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Schule

Erdogan versus Darwin

Der türkische Präsident steht auf Kriegsfuß mit der Evolutionstheorie – und verbietet sie im Unterricht.

27.01.2017
  • GERD HÖHLER

Istanbul. Stammt der Mensch vom Affen ab? Vor einigen Jahren hatte ein türkischer Schüler seinen Lehrer mit dieser Frage in Schwierigkeiten gebracht. Das soll nicht mehr vorkommen. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin (1809–1882) wird in türkischen Schulen aus dem Bio-Unterricht gestrichen. Das hat Bildungsminister Ismet Yilmaz angekündigt. Damit drückt die konservativ-islamische Regierung von Recep Tayyip Erdogan dem Bildungswesen ihren religiös-ideologischen Stempel auf.

Die neuen Gymnasial-Lehrpläne treten im Februar in Kraft. Für die Schüler heißt das: Sie werden im Bio-Unterricht vom bisherigen Kapitel „Der Beginn des Lebens und die Evolution“ nichts mehr hören oder lesen. Jeder Hinweis auf Darwins Evolutionstheorie wird getilgt. Dafür kommt das unverfängliche Kapitel „Lebewesen und Umwelt“.

Erdogans Regierung führt seit langem eine Kampagne gegen die Evolutionstheorie. Sie wird von vielen strenggläubigen Muslimen – wie auch von christlichen Fundamentalisten – als gottlose Irrlehre bekämpft. 2009 schon hat der Wissenschaftsrat einen Artikel über Darwin in einer Fachzeitschrift untersagt. Die Herausgeberin wurde entlassen. 2011 erhielt ein Lehrer in Ankara einen Verweis. Er hatte auf die Frage eines Schülers, ob der Mensch vom Affen abstamme, der Klasse die Evolutionstheorie erläutert. Eltern zeigten ihn an.

Weitere Neuerungen

Die Streichung der Evolutionstheorie ist nicht die einzige Neuerung in den Lehrplänen. Die Werke muslimischer Wissenschaftler sollen in Physik- und Naturkunde Vorrang haben. Islamische Literatur, bildende Kunst und Musik bekommen ebenfalls einen höheren Stellenwert.

Dem Staatsgründer Atatürk, der vor über 90 Jahren die Trennung von Staat und Religion festgeschrieben hat, und seinen politischen Ideen sollen hingegen künftig im Unterricht weniger Zeit gewidmet werden. Stattdessen will man den gescheiterten Putsch vom Juli und die angeblichen Machenschaften des Erdogan-Erzfeindes Fethullah Gülen in den Lehrplan aufnehmen.

Oppositionspolitiker sehen darin einen weiteren Versuch der Regierung, das Erziehungswesen nach ihren religiösen und politischen Vorstellungen auszurichten. Kritiker sagen, Erdogan arbeite seit Jahren auf eine Islamisierung von Staat und Gesellschaft hin. Gerd Höhler

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27.01.2017, 06:00 Uhr

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