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Leitartikel Seehofer

Er kann es nicht lassen

So stilisiert er sich gerne: Horst Seehofer als Retter, als das beste Zugpferd, als derjenige, mit dem im Bund ein „Linksbündnis“ aus Rot-Rot-Grün verhindert und in Bayern 2018 die absolute Mehrheit verteidigt werden kann. Doch hat es auch etwas mit einer gewissen Not zu tun, dass der CSU-Chef und Bayern-Regent nun, entgegen seiner vielen Ankündigungen, weitermacht und keinem der Nachfolgeaspiranten das Feld überlässt. Denn keinen von ihnen hält er für geeignet genug, die Partei und den Freistaat auf Dauer erfolgreich zu führen.

25.04.2017
  • PATRICK GUYTON

München. Das wirft aber vor allem kein gutes Licht auf denjenigen, der in der CSU für die Nachwuchspflege verantwortlich ist: auf den Vorsitzenden Horst Seehofer. Im Laufe der Jahre hatte er eine ganze Schar von „Prinzlingen“ hinter sich aufgereiht. Manche mussten gehen wie etwa der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wegen seiner abgeschriebenen Doktorarbeit oder die Staatskanzleichefin Christine Haderthauer im Zuge der Modellbau-Affäre. Andere wurden verschlissen wie Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Und ausgerechnet der, den Seehofer aus charakterlichen Gründen ablehnt, bleibt ihm erhalten: Finanzminister Markus Söder. Seehofer macht zu einem guten Teil auch weiter, um Söder zu verhindern.

Die Wähler immerhin wissen nun, was sie mit Blick auf die Bundestagswahl bei der Union erwartet. CDU und CSU treten mit den gleichen Vorsitzenden an wie zuvor, mit Angela Merkel und Horst Seehofer, auch wenn sich diese in der ablaufenden Legislaturperiode weit heftiger gestritten haben als die Kanzlerin mit dem Koalitionspartner SPD.

Es ist unverkennbar, dass Seehofer von einer gewissen Hybris befallen ist, die er selbst früher als Sozialpolitiker an anderen kritisiert hat. Er nimmt das auf, was er gerne hört. Zum Beispiel, dass er in Bayern der populärste Politiker ist und nur er es schafft, die für eine neue absolute Mehrheit so vielen wichtigen Stimmen in Oberbayern zu holen. Er hat es gerne gehört, wie sich ihm in den letzten Wochen viele CSU-Politiker quasi aus freien Stücken angedient und gesagt haben, wie gut sie es fänden, wenn er weitermacht. Die Liste reicht von Ilse Aigner über Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bis zum Europaparlamentarier Manfred Weber.

Seehofer dreht es nun so, dass er weitermacht, weil es keinen besseren gibt als ihn, weil die Partei und die Wähler eine Zugabe wünschen. Dabei beruft er sich sogar auf die Unterstützung von Alt-Politikern wie Edmund Stoiber und Theo Waigel. Vielmehr ist es aber doch so, dass Seehofer weitermacht, weil er weitermachen möchte, weil er nicht von der Politik und der Macht lassen will und kann.

Offen ist, ob sich die CSU auf ewig den ewigen Seehofer bieten lassen wird. Die Bundestagswahl wird eine wichtige Messlatte sein. Die Partei muss sehr ordentlich abschneiden, auch wenn Martin Schulz von links drückt und die AfD von rechts. Kann sich Seehofer nicht behaupten, dann wird es rasch heißen: Er ist ein Mann der Vergangenheit.

leitartikel@swp.de

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25.04.2017, 06:00 Uhr

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