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Auch das Jugendhaus Pauline wird 40 Jahre alt

Epple-Haus feiert Geburtstag

„Wir holen jetzt unser Haus“, hieß es im Sommer vor 40 Jahren. Gesagt, getan: In der Nacht zum 24. Juni 1972 besetzten Jugendliche ein leerstehendes Haus in der Karlstraße. Daraus wurde das Epplehaus. Das jetzt sein 40-jähriges Bestehen feiert.

11.02.2012
  • sabine lohr

Tübingen. Hausbesetzungen waren vor 40 Jahren ein beliebtes Mittel, sich Wohnraum zu verschaffen. Vor allem städtische Gebäude, die leer standen, wurden so plötzlich zu Wohnraum, an dem akuter Mangel herrschte.

Keinen Wohnraum, doch endlich wieder einen Treffpunkt wollten Tübinger Jugendliche, nachdem im April ihr bisheriges Domizil, das Schwabenhaus, ausgebrannt war. Doch Gemeinderat und Stadtverwaltung bewegten sich nur zäh bei der Ausschau nach einem Jugendzentrum. Da guckten sich die Jugendlichen ein Gebäude aus, das zentral lag und von dem sie glaubten, es gehöre der Stadt – in Wahrheit gehörte es der Kreissparkasse.

Unterstützung durch „Ton, Steine, Scherben“

Die Besetzung war geplant, Versammlungsort war das Mensa-Konzert der Gruppe „Ton, Steine, Scherben“, die die Hausbesetzerszene in Deutschland sehr unterstützte. Auch die in Tübingen. So zogen die Jugendlichen also nach dem Konzert los, drängten sich ins Haus – und blieben dort. 70 Jugendliche übernachteten im Haus, am nächsten Morgen eilten die Behördenvertreter zusammen. Landrat Oskar Klumpp verlangte die Räumung. Doch dazu kam es nicht – man wollte verhindern, dass die Sache eskaliert.

Am Abend gab es ein Fest im besetzten Haus – und ein Angebot der Stadtverwaltung. Danach sollten die Jugendlichen das Haus am nächsten Tag räumen, doch die Stadt versuchte, es von der Bank anzumieten. So kam es dann auch. Längst ist das Haus im städtischen Besitz und das Richard-Epple-Haus (benannt nach einem 17-jährigen Tübinger, der von der Polizei erschossen worden war) als Jugendhaus etabliert.

Der 40. Geburtstag wird in diesem Jahr genau am Jahrestag der Besetzung gefeiert, am 23. und 24. Juni. Mit einem Fest, das nicht ganz so lange dauert wie die Besetzung damals, immerhin aber satte 40 Stunden. Jugendpfleger Thomas Reichle weiß zwar noch nicht ganz genau, wie dieses lange Fest gefüllt wird, aber dass es viel Musik geben wird, ist sicher. „Es wird einen Konzert-Mix geben mit Künstlern, die einen Bezug zum Haus haben.“ Schließlich sollen auch all jene mitfeiern, die als Jugendliche das Haus besucht haben, ihm aber längst entwachsen sind.

Auch einen Rückblick wird es geben, in Form einer Ausstellung. An der arbeitet bereits eine etwa zehnköpfige Gruppe Jugendlicher. Sie sammelt Fotos, Plakate, Flugblätter, Jugendhaus-Zeitungen und Objekte, die an all das erinnern, was in den 40 Jahren im Epple-Haus so vor sich ging. „Wir haben schon eine Menge zusammen, aber es fehlt auch noch einiges“, sagt Reichle.

Weshalb er darum bittet, dass jeder ehemalige Epple-Haus-Besucher mal in seinen Fotokartons und alten Mappen nachschaut, ob da nicht noch etwas ist, das in der Ausstellung präsentiert werden könnte (siehe Kasten). Und zwar richtig professionell: Die Jugendlichen bauen Leuchtkästen, in denen die Exponate schön präsentiert werden – von hinten beleuchtet.

Gleich noch eine Jugendeinrichtung feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag: das Jugendhaus Pauline, auch „Paula“ genannt. Das Haus in der Südstadt musste nicht erst besetzt werden. Es war in städtischer Hand, als der Gemeinderat beschloss, es zum Jugendhaus umzubauen. Die Angebote in der „Paula“ richten sich von jeher an Jüngere.

Auch dort also wird im Sommer gefeiert. Und auch dort wird es eine Ausstellung geben, für die noch Bilder und diverse Objekte gesucht werden. Sowohl das Epple-Fest als auch das Paula-Fest organisieren diejenigen, die in den beiden Häusern zugange sind.

Die zuständige Fachabteilung der Stadt lädt aber auch noch ein: Am 13. Oktober gibt es einen Aktionstag, an dem sämtliche städtischen Jugendtreffs geöffnet sind und ein Programm anbieten. Verbunden werden sie vermutlich durch einen Shuttle-Bus, so dass die Besucher gleich in mehrere der Treffs hineinschauen können.

Epple-Haus feiert Geburtstag
Frisch besetzt bekam vor 40 Jahren das Jugendzentrum Karlstraße gleich einen Namen: Epple-Haus. Archivbild: Blunck

Für ihre Ausstellungen suchen das Jugendhaus Epple und das Jugendhaus Pauline noch Bilder und mehr. Das TAGBLATT schließt sich diesem Wunsch an und bietet dafür auf der Homepage www.zeit-zeugnisse.de eine Plattform, auf der jede und jeder eigene Bilder selbst hochladen kann. Das Material darf aber auch persönlich vorbeigebracht werden, entweder im SCHWÄBISCHEN TAGBLATT in der Uhlandstraße oder direkt in den beiden Jugendhäusern. Im Epplehaus in der Karlstraße sollte man vor dem Besuch anrufen unter Telefon 0 70 71 / 3 27 43. Per Post geht es ans Postfach 1765, 72007 Tübingen. Die Pauline in der Paulinenstraße ist unter der Woche nachmittags und abends geöffnet, Telefon 3 42 61.

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11.02.2012, 12:00 Uhr

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