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Schutz für viele Fenster in Shanghai

Ergenzinger Rauschenberger-Gruppe sieht einem Millionen-Auftrag für Rollladen-Systeme entgegen

Die Ergenzinger Hartschaumtechnik GmbH hofft auf einen Großauftrag aus Shanghai. Er brächte in den nächsten drei bis vier Jahren etwa 15 Millionen Euro Umsatz. Es geht um 80 000 Quadratmeter Rollladen, hergestellt im Zweigbetrieb im bayerischen Schondorf

18.09.2012
  • Gert Fleischer

Ergenzingen. Das Firmengebäude der Rauschenberger Hartschaumtechnik im Ergenzinger Gewerbegebiet „Höllsteig“ hat nichts Spektakuläres. Der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (CDU) kam als Vertreter der Bundesregierung und vertrat Annette Widmann-Mauz. Sie befindet sich gerade selbst in China, um sich über die dortige Medizin zu informieren. Fuchtel ist freilich China-Experte. „Bei mir war jeder chinesische Botschafter seit 1987 zu Besuch, und nicht nur einen Tag, sondern drei, vier Tage.“

Torsten Rauschenberger, einer der beiden Geschäftsführer der Rauschenberger-Gruppe, begrüßte die Gäste. Fuchtel pries China als Deutschlands wichtigsten Handelspartner. Waren im Wert von 65 Milliarden Euro seien voriges Jahr nach China exportiert worden, im Gegenzug habe Deutschland Waren für 80 Milliarden Euro aus China bezogen. Die Gäste hätten sich, sagte Fuchtel, in der Firma Rauschenberger „eine richtige Perle rausgesucht“. Solche kleinen und mittelständischen Firmen seien es, die das wirtschaftliche Geschehen in Deutschland stark prägen. Fuchtel empfahl den Chinesen die duale Ausbildung des deutschen Handwerks und wünschte Frieden, Wirtschaftsethos und die Bewahrung der Menschenrechte.

Luftiger als Rollladen, stabiler als Jalousien

Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher erklärte der Delegation, dass in Ergenzingen in den vergangenen zehn Jahren 1500 Arbeitsplätze entstanden sind, und hieß die Gäste „herzlich willkommen“. Ulrich Handte, Marketing- und Vertriebsleiter bei Rauschenberger, stellte die 1974 in Baisingen von Erhard Rauschenberger gegründete Firma vor. Damals war es noch ein in der Tank- und Heizungsbranche tätiges Handelsunternehmen. 1985 kam die Produktion von Heizkesselpodesten und Isolierschalen aus Polyurethan-Hartschaum hinzu.

1989 traten die Söhne Uwe und Torsten Rauschenberger ins Unternehmen ein, die Firma hieß dann Rauschenberger Hartschaumtechnik. Auch ihre Schwester Heidrun Rauschenberger arbeitet im Familienbetrieb. Ein Jahr später kam die Produktion von Rollladensturzkästen und Deckenrandschalungen aus PU-Hartschaum hinzu. Danach kamen Putzträgerplatten, Profilfüller und isolierte Luftführungssysteme hinzu.

2006 erwarben Torsten und Uwe Rauschenberger – beide inzwischen Geschäftsführer – die CoPrix Wiehofsky GmbH in Schondorf am Ammersee und benannten sie in Rauschenberger Spezialbaustoffe GmbH um. Dieser Betrieb war und ist weiterhin spezialisiert auf Rollladenkästen (Markenbezeichnung „Prix“). Zuletzt entwickelte die Rauschenberger-Gruppe den „jalousierbaren Rollladen“. Dabei handelt es sich um die Kombination eines herkömmlichen Rollladens mit einer herkömmlichen Jalousie. Während eine Jalousie Räume nur nur begrenzt abdunkelt, schafft das der jalousierbare Rollladen wie ein normaler Rollladen auch. Während ein gewöhnlicher Rollladen, wenn er heruntergelassen ist, nur wenig Licht und Luft einlässt, schafft das der jalousierbare Rollladen durch Öffnen der Lamellen in weitaus größerem Maß. In das System lässt sich auch ein Insektenschutznetz einbauen. Diese Rollläden lassen sich aufrollen, sie sind robust gegenüber schlechtem Wetter und hat Einbruchsicherung.

Für den jalousierbaren Rollladen erhielt die Rauschenberger Spezialbaustoffe GmbH eine Auszeichnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sowie 2009 den Innovationspreis der R+T-Messe Stuttgart.

Fassaden und Fenster werden jetzt gedämmt

Der Chef der chinesischen Delegation Tang Lieyu, Vorstandsmitglied der Shanghai Lujiazui Finance & Trade Zone Co., Ltd. (LJZ), berichtete, dass er früher Hamburg und Berlin besucht habe, um sich Hochhäuser anzusehen und von den Erfahrungen hiesiger Bauherren, Architekten und Techniker zu lernen. Vielfach habe er Bauteile bewundert, die dem Umweltschutz und dem Energiesparen dienen. Seit einem Jahr seien in Shanghai und der Provinz die Außendämmung der Fassaden und Wärmedämmung der Fenster vorgeschrieben.

Tang Lieyu erzählte, welch große Mengen an Wohnfläche in Shanghai gebaut werden. Sein Unternehmen sei beauftragt, einen ganzen Stadtbereich auf der Flussseite gegenüber der historisch gewachsenen Stadt zu entwickeln und zu bauen. Im Jahr 2002 habe der Quadratmeterpreis für neue Wohnungen im Verkauf noch zwischen 500 und 1000 Euro gelegen. Jetzt erreiche er gelegentlich 10 000 oder 20 000 Euro.

Weil Baugrund so teuer ist, werden Hochhäuser errichtet. LJZ soll eine Siedlung bauen mit 240 000 Quadratmetern Baufläche für 2066 Familien. Die chinesische Familie habe wegen der Ein-Kind-Politik meistens drei Personen. Wesentlich größere Wohnungen bieten Appartement-Häuser ausländischen Bankern. Tang Lieyu: „Bankiers haben Geld.“ 300 Quadratmeter Baufläche und mehr seien üblich. Das ist wegen der Kosten bemerkenswert: In guter Lage kostet so eine Wohnung dann 3 bis 6 Millionen Euro.

Ergenzinger Rauschenberger-Gruppe sieht einem Millionen-Auftrag für Rollladen-Systeme entgegen
Firmendelegation aus Shanghai bei der Rauschenberger Hartschaumtechnik GmbH in Ergenzingen. Hinten stehen (von links) Uwe Rauschenberger, Torsten Rauschenberger und Heidrun Rauschenberger. Auf der vorderen Bank Ursula Klotz, Export-Zuständige bei Rauschenberger in Schondorf, Parlamentarischer Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und seine Lebenspartnerin Iris Follak, gegenüber Generalmanager Tang Lieyu (helles Hemd, Brille). An dessen rechter Seite sitzen Dolmetscher David Guo und Chefarchitekt Chen Guoliang, an seiner linken Seite, Chefarchitekt Lu Xiaohua, Buchhalterin Chen Weiping und Marketing-Frau Xia Xinyue. Bilder: Fleischer

Ergenzinger Rauschenberger-Gruppe sieht einem Millionen-Auftrag für Rollladen-Systeme entgegen
Das sind die jalousierbaren Rollladen der Firma Rauschenberger. Die Lamellen lassen sich auch teilweise öffnen.

Die Shanghai Lujiazui Finance & Trade Zone Co., Ltd. (LJZ) baut im Knie des Flusses Huangpu in Shanghai einen ganzen Stadtteil mit Hochhäusern, in denen Fünf-Sterne-Hotels, Büros und noble Geschäfte sind. Die LJZ ist auch im privaten Wohnungsbau aktiv, veranstaltet Messen auf 200 000 Quadratmetern Fläche in Kooperation mit der Hannover Messe, macht Finanzanlagen und hat einen Tourismus-Sektor, der sich zur Hälfte am Bau eines Disney-Lands in Shanghai beteiligt. „Wir wussten auch nicht, dass das Unternehmen so groß ist“, sagte Torsten Rauschenberger überrascht und beeindruckt.

„Wir sollen Manhattan aufbauen“, sagte Tang Lieyu, Chef der Sparte für Privatwohnungsbau und Mitglied im Gesamtvorstand. 400-Meter-Hochhäuser gibt es schon, nun ist ein Tower mit 680 Meter Höhe geplant. Eine Million Quadratmeter Baufläche habe die LJZ bereits realisiert, 1,2 Millionen sind im Bau und weitere 2,8 Millionen Quadratmeter sollen in den kommenden fünf Jahren folgen. Zusammen entspricht das 50 000 Wohnungen zu je 100 Quadratmetern. Genau gesagt von 70 Quadratmetern, denn die Chinesen rechnen bei der Baufläche alle Gemeinschaftsflächen innerhalb des Gebäudes mit ein.

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18.09.2012, 12:00 Uhr

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