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Erfreulich: Das Publikum lässt sich nicht mehr jeden Unfug bieten.
Autsch! Ausgerechnet das Schweiger/Schweighöfer-Vehikel „Vier gegen die Bank“ geriet 2016 zum Flop.
Deutsche Filmkultur im Promillebereich

Erfreulich: Das Publikum lässt sich nicht mehr jeden Unfug bieten.

Hat je ein deutscher Film stärkeren Medien-Anschub bekommen als „Toni Erdmann“? Von der Protelarier-“Bild“ bis zur Studienrats-„Zeit“ hoben ihn alle in den Filmkunst-Himmel. Es folgte die Rekordzahl von fünf Europäischen Filmpreisen; die Nominierung für den Oscar dürfe ihm kaum zu nehmen sein. Und was kam dabei heraus?

19.01.2017
  • Klaus-Peter Eichele

Deutschlandweit 800 000 Zuschauer, vermeldet die Statistik für den Film von Maren Ade. Für manchen Branchenvertreter ist diese Zahl schon ein Grund zum Jubeln. Tatsächlich bedeutet sie, dass sich weniger als ein Prozent der deutschen Bevölkerung von all den Lobeshymnen zu einem Kinobesuch hinreißen ließ. Ist das ein Zeichen, dass die Filmkultur in Deutschland, wie Stefan Paul vom Tübinger Kino Arsenal glaubt, aus dem letzten Loch pfeift? Höchstwahrscheinlich.

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer. Erfolgreichster deutscher Beitrag zum Kinojahr 2016 war mit mehr als drei Millionen Zuschauern „Willkommen bei den Hartmanns“. Der Film ist gewiss kein Meisterwerk der Filmkunst, aber doch ein sehr gelungener Versuch, den Verhältnissen in Deutschland nach Ankunft Hunderttausender Flüchtlinge mit den Mitteln der Komödie Herr zu werden. Treffender als viele politische Analysen bringt Regisseur Simon Verhoeven das deutsche Durchschnittsempfinden – jenes Hin und Her zwischen der Angst vor dem Fremden und dem Impuls, Schutzbedürftigen zu helfen – auf den Punkt. Schön, dass so etwas wenigstens von knapp fünf Prozent der Zielgruppe honoriert wird.

Das desaströse Kontrastprogramm dazu liefert „Vier gegen die Bank“. Eigentlich fest als Blockbuster eingeplant, krebst der inspirationslos hingeschluderte deutsche Krimiklamauk vier Wochen nach seinem Kinostart noch immer unterhalb der Zuschauermillion herum. Und das, obwohl mit Schweiger, Schweighöfer, Herbig und Liefers vier der größten Stars des hiesigen Filmbiz darin ihr Unwesen treiben. Die erfreulichste Erkenntnis des Kinojahrs 2016: Das Publikum lässt sich nicht mehr jeden Unfug bieten.

Bleibt noch die Frage: Was macht eigentlich Hollywood? Dort ist man derzeit damit beschäftigt, den fernöstlichen Markt zu erobern, der freilich ganz andere Bedürfnisse hat als der europäische. Mit Monster-Bombast à la „The Great Wall“ wird man hierzulande jedenfalls nicht aus der Krise kommen. Und womöglich auch nicht mehr – so hat es sich zuletzt jedenfalls angedeutet – mit dem üblichen Sperrfeuer an Comic-, Trickfilm- und Actionsequels. Stattdessen hat 2016 mit dem Abenteuerepos „The Revenant“ mal wieder eine exklusiv fürs Kino entwickelte Geschichte, die kunstfertig und publikumswirksam zugleich ist, für Furore gesorgt. 2,8 Millionen Zuschauer in Deutschland und 6000 in Tübingen sind auch kommerziell imposant. Wäre zu hoffen, dass das letzte Woche gestartete Musical „La La Land“ in die Fußstapfen des maladen Bärenjägers tritt.

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19.01.2017, 01:00 Uhr

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