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Strompreise

Erfolg der Energiewende kommt Verbraucher teuer zu stehen

2017 dürfte die Rechnung deutlich höher ausfallen. Die Baden-Württemberger werden aber beim Netzentgelt weitgehend verschont.

05.10.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Eigentlich wollte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dafür sorgen, dass die Strompreise nicht mehr so stark steigen. Doch ausgerechnet im Wahljahr 2017 droht ihm das zu misslingen. Grund sind die Kosten der Energiewende: Sowohl die EEG-Umlage für Ökostrom als auch das Netzentgelt für den Stromtransport drohen deutlich zu klettern. Das lässt sich kurzfristig kaum bremsen.

Allein die EEG-Umlage dürfte am 1. Januar 2017 auf 7,1 bis 7,3 Cent je Kilowattstunde (kWh) steigen. Erst Anfang dieses Jahres wurde sie um 3 Prozent auf 6,35 Cent erhöht; 2012 waren es erst 3,59 Cent. Die Schätzung, die schon vor einigen Wochen die Initiative Agora Energiewende abgegeben hatte, wird derzeit aus verschiedenen Quellen bestätigt. Der genaue Betrag wird Mitte Oktober festgelegt, wegen des Wochenendes vermutlich am 14. Oktober.

Letztlich zahlen die Verbraucher für den Erfolg der Energiewende. Rund ein Drittel des Stroms dürften in diesem Jahr aus erneuerbaren Energien stammen. Um dies anzukurbeln, wurde den Betreibern von Windrädern, Solar- und Biogasanlagen ein Strompreis garantiert, und das für 20 Jahre. Häufig beträgt er ein Mehrfaches des Preises, zu dem Strom derzeit an der Strombörse in Leipzig gehandelt wird. Der fällt immer weiter: 2015 lag er im Schnitt noch bei 3,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Im ersten Halbjahr 2016 waren es nur 2,5 Cent. Dies ist der reine Erzeugerpreis ohne Transport, Vertrieb und andere Kosten.

Je tiefer der Börsenpreis fällt, desto mehr Geld fließt aus dem EEG-Topf an die Betreiber der Anlagen. Da deren Zahl immer noch steigt, nimmt auch die Menge des subventionierten Ökostroms zu. Die Höhe der Umlage lässt sich nur begrenzt steuern. Werden etwa die flüssigen Mittel zu knapp bemessen, die der Fonds aufweisen muss, droht im Jahr darauf eine umso stärkere Erhöhung.

Für die Berechnung zuständig sind die vier Betreiber der Übertragungsnetze, die in ihrer Region ein Monopol haben. Für sie ist die EEG-Umlage, die bundesweit einheitlich ist, ein durchlaufender Posten – im Gegensatz zum Netzentgelt. Mit diesem wird der Stromtransport mit Hochspannung bezahlt, und da gibt es große Unterschiede. Das zeigen schon die Preiserhöhungen, die derzeit angekündigt werden. Tennet, die für einen breiten Streifen von Schleswig-Holstein bis Bayern zuständig ist, will 80 Prozent aufschlagen, 50Hertz in Ostdeutschland 42 Prozent. Da ist TransnetBW deutlich bescheidener: Die Tochter der Energie Baden-Württemberg (ENBW) will sich im Südwesten mit 5 Prozent begnügen.

Hauptgrund für die großen Unterschiede sind die Kosten für Eingriffe der Betreiber ins Netz, um eine Überlastung zu vermeiden, wenn besonders viel Wind- oder Solarstrom eingespeist wird. Denn die Leitungen können das große Angebot immer wieder nicht bewältigen. Damit sie nicht zusammenbrechen, müssen immer wieder Kraftwerke vom Netz genommen werden. Die damit verbundenen Kosten erreichten allein 2015 rund 1 Mrd. EUR, und dies belastete die Netzbetreiber sehr unterschiedlich. Schon bald drohen 4 Mrd. EUR im Jahr, weil neue Stromautobahnen vom Norden in den Süden nicht so schnell gebaut werden, wie an der Küste neue Windräder entstehen.

Beim Punkt „Netzentgelt“ werden auch andere Kosten berücksichtigt, etwa die Verteilung des Stroms bis in die einzelnen Wohnungen, Messung und Abrechnung. Für über die Hälfte des Strompreises ist dagegen die Politik verantwortlich. Das gilt für diverse Umlagen ebenso wie für die Strom- und die Mehrwertsteuer.

Allerdings können die Verbraucher auch auf eine Entlastung hoffen: Wegen der gesunkenen Preise an der Strombörse sollten die Stromanbieter die elektrische Energie günstiger einkaufen können. Dies hängt vom Verhandlungsgeschick und der Kalkulation des einzelnen Unternehmens ab. Denn sie kaufen nicht nur in Leipzig, sondern schließen auch mit Stromerzeugern längerfristige Verträge, um die Versorgung abzusichern.

Welche Mehrbelastung unterm Strich für den einzelnen Haushalt herauskommt, ist je nach Stromlieferant und Region sehr unterschiedlich. Das Vergleichsportal Verivox hat für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4000 kWh samt Mehrwertsteuer 44 EUR im Jahr errechnet. In Baden-Württemberg sollte es weniger sein. In jedem Fall gilt: Durch den Wechsel des Stromanbieters lässt sich oft sparen.

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05.10.2016, 06:00 Uhr

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