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FC Bayern

Er ist wieder da

Die Mitglieder wählen Uli Hoeneß an die Spitze des erfolgsverwöhnten Traditionsklubs zurück. Er begegnet ihnen demütig, an die Konkurrenten adressiert er eine klare Kampfansage.

26.11.2016

Von ARMIN GRASMUCK

„Uli Hoeneß, du bist der beste Mann!“ Die Mitglieder des FC Bayern wählten den früheren Spieler und Manager mit 98,4 Prozent ihrer Stimmen zum Klubobersten. Foto: Imago

München. Der Mann des Abends kam fast unerkannt in die Halle. Knapp drei Stunden vor seinem großen Auftritt ging Uli Hoeneß über den Parkplatz zum Seiteneingang, vorbei an den riesigen Übertragungswagen, die hinter dem Audi Dome geparkt waren. Er wirkte höchst konzentriert, nickte kurz und schritt voran. Vor dem Haupteingang warteten da bereits mehrere hundert Mitglieder darauf, dass sich die Türen öffnen. Sie fieberten, schoben und drängelten wie bei einem Rockkonzert. Die Ersten, die zwei Stunden vor dem Beginn der Jahreshauptversammlung des FC Bayern hinein durften, lächelten siegesgewiss. Die roten Schalensitze der Halle, in der sonst die Basketballer des Klubs ihre Heimspiele austragen, waren durchnummeriert. Rund 6000 Plätze, aber es waren zu wenige. Die Mitglieder, die etwas später kamen, durften in dem eigens aufgebauten Festzelt mit noch einmal 2000 Plätzen gleich nebenan sitzen, was mancher leicht verärgert registrierte.

Punkt 19.21 Uhr trat Hoeneß vor das Podium, um in der ersten Reihe Platz zu nehmen. Er wurde mit warmem Applaus von den Rängen begrüßt. „Uli! Uli!“, so riefen die heißblütigen Mitglieder. Fernsehkameras, ein Blitzlichtgewitter Es dauerte mehr als zehn Minuten, bis Karl Hopfner die Versammlung eröffnen konnte. Der noch amtierende Präsident und langjährige Finanzchef der Bayern, der in Hoeneß' Abwesenheit das höchste Amt in dem Verein übergangsweise übernommen hatte, wurde ebenfalls mit stehenden Ovationen gefeiert. Er wirkte gerührt. Stolz vermeldete er die neue Rekordzahl von mehr als 284?000 Mitgliedern, die den FC Bayern zum größten Klub der Welt machen. Dann gab er unter Tränen seinen Rückzug nach 33 Jahren im Dienst des Vereins bekannt. „Danke, das war's“, sagte Hopfner.

Applaus, Applaus – auch für Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern AG. Er präsentierte das brillante Konzernergebnis, und er ließ noch einmal Pep Guardiola hochleben, den Trainer, mit dem die Bayern in den vergangenen drei Jahren sieben Titel holten, darunter drei Meisterschaften und zwei Triumphe im DFB-Pokal. „Die Qualität unserer Mannschaft ist sehr gut“, sagte Rummenigge. „Daran kann auch eine Niederlage in Dortmund oder im eiskalten Rostov nichts ändern.“ Große Sympathien genoss auch Carlo Ancelotti, der neue Trainer, der am Abend vor dem Heimspiel gegen Leverkusen ebenfalls in die Halle gekommen war.

Es gab dem Abend eine tragische Note, dass just in dem Augenblick, als Rummenigge zu einer Lobeshymne auf den alten und neuen Präsidenten Uli Hoeneß ansetzte, ein Mann in der Halle kollabierte, von einem Arzt behandelt und in das Krankenhaus gebracht werden musste. Es drückte die Atmosphäre, auch wenn sich der Zustand des Mitglieds relativ schnell wieder zu stabilisieren schien.

Jan-Christian Dreesen, der Finanzvorstand, verkündete sein beeindruckendes Zahlenwerk. Höchst emotional wurde es jedoch erst, als Uli Hoeneß kurz nach zehn auf die Bühne trat.„Vor zweieinhalb Jahren war ich auch hier gestanden, da habe ich nicht gewusst, was aus mir wird“, so begann er seine Rede. „Dass ich es geschafft habe, verdanke ich meinen zwei Familien. Einmal meiner Frau, die gekämpft hat wie eine Löwin, meine Kinder, mein Schwiegersohn, Schwiegertochter, vier Enkel – und dann die anderen Familie, der FC Bayern.“

Er blickte zurück auf die harte Zeit, die er nach seinem schweren Steuerdelikt im Privatleben mit Verurteilung und Haftstrafe zu durchleben hatte. „Ich war damals so überwältigt von der Liebe und der Freundschaft, die ich hier erleben durfte“, so erinnerte sich Hoeneß. „Das hat mich in meiner Haftzeit angetrieben, zurückzukommen. Ich habe in meiner Zeit im Gefängnis fünfeinhalb Tausend Briefe bekommen. Und am Wochenende, wenn man teilweise 40 Stunden eingeschlossen war und ich manchmal geweint habe wie ein Schlosshund, da habe ich diese Briefe gelesen.“

Er sprach kurz und prägnant, wirkte aber besonnen und ausgeglichen. Welche Rolle er als Kluboberster zu spielen gedenkt, umriss er unmissverständlich. „Ich möchte ein Bindeglied in diesem Verein sein“, sagte Hoeneß. „Zwischen Fans und Verein. Ich möchte ein Kümmerer, ein Ratgeber für alle Mitarbeiter sein, auch für die Spieler und Trainer. Ich möchte mich auch um die riesige soziale Verantwortung, die dieser Verein hat, kümmern.“

Mit funkelnden Augen fügte er eine offene Kampfansage an alle potenziellen Herausforderer des Rekordmeisters hinzu: „Die Fähigkeit, in einer klaren Sprache Probleme anzusprechen, ist nicht verloren gegangen“, so formulierte Hoeneß spitz und mit bedrohlichem Unterton: „Sie schläft nicht, sie ruht nur. Und sie kann jederzeit zurückkommen.“

Um die Gunst der Mitglieder warb er jedoch in Demut. „Ich habe einen großen Fehler gemacht“, sagte der Kandidat. „Ich respektiere jeden hier, der mir seine Stimme wegen dieses Fehlers nicht gibt. Aber ich habe alles dafür getan, diesen Fehler auszumerzen.“ Die Wahl war selbstverständlich nur noch Formsache.

Im Blitzlichtgewitter: Verfolgt von Fernsehkameras und Fotografen betrat Hoeneß die Halle. Foto: dpa

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Erstellt:
26. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
26. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. November 2016, 06:00 Uhr

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