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Türkei

Erdogan verunsichert die Nato

Ankara zieht immer mehr westlich orientierte Offiziere ab. Das Militärbündnis findet bisher keine Antwort.

07.04.2017
  • KNUT PRIES

Brüssel. Soviel Verunsicherung war nie. Mehr als 150 Offiziere hat die Türkei im Zuge der Säuberung nach dem Militärputsch des vergangenen Juli aus den Nato-Stäben abgezogen. Curtis Scaparotti, Oberbefehlshaber des Bündnisses, beklagt „Qualitätsschwund bei meinem Personal“. International erfahrene, westlich orientierte Mitarbeiter mit Englisch-Kenntnissen werden durch Nachwuchs aus dem anatolischen Hinterland ersetzt.

Die Nordatlantische Allianz ist beunruhigt über den abdriftenden Verbündeten im Osten, sieht aber kaum Möglichkeiten gegenzusteuern. Mit 380 000 Militärangehörigen stellt die Türkei nach den USA die zweitgrößten Streitkräfte. An zahlreichen Nato-Missionen sind die Türken beteiligt.

Die wesentliche Bedeutung der Türkei liegt indes in ihrer geostrategischen Position. Sie ist der Allianz-Türsteher am Übergang zum Nahen Osten: Sie ist Mitspieler im Syrien-Krieg, beteiligt sich am Kampf gegen den „Islamischen Staat“ und stellt Stützpunkte wie die Luftwaffenbasen Incirlik und Diyarbakir.

Austritt kaum denkbar

Doch in Erdogans Militär gärt es schon länger. „Der Umbruch hat vor dem Coup eingesetzt“, sagt Samuel Vesterbye, Türkei-Spezialist beim European Neighbourhood Council. „Nach dem Putsch wurde das Militär weiter umgekrempelt und geschwächt.“ Als Nato-Verbündeter verzichtet die Türkei auf die Provokationen, die sie sich als EU-Kandidat leistet. „Ihnen ist wohl klar, dass man nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen kann“, sagt ein Nato-Vertreter. „Militärisch hat die Türkei keine wirkliche Alternative“, erläutert Vesterbye. So biete die von China und Russland aufgezogene Shanghai-Organisation kein gleichwertiges Gegenstück zur Nato. „Man kann sich kaum ein Szenario vorstellen, in dem die Türkei sich entscheidet, aus der Nato auszutreten.“

Dennoch: Wieviel Missachtung von Demokratie und Rechtsstaat kann sich die selbsternannte „Wertegemeinschaft“ Nato bei einem ihrer Mitglieder leisten? „Seit 1989 ist die Berufung auf gemeinsame Werte Teil unserer DNA geworden“, sagt ein langjähriger Offizieller. „Wir können nicht zulassen, dass das zur Phrase wird.“ Knut Pries

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07.04.2017, 06:00 Uhr

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