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Der Fluch der Bundesliga

Ergenzingens A-Jugendfußballtrainer Saban Uzun über die Misere beim TuS

Die B-Junioren-Fußballer des TuS Ergenzingen spielten zuletzt in der Bundesliga – die A-Jugendkicker haben in der Verbandsstaffel noch immer keinen Punkt. Trainer Saban Uzun spricht in der SÜDWEST PRESSE über die Misere, die Konkurrenz in der Region und die Zukunft der TuS-Jugend.

13.10.2010

SÜDWEST PRESSE: Herr Uzun, null Punkte nach fünf Spielen, zuletzt verlor Ihre Mannschaft 3:11 und 0:8 – macht Ihnen zurzeit etwas Hoffnung auf den Klassenverbleib?

Ergenzingens A-Jugendfußballtrainer Saban Uzun über die Misere beim TuS
Ergenzingens A-Jugendfußballtrainer Saban Uzun.

SABAN UZUN: Aktuell grad nicht! Denn in den ersten drei Spielen haben wir ja gegen Biberach, Achstetten und Derendingen gespielt, also Mannschaften, die mit uns um den Abstieg spielen werden – das waren auch keine Mannschaften auf Verbandsstaffel-Niveau wie zuletzt Ravensburg und UlmII, wo wir absolut das Nachsehen hatten. Wir haben insofern noch Hoffnung, weil es mit uns noch ein paar Mannschaften gibt, die gegen den Abstieg kämpfen werden.

Gegen die aber auch gepunktet werden sollte.

Ja,die nächsten drei Wochen werden für uns entscheidend sein, da wir da noch gegen die zwei Aufsteiger und gegen Albstadt spielen. Wenn wir da keine Punkte holen, dann sieht’s richtig schlecht aus. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir die Vorrunde mit null Punkten beenden, weil wir danach gegen Wangen spielen, gegen Zimmern, Rottweil – und da rechnen wir uns nicht wirklich viel aus.

Ihr Trainerkollege Alexander Schreiner und Sie haben schon vor der Runde gesagt, dass es wohl nur um den Klassenverbleib geht. In der Vorsaison hatte der TuS noch lange um den Aufstieg mitgespielt. Wie erklären Sie den Absturz?

Das war ja so, dass es einen totalen Umbruch gegeben hat. Normalerweise wären von dem vergangenen A-Jugendkader sieben Spieler noch spielberechtigt gewesen. Von denen sind jetzt aber auch nur noch zwei übrig geblieben, einer mit einem Kreuzbandriss. Sonst sind alle weggegangen, und die, die aus der B-Jugend nachrücken sollten in die A1, die fehlen. Da gab es keinen. Und deshalb mussten wir Spieler von der A2 nehmen, von denen wir gedacht haben, dass wir sie in ihrem ersten A-Jugendjahr über die A2 erst einmal langsam heranführen. Diese Spieler sind jetzt halt gleich ins kalte Wasser geworfen worden und spielen Verbandsstaffel, obwohl viele noch gar nicht das Niveau hierfür haben.

War daher für die A-Junioren das Bundesliga-Jahr der B-Junioren ein Fluch?

Für die A-Junioren war’s auf jeden Fall ein Fluch, ja! Weil auch viele sich danach für die Verbandsstaffel-A-Jugend, keine Ahnung, „zu gut“ waren, sich einfach anderweitig umgeschaut und den Verein gewechselt haben. Wir hatten einfach auch das Problem mit der Kaderfindung.

Obwohl Sie viele Sichtungstraininge organisiert haben?

Ja, wir haben drei Mal Probetraining gemacht, haben das auch ausgeschrieben, Flyer gemacht. Aber da war kein Zuspruch da – da kamen wirklich kaum Spieler!

Wobei der TuS Ergenzingen im Jugendfußball in der Region immer eine führende Rolle spielte und einen guten Namen hat. Ist die Konkurrenz mit dem VfL Nagold und FC Rottenburg mittlerweile zu groß?

Einerseits ja. Andererseits glaube ich, dass die anderen Vereine einfach auch aufgeholt haben. Und einige Spieler, an denen wir auch noch interessiert waren, die haben gesagt, dass sie den Aufwand, Verbandsstaffel zu spielen, nicht auf sich nehmen wollen. Die spielen dann bei sich daheim im Flecken, wo sie mit ihren Kumpels spielen. Das kommt dann in der A-Jugend auch noch mit dazu. Irgendwo war Ergenzingen früher immer Sprungbrett für höhere Karrieren. Und wenn jetzt manche Spieler den Zug für sich da abgefahren sehen haben, dann bleiben sie lieber bei sich daheim im Flecken anstatt drei Mal in der Woche nach Ergenzingen zu kommen.

Heißt das, Ergenzingen ist hier auch nicht mehr eine große Nummer im Jugendfußball?

Das würde ich nicht sagen! Ich würde sagen, dass Ergenzingen auf jeden Fall immer noch angesehen ist, aber dass wir jetzt auf jeden Fall die Klasse halten müssen. Wenn wir jetzt absteigen in die Bezirksstaffel, dann ist auch der Ruf in Gefahr! Deswegen müssen wir das auch mit aller Macht verhindern! Wenn wir es dieses Jahr schaffen, dann kommen auch wieder gute Spieler nach: In der B-Jugend hat es gute Spieler, in der C-Jugend – und vor allem auch Eigengewächse, auf die man bauen kann.

In den vergangenen Jahren spielten immer viele Spieler aus den umliegenden Vereinen beim TuS.

Früher war es immer so, dass die B- und A-Jugend von Spielern geprägt worden sind, die eigentlich aus dem ganzen Bezirk kamen. Die sind dann immer wieder zu ihren Vereinen zurückgegangen. Jetzt gibt’s auch im Verein einen Umbruch, dass man sagt, wir versuchen das vermehrt auch mit den eigenen Spielern zu schaffen. Und dafür ist dieses Jahr auch ganz wichtig. Wenn wir das packen, sieht es auch wieder besser aus – aber das wird ganz schwer!

Wie unterstützt euch der Verein dabei?

Wir werden uns demnächst mal zusammen setzen, dann müssen wir uns überlegen, was es für Möglichkeiten gibt, wie man die Situation retten kann. Ob das jetzt Spieler sind, die vielleicht von auswärts dazustoßen, oder das vielleicht vereinsintern irgendwie löst – das müssen wir dann bereden.

Sind Sie angesichts der Misere noch motiviert?

Auf jeden Fall! Ich will alles dafür geben, dass wir das noch schaffen, weil mich das auch selber packt: Ich habe ja selber hier in der A-Jugend gespielt und weiß, dass Ergenzingen seit den 70er, 80er Jahren mit der A-Jugend in der Verbandsstaffel spielt. Und da will man nicht selber dafür verantwortlich sein, wenn die Mannschaft jetzt dann absteigt. Archivbild: radi

Das Interview führte Tobias Zug

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13.10.2010, 12:00 Uhr

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