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Haugenstein

Er will das Chaos ordnen

Nachdem die umstrittene Hausverwaltungsfirma Engelmayr ausgestiegen ist, versucht Alexander Gette, den Alltag zurück in die Siedlung zu bringen. Das gelingt nur schleppend. Fraglich bleibt, wie viel Schaden der Winter anrichten kann.

09.12.2016
  • Benjamin Breitmaier

Atemluft ist sichtbar in den kalten Tagen. Auf den Straßen bewegt sich hier morgens wenig. Es scheint ruhig zu sein. Die Wintersonne gibt der Siedlung Haugenstein ein freundliches Gesicht. Doch der Schein trügt, denn noch ist kein Ende um das Drama der Bewohner in Sicht, die seit Monaten ohne Heizung klarkommen müssen.

Alexander Gette ist gestresst. Auf Weihnachten kann er sich noch nicht richtig freuen. Der Berg an Aufgaben, die ihn erwarten, scheint manchmal fast nicht zu bewältigen. Ihm gehören die Verkehrsflächen der Siedlung. Heißt: Winterdienst organisieren, reinigen, auf die kalten Monate vorbereiten. Dafür zahlen ihm die Mieter der Siedlung einen Abschlag. Gette muss außerdem 19 der 30 Häuser in der Haugenstein-Siedlung verwalten.

Bis zum heutigen Tag frieren hier noch etwa 40 Familien. Selbst in der Adventszeit ist kein Ende des Haugenstein-Dramas in Sicht. Das große Gipfelgespräch mit Heizkraftwerkbetreiber Andreas Osbelt ist schon mehr als einen Monat her. Dessen Angebot, den Eigentümern 30 Prozent seiner Forderungen zu erlassen, wurde von vielen hier für nicht gut genug empfunden.

Ein Gerichtsbeschluss vor dem Horber Amtsgericht hatte den Eigentümern und Mietern Hoffnung gemacht. Ein Gutachter bestätigte zum ersten Mal, dass zumindest in einem Fall grobe Fehler bei den Abrechnungen innerhalb der Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) – also den Häusern – passiert sind.

Gette kann das nicht gänzlich nachvollziehen. Was den Haus- und Straßenverwalter vor allem wurmt: Er muss das gerade biegen, was die Hausverwaltungsfirma Engelmayr in den vergangenen Jahren verbockt hat. Gette wirbt schon seit Wochen bei den Eigentümern darum, die „Hardware“ aufzurüsten, neue Zähler einzubauen, auf lange Frist die Einrohrsysteme in Zweirohrsysteme umzurüsten, damit eine wohnungsgerechte Umlegung der Heizkosten möglich wird. Gette weiß, wovon er redet. Er ist gelernter Heizungsbauer. Wie es scheint, braucht er auch Fähigkeiten als Diplomat. Er steht zwischen Osbelt, den Eigentümern und den Mietern. Für alle versucht er Verständnis aufzubringen. Bei allen stößt dieses Verständnis auch manchmal an Grenzen. Sein Ziel: geregelter Alltag in der Siedlung, die er als Wohnraum immer noch lobt.

Davon scheint die Privatsiedlung noch weit entfernt. Die Gerichtsverfahren laufen und der Heizkraftwerkbetreiber Osbelt, will auch in der Weihnachtszeit die Heizung in der Blauen und Gelben Siedlung nicht wieder anwerfen. Das kann zum Problem werden. Denn keine Heizung bedeutet: frierende Leitungen, was wiederum zu Rohrbrüchen führen kann. Laut Gette kam es bisher zwar noch nicht dazu. Doch mit jedem Grad unter Null mehr, steigt die Gefahr. Wer für die Zwischenfälle gerade stehen muss, ist unklar. Gette erklärt, dass die Leitungen versichert seien. Wie die Versicherung eine Situation, wie sie derzeit in der Siedlung zu finden ist, bewertet, bleibt jedoch unklar.

Doch es gibt auch Fortschritte. Die Rote Siedlung wird mittlerweile wieder komplett versorgt. Hier wurden auch teilweise schon neue Zähler installiert, die eine gerechte Abrechnung möglich machen. Laut Gette geht es in der Gelben und Blauen Siedlung aber weiterhin nur schleppend voran. Der Hausverwalter sieht hier die Verantwortung bei den Eigentümern, möglichst bald neue Erfassungsgeräte für Heizung und Wasser einzubauen. „Das Wichtigste ist jetzt für alle: Man muss zuhören, aufeinander hören und sich die Möglichkeit geben, sich auszusprechen“, erklärt Gette.

Dass in nächster Zeit Ruhe in die Siedlung einkehrt, ist unwahrscheinlich. Heizkraftwerkbetreiber Osbelt hatte schon beim Oktobergipfel klar gemacht, dass er nicht davor zurückschreckt, weiteren Häusern das Heißwasser abzudrehen, sollten sie nicht bezahlen. Auch Alexander Gette bestätigt, dass Osbelt deutlich gesagt hätte: „Wer bezahlt, bekommt Energie“. Bedeutet im Umkehrschluss: Osbelt bleibt auch in der Weihnachtszeit hart.

Unterstützer gesucht

Das gemeinsame Schicksal hat die Haugenstein-Bewohner zusammengeschweißt. Sie wollen ihre Siedlung schöner machen und suchen hierfür Unterstützung. Vor allem der Spielplatz steht im Zentrum der geplanten Arbeiten. Hierfür suchen die Bewohner noch Fachleute. Wer helfen will, kann sich in der Redaktion der SÜDWEST PRESSE melden, Telefon 07451/900933 oder E-mail nc@
neckar-chronik.de.

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09.12.2016, 01:00 Uhr

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