mit Schneckenhaus. Anna Mansen zeichnet das „Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst“ nach Morgenstern. Susanne Dohm-Sauter stellt „Helico-Mutanten“ als Porzellan-Figuren aus, Ralf Henne baut ein ironisches „Denkmal für die Geschwindigkeit“ mit Blick auf den altehrwürdigen Spitalhof. Wolfgang Fritz lässt in Ölkreide eine Schnecke auf einer kauernden menschlichen Figur kriechen. Eine Sammelausstellung, die eine Vielzahl kreativer Aspekte des Schnecken-Themas entdeckt und Lust auf die kreativen Windungen der regionalen Künstler macht.

Bis 29. Juni im Rathausfoyer, Montag bis Freitag, 9-17 Uhr.

„Der Mythos lebt“: Unter diesem Titel stellt Ulrike Jacobi ihre Arbeiten in der Galerie Reinhold Maas aus. In den Bildern der gebürtigen Giengenerin tummeln sich farbenfrohe Gottheiten, Collagen voller esoterisch anmuternder Symbole, Schrift-Fragmente. Schnecken gehören zu den rätselhaften Details, aber auch Masken, florale Ornamente. Jacobis Anliegen ist es, zur Ursprünglichkeit der Kinderzeichnung zurückzufinden, dabei aber das Wissen der akademisch ausgebildeten Künstlerin einfließen zu lassen (sie studierte an den Akademien in Paris und Stuttgart). Ihr poetischer Stil greift in chriffrierter Symbolik Darstellungen alter Hochkulturen auf und verknüpft diese – unter sichtbarem spirituellen Einfluss – mit Themen der Gegenwart. Frühe Epochen der Menschheitsgeschichte sollen so Anhaltspunkte zur Orientierung in der Moderne geben.

Bis 22. Juni, Galerie Reinhold Maas, Gartenstraße 49, Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr.

1969 wahlkämpfte Günter Grass, wie auch später, für die SPD und Willy Brandt. Anhand seiner damaligen Tagebuchnotizen erklärte er später seinen Kindern sein Engagement für die Sozialdemokraten und gegen den damaligen Kanzler und Ex-Nazi Kurt Georg Kiesinger. So entstand sein „Tagebuch einer Schnecke“. Schnecken bevölkerten Anfang der 1970er-Jahre zunehmend Grass’ literarisches und grafisches Werk, eine Ausstellung in der Reutlinger Stadtbibliothek thematisiert nun bis 7. Juli diesen wenig bekannten Aspekt im Schaffen von Grass, der ja vor seiner Schriftsteller-Laufbahn eine Ausbildung als Bildhauer und Grafiker absolviert hatte.

Zu sehen sind nun im Ausstellungseck im zweiten Obergeschoss zehn Radierungen aus der Werkstatt des Literaturnobelpreisträgers. Schnecken kriechen in „Traum vom Eigenheim“ (1982) auf einem bunkerähnlichen Verschlag. Im Schwarzwald sieht man sie vor lauter Bäumen nicht (1972). Eine Schnecke hängt wie Christus am Kreuz, eine weitere kriecht in „Lisbeth“ (1972) auf einem Gesicht, das wie eine Küstenlandschaft am Meer drapiert ist, auf dem Nasenrücken. Dazu stellt die Stadtbibliothek Werkausgaben, Illustrationen, Werkstattbilder, Studien und Skzizzen aus. Die Entdeckung der Langsamkeit – hier wird sie greifbar.Matthias Reichert

Entschleunigter Schnecken-Bummel
Ulrike Jacobi ist in der Galerie Reinhold Maas dem Mythos auf der Spur.PR-Bilder

Entschleunigter Schnecken-Bummel
Günter Grass: Schneckenwettlauf II (1972) in der Stadtbibliothek.

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26.05.2012, 12:00 Uhr

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