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Nachdenken über den Ersten Weltkrieg am Freitag auf dem Thiepval-Gelände

Erinnern an den Kriegsbeginn: Vorträge, Lesungen, Führungen

„Mars herrscht jetzt!“, schrieb die „Tübinger Chronik“ in ihrer Ausgabe vom 1. August 1914. Krieg! Der Fachbereich Kunst und Kultur der Universitätsstadt Tübingen lädt 100 Jahre später mit zahlreichen Kooperationspartnern dazu ein, über den Ersten Weltkrieg und seine Folgen nachzudenken.

23.07.2014
  • Hans-Joachim Lang

Tübingen. Zu der ganztägigen Veranstaltung lädt die Stadt an einen historisch passenden Ort, nämlich auf das Areal der ehemaligen Thiepvalkaserne. Das mittlerweile zivil genutzte Gebäude wurde kurz nach dem 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreich erbaut und 1938 nach dem französischen Ort Thiepval benannt, wo im Ersten Weltkrieg die verlustreichste Einzelschlacht tobte. Über eine Million tote Franzosen, Deutsche und Briten wurden gezählt.

Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Boris Palmer um 11 Uhr folgt ein zwölfstündiges Programm, mit dem ein breites Spektrum an Kriegsbetrachtungen aufgefächert wird. Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Führungen, Lieder wechseln sich ab und versprechen außer belehrender Tiefe auch unterhaltsame Abwechslung.

„Fort mit Büchern, her mit Waffen!“

Es ist das Programm einer Universitätsstadt, das diesem Attribut angemessen ist. Im Gegensatz dazu stehen die Reaktionen in der Universitätsstadt vor 100 Jahren. „Fort mit Büchern, her mit Waffen“: Mit diesen Worten beschrieb der Jura-Professor Wilhelm von Blume die Kriegsbegeisterung im akademischen Tübingen, als das Deutsche Kaiserreich am 1. August 1914 Russland den Krieg erklärte. „Wir stehen unmittelbar vor dem Weltkrieg“, schrieb die hiesige Lokalzeitung am Tag zuvor. „Hier in Tübingen herrschte gestern nachmittag“ – also am 30. Juli – „am Abend und die ganze Nacht hindurch bis in die frühen Morgenstunden entsprechend reges Leben. Überall standen Bürger und Studenten auf den Straßen zusammen und besprachen das Kommende, und überall erschallten patriotische Lieder, wuchsen vaterländische Kundgebungen förmlich aus dem Boden.“

Eine erste vertiefende Reflexion über die Zeitereignisse, Reflexion aber auch auf die Gegenwart, kommt von Germanistik-Professor Jürgen Wertheimer. „Reklamefahrten zur Hölle – das makabre Faszinosum der Gewalt“, ist sein Beitrag überschrieben. Organisatorin Dagmar Waizenegger, die eine unglaubliche Vielzahl von Institutionen und Einzelpersonen zum Mitmachen animieren konnte, freut sich besonders, dass sie mit entsprechenden Kooperationspartnern viele Blicke über die nationale Grenze ermöglichen kann.

So zeigt das Deutsch-Französische Kulturinstitut in einer Auswahl das literarische Nachwirken des Ersten Weltkriegs von den 1920er Jahren bis heute. Schauspielerin und Theaterleiterin Maria Chiarini kommt zusammen mit der jungen Akkordeonistin Ilaria Castellani aus der Partnerstadt Perugia und bringt Lieder mit, die im Ersten Weltkrieg entstanden sind: „La fine d’un mondo“ – „Das Ende der Welt“. Schülerinnen und Schüler des Carlo-Schmid-Gymnasiums, die Anfang Juli in der Partnerstadt Durham an einem internationalen Workshop zum Ersten Weltkrieg teilnahmen, werden von ihren Erfahrungen berichten. Aus Durham bringt der dortige Stadtarchivar Feldpostbriefe britischer Soldaten mit.

Die Archive von Stadt und Kreis Tübingen stellen Kriegstagebücher, Chroniken, Fotos und Zeichnungen aus dem Militärleben und dem Alltag der Tübinger vor. Führungen und Spaziergänge thematisieren Militärgeschichte und Architektur. Der britische Dokumentarfilm „Die Schlacht an der Somme“ aus dem Jahr 1916 demonstriert eindrücklich die Grausamkeit des Stellungskrieges.

Erinnern an den Kriegsbeginn: Vorträge, Lesungen, Führungen
Dieses 1873 erbaute Gebäude in der Südstadt wurde bis 1978 militärisch genutzt. Ab 1938 hieß die Kaserne nach Thiepval, einem französischen Dorf, wo während der Somme-Schlacht auch deutsche Soldaten des 180. Württembergischen Infanterieregiments kämpften, deren Heimatgarnison Tübingen war. Bild: Stadtarchiv

11 Uhr Begrüßung OB Boris Palmer
11.10 Uhr Das makabre Faszinosum der Gewalt(Jürgen Wertheimer)
12.15 Uhr Tagebucheinträge des Artillerieleutnants Konrad Heimberger (Elke Thran)
12.15 Uhr Der Erste Weltkrieg in Prosa und Drama (Anja Brutsche, Anne-Julia Koller, Karl Corino)
13 Uhr Kurzpräsentation der Weltkrieg-Ausstellung im Stadtmuseum (Evamarie Blattner, Holger Fricke)
13 Uhr Die Thiepvalkaserne und ihre Nebengebäude (Führung durch Holger Starzmann, Treffpunkt Haupteingang Finanzamt)
13.20 Uhr Französische Texte zum Ersten Weltkrieg (Sylviane Dechezleprêtre-Wimmer, Christiane Vogel Matthieu Osmont)
13.30 Uhr „La fine d’un mondo“ – Lieder aus dem Ersten Weltkrieg (Maria Chiarini, Ilaria Castellani)
14.05 Erfahrungsbericht über einen Workshop zum Ersten Weltkrieg in Durham (Carlo-Schmid-Gymnasium)
14.30 Uhr Die Kunst und der Erste Weltkrieg (Dagmar Waizenegger)
14.30 Uhr Cornelius Breuniger und das Tübinger Regiment (Frieder Riedel)
15 Uhr Eberhardskirche, ehemalige Garnisonskirche (Führung von Pfarrer Harry Wassmann, Treffpunkt am Kirchplatz)
15 Uhr Die Thiepvalkaserne und ihre Nebengebäude (Führung durch Holger Starzmann, Treffpunkt Haupteingang Rechnungsprüfungsamt)
15.10 Uhr Kurzpräsentation der Weltkrieg-Ausstellung im Stadtmuseum (Evamarie Blattner, Holger Fricke)
15.25 Uhr Der Erste Weltkrieg in aktuellen Museen und Ausstellungen (Thomas Thiemeyer)
15.30 Uhr Aus der „Tübinger Chronik“ 1914: Die Ankunft des ersten Lazarettzuges (Udo Rauch)
16 Uhr Ohrfeigen für den Pfarrer. Regionalgeschichtliche Spuren des gesellschaftlichen Umbruchs (Wolfgang Sannwald)
16 Uhr Mazedonien: Erde der Versöhnung über deutschen und französischen Soldatengräbern (Michel Richaud, in englischer Sprache)
16.40 Uhr Wer ist verantwortlich für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs? (Ewald Frie)
16.40 Uhr Die Somme-Schlacht (Frieder Riedel)
17.10 Uhr Zeitspuren vom ersten Kasernenbau in der Südstadt bis zu den Ehrenmälern 1927 und 1937 (Führung durch Johanna Petersmann, Treffpunkt Ecke Schellingstraße / Esslinger Straße)
17.20 Uhr Identifikation zweier Soldaten aus Württemberg (Alastair Fraser)
17.25 Uhr Auszüge aus der Kriegschronik der Gemeinde Derendingen 1914 - 1918 (Antje Zacharias)
18 Uhr Der „Einbildungsroman“ des USA-Immigranten Erwin Blumenfeld (Dietmute Zlomke)
18 Uhr „La fine d’un mondo“ – Lieder aus dem 1. Weltkrieg (Maria Chiarini, Ilaria Castellani)
18 Uhr Eberhardskirche, ehemalige Garnisonskirche (Führung von Pfarrer Harry Wassmann, Treffpunkt am Kirchplatz)
18.40 Uhr Lyrik im 1. Weltkrieg (Yannick Lengkeek, Marcus Hammerschmitt)
19 Uhr Mein Großvater als Soldat im Ersten Weltkrieg und was meinem Vater und mir daraus erwuchs. (Kurt Oesterle)
19.30 Uhr „Selig sind die Friedensstifter!“ Abendandacht in der ehemaligen Garnisonskirche (Pfarrer Harry Waßmann in der Eberhardskirche)
19.45 Uhr Feldpostbriefe britischer Soldaten (Jo Vietzke)
20.05 Uhr Die Zeichnungen des Lustnauer Malers Karl Betz (Wolfgang Sannwald)
20.20 Uhr Die Schlacht an der Somme, Dokumentarfilm von 1916 (Einführung Ulrich Hägele)
21 Uhr Publizistische Ein- und Ausfälle. Texte von Kerr und Kraus (Michael Raffel)
22 Uhr Konzert mit Nino Latella

Eintritt frei. Wenn nicht anders angegeben, auf der Bühne vor dem Finanzamt oder im Veranstaltungsraum im Finanzamt.

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23.07.2014, 12:00 Uhr

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