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Entsetzen, Fassungslosigkeit, Chaos
Umarmung nach bangen Stunden: Eine Syrerin begrüßt ihre Mutter, die am Flughafen in Dallas verhört worden ist. Foto: dpa
Trumps Einreiseverbot

Entsetzen, Fassungslosigkeit, Chaos

US-Präsident Donald Trumps Einreiseverbot für Personen aus sieben muslimischen Ländern, das bis zu 134 Millionen Menschen treffen könnte, hat in den USA Chaos und helle Empörung ausgelöst.

30.01.2017
  • PETER DE THIER

Washington. An Amerikas größten Flughäfen kam es zu Demonstrationen, Besitzer gültiger Visa wurden bei der Einreise inhaftiert und fassungslose demokratische Politiker liefen Sturm. Erregte Gemüter im ganzen Land, nur der neue Präsident blieb gelassen. „Das läuft doch alles sehr gut“ sagte Trump und bekräftigte, dass „extreme Sicherheitsüberprüfungen“ für Flüchtlinge nun die neue Norm sind.

Ein iranischer Doktorand, der in den USA Medizin studiert, wollte seine Familie in Teheran besuchen, hat nun aber umdisponiert. Er will das Studium hinschmeißen und sofort in die Heimat zurückkehren, „ehe die mich hier noch im Hörsaal verhaften und abführen, weil ich ein Muslim bin“, sagte der 24-Jährige, der seinen Namen nicht nennen möchte. Der Geschäftsmann Hadi Alhassan schrieb auf Twitter: „Meine Firma macht mit der US-Raumfahrtindustrie jedes Jahr Geschäfte im Wert von einer halben Milliarde Dollar, doch ich kann nicht mehr zu wichtigen Besprechungen und Konferenzen nach Amerika reisen.“ In New York saßen noch Dutzende von Flugpassagieren in Gefängniszellen, weil sie entweder aus dem Iran, dem Irak, aus Syrien, Libyen, Somalia, Jemen oder dem Sudan stammen. Alle waren sie im Besitz gültiger Reisepapiere. Nicht einmal Greencard-Inhaber, die ein permanentes Aufenthaltsrecht in den USA haben, waren von dem Erlass des Präsidenten ausgenommen. Einige der Einreisenden hatten schon die Maschine nach New York bestiegen, als Trump das Dekret unterschrieb und erfuhren erst bei der Passkontrolle von ihrem Schicksal.

Zu den wenigen, die mehrere Stunden nach ihrer Verhaftung freigelassen wurden, zählte der Iraker Hameed Khalid Darweesh. Er war fassungslos. „Seit zehn Jahren arbeite ich eng mit der amerikanischen Regierung zusammen und war während des Krieges in meinem Heimatland ein Übersetzer für US-Soldaten“, erzählt Darweesh. Dass ihm eine solche Demütigung widerfahren konnte, nachdem er sich über lange Jahre im Dienste der USA engagiert habe, „kann ich einfach nicht glauben. Es ist nicht das, wofür dieses Land steht.“

Drei US-Gerichte erließen einstweilige Verfügungen, die die Rücksendung von Betroffenen in ihr Herkunftsland vorerst verhindern. Damit haben sie aber nicht über die Rechtmäßigkeit der Anordnung an sich entschieden. Das muss in weiteren Verfahren geklärt werden, die aber erst in Wochen oder Monaten entschieden werden dürften.

Google und Twitter forderten ihre muslimischen Mitarbeiter auf, die sich gerade in ihren Heimatländern aufhielten, sofort in die USA zurückzukehren. Dafür aber dürfte es schon zu spät sein. Jenen, die noch in den USA waren, wurde nahegelegt, vorläufig keine Auslandsreisen anzutreten. Am New Yorker John F. Kennedy Flughafen, Washingtons Flughafen Dulles und Chicagos O‘Hare International protestierten betroffene Familien, Bürgerrechtler und Amerikaner, die nicht fassen können, wie ihr Präsident die US-Verfassung mit Füßen tritt. Trump sieht das freilich mal wieder anders: „Das ist kein Einreiseverbot für Muslime.“ Peter De Thier

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30.01.2017, 06:00 Uhr

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