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Star-Geiger Daniel Hope über sein Vorbild und seinen Mentor Lord Yehudi Menuhin zu dessen 100. Geburtstag

"Er war so Eigen in einem positiven Sinne"

Daniel Hope hat noch eine Geige von Yehudi Menuhin - der vor 100 Jahren geborene Künstler war einst sein musikalischer Ziehvater.

21.04.2016
  • NADA WEIGELT, DPA

Menuhin hat sich selbst als Ihren "musikalischen Großvater" bezeichnet. Wie kam es dazu?

DANIEL HOPE: Durch eine Reihe von sehr ungewöhnlichen Zufällen. Meine Eltern hatten Südafrika verlassen müssen, weil mein Vater wegen seiner Kritik an der Apartheid dort als Schriftsteller nicht mehr arbeiten durfte. Um die Familie über Wasser zu halten, stellte sich meine Mutter in London bei Menuhin für einen Job als Sekretärin vor. Er kam die Treppe runter und fragte: "Kennen Sie den Unterschied zwischen Beethoven und Bach?" Als sie ja sagte, antwortete er nur kurz: "Gut. Wann können Sie anfangen?" Aus geplanten sechs Monaten wurden 24 Jahre. Meine Mutter hat bald sein ganzes berufliches Leben gemanagt, er war Teil unserer Familie.

Sie lernten von ihm Geigespielen?

HOPE: Nein, das gerade nicht. Ich habe von ihm die Liebe zur Musik gelernt: Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen, meine Mutter hat mich ganz viel in Proben mitgenommen, und im Sommer waren wir immer als ganze Familie mit ihm in Gstaad bei seinem Festival. Aber als ich dann mit vier verkündete, ich will Geiger werden, war er erstmal zurückhaltend. Er hat mir zwar eine Lehrerin gesucht und den Unterricht bezahlt, aber erst als ich 16 war, hat er mich wirklich als Musiker wahrgenommen.

Warum?

HOPE: Ich studierte bei Zakhar Bron, der damals mit seinen Schülern heftig Furore machte. Deshalb sollte ich Menuhin in Gstaad vorspielen. "Das ist super, das ist toll", sagte er, "aber es gibt noch viel zu tun. Wenn du magst, helfe ich dir damit. Wir gehen zusammen auf Tour: Ich dirigiere, du spielst, und wir machen deinen Unterricht quasi während des Konzerts." So habe ich zehn Jahre lang die beste Ausbildung bekommen, die man sich vorstellen kann - mehr als 60 Konzerte mit ihm in der ganzen Welt.

Was haben Sie von ihm gelernt?

HOPE: Da gibt es so viel, menschlich und musikalisch! Musikalisch war es die Originalität. Er war so eigen im positiven Sinne. Er hat jedes Werk immer wieder so angeschaut, als sähe er es zum ersten Mal.

War er auch streng?

HOPE: Ja, er war auch streng, aber ähnlich wie mein Lehrer Bron, der auch großen Wert auf sehr präzises Arbeiten und Disziplin legte. Insofern war ich schon ein bisschen gewappnet. Und wenn er Kritik äußerte, war das immer sehr konstruktiv, und damit kann ich gut umgehen. Auch wenn nicht immer alles geklappt hat, fand er es gut, wenn man den Mut hatte, es zu probieren, sich dranzuwagen.

Und das Menschliche?

HOPE: Sein absoluter Hass gegen Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Er setzte sich immer vehement für Menschen ein. Und ich finde seine Stiftungsidee Live Music Now bis heute genial, weil sie weltweit funktioniert - mit Konzerten in Altenheimen, in Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen.

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21.04.2016, 06:00 Uhr

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