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„Brutal, ein Debakel“

Enttäuschte Gesichter bei Soltys-Wahlparty

„Das ist halt Tübingen“, seufzte ein Unterstützer von Beatrice Soltys im „Ludwigs“, als klar wurde, dass Amtsinhaber Boris Palmer mit großem Vorsprung vor der Herausforderin liegt. Die Fellbacher Baubürgermeisterin war sichtlich enttäuscht: „Wir hatten alle das Gefühl, dass es einen zweiten Wahl termin geben würde.“

19.10.2014
  • Volker Rekittke

Tübingen. „Das ist gelaufen“, „ein Debakel“, „ernüchternd“, „brutal“, „leck mich am Arsch“, „gibt’s ehrlich nicht“ – das waren einige der ungläubigen, enttäuschten Reaktionen, als auf der Leinwand im Ludwigs die ersten Wahlergebnisse erschienen. Zuvor war der städtische Server eine halbe Stunde lang in die Knie gegangen. Als gegen 18.30 Uhr bereits 44 von 66 Bezirken ausgezählt waren, wurde den etwa 50 Soltys-Unterstützer/innen schlagartig klar, dass es keinen zweiten Wahltermin geben würde: Mit über 60 Prozent führte Palmer vor Soltys, die zu diesem Zeitpunkt nur etwa die Hälfte von Palmers Stimmen bekommen hatte: 7000 zu 14.000.

Enttäuschte Gesichter bei Soltys-Wahlparty
Nach der Wahl im Ludwigs: Die Tübinger Bürgermeister Cord Soehlke und Christine Arbogast schütteln der Verliererin Beatrice Soltys die Hand. Im Hintergrund die Tübinger CDU-Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz. Bild: Metz

Woran es lag? „Ich weiß es nicht“, sagte Beatrice Soltys, die angesichts ihres unerwartet deutlichen Rückstandes um Fassung rang. „Ich war inhaltlich sehr konkret.“ Jedoch: „Das ist Tübingens Unberechenbarkeit.“ Ihre Wahlkampfleiterin Annika Wilmes umarmte die Kandidatin, bedankte sich mit Blumenstrauß „für einen tollen Wahlkampf einer tollen Persönlichkeit“. Dafür gab’s Dank zurück von Soltys: „Ihr wart ein supergutes Team, es war ein guter Wahlkampf.“ Und zu ihren 33,2 Prozent: „Das ist ein respektables Ergebnis, wenn man gegen so einen Amtsinhaber antritt.“

Kurz darauf tauchte Boris Palmer im Ludwigs auf. Soltys gratulierte dem bisherigen und künftigen Oberbürgermeister zu seinem Wahlsieg. Palmer, der „bewusst zuerst hierhin“ gekommen war, sagte: „Die hohe Wahlbeteiligung von 55 Prozent verdanken wir Ihnen, Frau Soltys.“ Und an die überwiegend aus dem bürgerlichen Lager stammenden Unterstützer/innen gerichtet: „Ich möchte Ihnen die Hand reichen für die nächsten acht Jahre.“

Der alte ist der neue

Boris Palmer gewann am Sonntag die Oberbürgermeisterwahl in Tübingen. 61,7 % der Stimmen gingen an ihn. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und hunderte Bürger feierten den OB auf dem Tübinger Marktplatz. Dessen zweite Amtszeit begann dort mit Paukenschlag.

© Video: Lukas Föhr & Christin Hartard 03:08 min

Ex-CDU-Stadtrat Arnold Oppermann zeigte sich „bitter enttäuscht: Mit so einem deutlichen Ergebnis habe ich nicht gerechnet.“ Dabei sei Palmer „zuletzt sehr nervös“ gewesen, was Oppermann bei seinem Facebook-Freund im Internet habe verfolgen können. Und Stadtkämmerer Bertold Rein fragte ins Rund, „ob man als CDU in Tübingen je einen Fuß auf den Boden kriegt“.

Stadtrat Ernst Gumrich (Tübinger Liste) hatte damit gerechnet, dass Palmer im ersten Wahlgang das Rennen macht: 58 Prozent waren der Tipp des Soltys-Unterstützers. Warum? Gezogen habe „am Ende Palmers Drohung“, bei einer zweiten Wahl nicht mehr anzutreten, wenn das Ergebnis bei der ersten zu schlecht ausfallen sollte. „Die Tübinger wollten kein Risiko eingehen“ – zumal der OB „in sieben fetten Jahren“ von Schulsanierung bis zu neuen Wohngebieten „einiges angeschoben“ habe.

Von einen „ordentlichen Ergebnis“ für Palmer sprach die Tübinger CDU-Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz. Soltys, deren Wahlkampf sie unterstützte, habe sich gut geschlagen, aber: „In Tübingen wird der etwas lautere Politikstil offensichtlich mehr geschätzt.“

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19.10.2014, 12:00 Uhr

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