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Erdogans Bluff
Kommentar zu Putins Türkei-Reise

Erdogans Bluff

Wenn sich Recep Tayyip Erdogan mit Wladimir Putin trifft, ist das Medieninteresse groß. Auch westliche Diplomaten beobachten solche Begegnungen genau. Man verfolgt die russisch-türkische Annäherung umso aufmerksamer, als beide Länder ja noch kürzlich erbitterte Feinde waren.

11.10.2016
  • GERD HÖHLER

Istanbul. Seit die Türkei im vergangenen November einen russischen Bomber im syrischen Grenzgebiet abschoss, herrschte Kalter Krieg. Die damals von Putin verhängten Sanktionen hatten für den türkischen Tourismus katastrophale Folgen.

Vor allem deshalb kroch Erdogan zu Kreuze. Putin nahm die ausgestreckte Hand gern an. Die Türkei liegt mit ihren westlichen Partnern im Streit – wegen Syrien ebenso wie wegen der „Säuberungen“ nach dem Putschversuch. Putin versucht, daraus Kapital zu schlagen. Er will die Türkei wirtschaftlich, militärisch und politisch enger anbinden und so einen Keil in die Nato treiben. Erdogan geht auf die Avancen ein, auch wegen seiner politischen Wesensverwandtschaft zu Putin. Er hofft auf Russlands Rückendeckung für seine Militäroperationen gegen die Kurden in Syrien und im Nordirak. Er liebäugelt sogar mit der Beschaffung russischer Raketen. Die Botschaft an den Westen lautet: Die Türkei kann auch anders. So will Erdogan der EU und der Nato Zugeständnisse abringen. Der Westen sei dabei „die Türkei zu verlieren“, drohen türkische Regierungsvertreter bereits.

Diese Drohungen müssen keine Angst bereiten. Bei nüchterner Analyse muss Erdogan erkennen: Russland kann für die Türkei wirtschaftlich niemals die EU ersetzen, weder im Außenhandel noch bei den Investitionen. Die geopolitische Bedeutung der Türkei resultiert vor allem aus ihrer Nato-Mitgliedschaft. Der hat Putin nichts entgegenzusetzen. Erdogan versucht, mit dem Kreml-Flirt aufzutrumpfen. Aber die russische Karte sticht nicht.

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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