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Erinnerung an Ergenzinger Opfer
Bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag überreichten Helmut Schäfer (Mitte) und Rainer Molitor (rechts) vom Ergenzinger Heimatkreis eine Erinnerung an die drei in Grafeneck ermordeten Männer an Ortsvorsteher Reinhold Baur (links).Bild: Stifel
Ausstellung

Erinnerung an Ergenzinger Opfer

In Grafeneck brachten die Nazis tausende Menschen um, darunter drei Ergenzinger. Daran erinnert eine Ausstellung in der Ergenzinger Gemeinschaftsschule.

26.11.2016
  • Klaus Stifel

Mit einem dunklen Kapitel der Zeitgeschichte beschäftigt sich eine Ausstellung in der Mensa der Ergenzinger Gemeinschaftsschule im Gäu, die nur dieses Wochenende zu sehen ist. Thematisiert wird die systematische Ermordung von 10654 Menschen in Grafeneck bei Münsingen, die während der Nazizeit wegen einer Behinderung als „lebensunwert“ galten. Zustande kam die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der „Gedenkstätte Grafeneck“ auf Initiative des Ergenzinger Heimatkreises unter Federführung des ersten Vorsitzenden Helmut Schäfer.

Hintergrund waren die Recherchen von Schüler/innen der Werkrealschule im Jahr 2013. Sie hatten die Aufgabe, nach Gefallenen und Vermissten aus Ergenzingen im Zweiten Weltkrieg zu suchen. Mit den Ergebnissen wandten sich die Schüler an den Heimatkreis. Der wiederum stellte zusammen mit Lehrer Bernhard Herrmann weitere Untersuchungen an und stieß auf drei Ergenzinger, die in Grafeneck ermordet wurden. An einer Schautafel in der Mensa sind die Geburtsurkunden und Taufregister von Ludwig Barth, Rupert Baur und Wilhelm Renz zu sehen.

Bei den Nachforschungen stellte sich zudem heraus, dass weitere Ergenzinger dem NS-Regime zum Opfer fielen. Es waren Karl Blocher und Anton Baur, die in den Konzentrationslagern Buchenau und Dachau ermordet wurden. Julie Gramer ist dem Transport nach Grafeneck entkommen.

Der Heimatkreis nahm all das zum Anlass, in Kooperation mit der Gedenkstätte Grafeneck eine Ausstellung zu organisieren. „Wir sind gerne mit einer Wanderausstellung hierher nach Ergenzingen gekommen“, sagte der Gedenkstättenleiter und Historiker Thomas Stöckle, der zur Eröffnung am Donnerstag vor 15 Interessierten referierte.

Im Oktober 1939 hatte der Massenmord in Grafeneck begonnen. „Aus einer Heilanstalt wurde eine industrielle Vernichtungsanstalt“, erzählte Stöckle. Die Entscheidung sei an einem Schreibtisch in Berlin gefällt worden. Die Opfer waren Menschen aus Einrichtungen der Behindertenhilfe und psychiatrischen Kliniken. Unter einem Vorwand wurden 10654 Menschen – Männer, Frauen und Kinder – aus 48 Behinderteneinrichtungen und psychiatrischen Kliniken aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen in grauen Bussen nach Grafeneck gebracht und dort mit Kohlenmonoxid getötet. „Die Zahl der Ermordeten war sicherlich höher“, meinte der Gedenkstättenleiter.

Die Leichen wurden vor Ort verbrannt. 100 Täter waren für die Ermordung zuständig. „Selbst Ärzte töteten“, sagte Stöckle, der anmerkte, dass dieses schreckliche Geschehen in Geschichtsbüchern so gut wie keine Erwähnung finde und Grafeneck noch viel zu unbekannt sei.

In seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung erzählte der Vorsitzende vom Ergenzinger Heimatkreis, Helmut Schäfer, über seine umfangreichen Recherchen. Bei den Forschungen in schimmeligen Büchern des Sterberegisters im Pfarrarchiv sei er auf drei Namen gestoßen, bei denen „Todesort: Grafeneck“ vermerkt war. „Es war schwer an diese Daten zu kommen“, sage ein sichtlich gerührter Helmut Schäfer.

Als Zeichen gegen das Vergessen überreichte er zusammen mit dem zweiten Vorsitzenden des Heimatkreises, Rainer Molitor, an Ortsvorsteher Reinhold Baur ein weißes Kästchen. Darin sind drei aus Ton geformte Menschen zu sehen samt einem Schriftzug mit den Namen der drei ermordeten Ergenzinger. Baur will das Kästchen im Rathaus aufhängen. „Dieses wichtige Thema wollen wir in den Blick der Bevölkerung rücken“, versprach Baur dem Heimatkreis.

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26.11.2016, 01:00 Uhr

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