Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Erde und Asche

Bildlich und menschlich starke Erkundung eines geschundenen Landes.

Bildlich und menschlich starke Erkundung eines geschundenen Landes.

KHAKESTAR-O-KHAK
Afghanistan

Regie: Atiq Rahimi
Mit: Abdul Ghani, Jawan Mard Homayoun, Walli Tallosh

- ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating

Film bewerten

rating rating rating rating rating
23.11.2015
  • che

Vom Krieg in Afghanistan ist in den Nachrichten vor allem dann die Rede, wenn deutschen Soldaten oder Geschäftsleuten etwas zustößt. Dagegen rückt dieser mit bescheidenen Mitteln sehr souverän gemachte Film des afghanischen Regisseurs Atiq Rahimi das Los der einheimischen Bevölkerung ins Bewusstsein.

Ein alter Mann und sein Enkel stapfen durch unwirtliche Steppe, bedrängt von Hitze und Sandstürmen, vorbei an explodierenden Minen, abgewrackten Panzern, physisch und psychisch verkrüppelten Menschen. Nach und nach erschließt sich der Grund der Reise. Ihr Heimatdorf ist bei einem Bombenangriff dem Erdboden gleichgemacht worden, fast alle Einwohner starben. Nun will der Alte seinem Sohn, der in einem entlegenen Bergwerk arbeitet, die schreckliche Kunde überbringen.

Kurz vor dem Ziel bleiben die Reisenden in einer winzigen Siedlung stecken, weil sie – kleiner Running Gag am Rande – ständig ihre Mitfahrgelegenheit verpassen. Allerdings hat der Greis auch keine Eile – fürchtet er doch, dass der Gram seinen Sohn zu neuer Gewalt anstachelt.

Dagegen scheint es Regisseur Rahimi nicht zu interessieren, wer für welches Gemetzel verantwortlich ist. Er schildert nur die Folgen eines Krieges, der seit 30 Jahren in wechselnder Konstellation die einfache Bevölkerung martert.

Spektakuläre Gräuelszenen braucht es dafür nicht. Der Horror erschließt sich über Gespräche, das ewige Begraben der Toten, die wahnhaften Erinnerungsfetzen des Alten und über Gesichter, in die sich Schmerz, Verzweiflung und Resignation gegraben haben. Letzte Schutzhülle ist der Sarkasmus: „Er hat jemanden umgebracht“, sagt der Polizist, der einen Gefangenen eskortiert, zum neugierigen Ladenbesitzer. – „Seit wann ist das verboten?“

Nur an dem kleinen Buben scheint alles Unheil abzuperlen. Vielleicht, weil er seit dem Angriff taub ist. Vielleicht auch, weil auf seinesgleichen die Hoffnung für ein neues Afghanistan ruht.

Spielplan

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige