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Er liebt Kunst, die Kraft erfordert
Ein Druckstock (Holzschnitt) in der Druckpresse.
Michael Plaetschke bemalt Drucke

Er liebt Kunst, die Kraft erfordert

Michael Plaetschke macht aus Holzschnitten moderne Kunstwerke. Der Künstler arbeitet auch als Maler und Bildhauer. Im Atelier in Rottenburg stapeln sich Kunstwerke aus Papier und aus Stein.

07.08.2012
  • Yvonne Arras

Rottenburg. Michael Plaetschke, der 1955 in Reutlingen geboren wurde, rutschte als Jugendlicher geradewegs in die dortige Kunstszene hinein. Reutlingen, vor vierzig Jahren eine Keimzelle der Kunst, bot dem jungen Nachwuchs-Kreativen mit dem Vorläufer des heutigen Kulturvereins „Kulturschock Zelle“ ein Plattform. Was heute dieser Verein ist, war „am Anfang der siebziger Jahre eine Galerie oder ein Podium für aktuelle Kunst und Jazzmusik“, erklärt Plaetschke. Er selbst stellte damals Grafiken aus.

„Diese Zeit“, so erinnert sich Plaetsch ke weiter, „währte ungefähr drei Jahre“. Danach sei einer der Organisatoren durch einen Unfall ums Leben gekommen. Die Geschichte der Zelle als Selbstverwaltete Jugendorganisation nahm ihren Lauf. Gleichzeitig habe HAP Grieshaber einen wesentlichen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung genommen, sagt Plaetsch ke, der zu den renommiertesten Künstlern Rottenburgs zählt. Der Grafiker und Maler Grieshaber, der zeitweise in Reutlingen wohnte, bevorzugte den Holzschnitt, um sich als Künstler auszudrücken.

Bei der Bildhauerei muss viel Kraft angewendet werden. Das faszinierte Plaetschke. Er studierte nach dem Abitur, das er 1974 ablegte, Bildhauerei zuerst an der Kunstakademie in Stuttgart. Anschließend bei Professor Alfred Hrdlicka. Der 2009 verstorbene Hrdlicka war einer der ganz bedeutenden Künstler Österreichs und über die Landesgrenzen hinaus. Während des Studiums stellte Kunstschüler Plaetschke Skulpturen auch in Stuttgart aus. Zusätzlich fertigte er Bühnenbilder für Theaterproduktionen.

Wuchtige Kassandra aus Kalk geschlagen

In seinen Werken setzt sich Michael Plaetsch ke immer wieder mit Figuren aus der griechischen Mythologie und dem Mittelalter auseinander. „Ein Großteil unserer Kultur entspringt in Griechenland“, begründet Plaetschke seine Vorliebe für Motive aus der griechischen Antike.

Die wuchtige „Kassandra“, eine rund zwei Meter hohe Skulptur aus massivem Kalkstein, ist eine davon. Kassandra prophezeite dem übermächtigen Troja einst den Untergang. Dementsprechend schreit Plaetschkes Kassandra: Augen und Mund sind weit aufgerissen; übergroße Hände sind mit abwehrender Gestik vor dem opulenten Körper erstarrt.

Mit der Figur „Lebensrad“ hingegen bemüht Plaetsch ke in verschiedenen Werken ein im Christentum und anderen Religionen vielfach verwendetes Symbol für Autorität und Souveränität. Plaetsch ke vereint das Rad skulptural mit einer männlichen Figur, die es umklammert. Die Skulptur ist rund 50 Zentimeter hoch und aus gelben Maulbronner Sandstein.

Für eine Ausstellung in Mainz setzte sich der Künstler mittels Holzschnitt mit den gotischen Skulpturen des Naumburger Meisters auseinander, der die berühmten Figuren am Naumburger Dom schuf.

Mit dem Umzug von Stuttgart nach Rottenburg im Jahr 1990 orientierte sich der Bildhauer in Richtung Drucktechnik. Im Holzschnitt fand Plaetschke das „schnellere Medium“, nach dem er gesucht hatte. Trotzdem sei der „Widerstand, den das Holz entgegenbringt“, vergleichbar mit jenem bei der Bildhauerei. Er versuche stets, berichtet Plaetschke, die Technik auf das Material zu übertragen. Deswegen finden sich in seiner Material-Sammlung nicht nur exakt geschnittene Bretter unter anderem aus Buche- oder Lindenholz. Auch „Schrott“-Holz, wie Plaetschke es nennt, ist darunter. Um Kunstwerke beispielsweise aus Rinden oder „urwüchsigen Brettern“ zu machen, bedürfe es nur einer passenden Idee.

Drucke bemalen und einmalig machen

„Man kann mit allem Möglichen drucken“, bekräftigt der Künstler seine Aussage. Er bewies sie sogleich, indem er Gräser-Drucke herzeigte. Gräser, wie sie auf der Wiese wachsen, färbte Plaetschke ein und druckte sie auf Aquarell- oder Büttenpapier. Plaetschke druckt mit seiner eigenen handbetriebenen Walze. Sie steht mitten in seinem geräumigen und lichtdurchfluteten Atelier.

Zurzeit beschäftigt sich der Rottenburger hauptsächlich mit dem bemalten Drucken. Nachdem Plaetsch ke figurative Holzschnitte oder geometrische Formen aus Pappkarton auf Papier oder eine übermannsgroße Leinwand gepresst hat, bearbeitet er sie zusätzlich mit Farbe: „Dadurch wird der Druck einmalig.“

Er liebt Kunst, die Kraft erfordert
Michael Plaetschke, 57, zeigt ein Selbstbildnis. Rechts auf dem Tisch stehen die Ergebnisse von Proben und Versuchen. Bilder: Arras

Er liebt Kunst, die Kraft erfordert

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07.08.2012, 12:00 Uhr

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