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Erinnerungen an den Amoklauf
Hat in seiner Kindheit einen Amoklauf überlebt: Andy Murray. Foto: dpa
Terrorgefahr beschäftigt Andy Murray vor Davis-Cup-Finale besonders

Erinnerungen an den Amoklauf

Andy Murray soll das britische Davis-Cup-Team im Finale gegen Gastgeber Belgien zum ersten Titel seit 1936 führen. Die Terrorgefahr dürfte ihm dabei zusetzen. Murray hat selbst einen Amoklauf überlebt.

26.11.2015
  • SID

Gent: Andy Murray will erst gar nicht den Eindruck erwecken, als wäre er in diesen Tagen besonders beunruhigt oder besorgt. Trotz der in Brüssel immer noch geltenden höchsten Terror-Alarmstufe. "Business as normal" nennt der Weltranglistenzweite mit der leisen Stimme die Abläufe vor dem heute in Gent beginnenden Davis-Cup-Finale der Briten bei Gastgeber Belgien.

Murray ist eben Profi - doch normal wird auch in den nächsten Tagen nichts sein. Schon gar nicht für den Hoffnungsträger, der Großbritannien zum ersten Triumph im bedeutendsten Tennis-Teamwettbewerb seit 79 Jahren führen soll.

Wenn vor der "Flanders Expo"-Arena schwerbewaffnete Polizisten mit schusssicheren Westen patrouillieren, dann werden bei Murray die Erinnerungen wohl wiederkommen. Die Erinnerungen an das Trauma, "das immer ein Teil von mir bleiben wird", wie es der 28-Jährige beschreibt.

Am 13. März 1996 war es, als ein mit vier Gewehren bewaffneter Amokläufer in die Grundschule des schottischen 9000-Seelen-Orts Dunblane stürmte. Thomas Hamilton erschoss damals 16 Kinder und eine Lehrerin, später richtete er sich selbst. Andy Murray und sein ein Jahr älterer Bruder Jamie, der ebenfalls für das Finale nominiert wurde, konnten ins Büro des Schuldirektors flüchten. Sie versteckten sich und sangen zur Beruhigung mit einer Erzieherin Lieder. Die Murray-Jungs blieben bei dem Massaker unverletzt. Zumindest äußerlich.

Jahrelang hat Andy Murray einen falschen Heimatort angegeben, wenn er sich bei Tennisturnieren eingeschrieben hat. Er wollte nicht ständig auf die Tragödie angesprochen werden, nicht immer wieder von den traumatischen Minuten erzählen müssen. "Obwohl ich schon gemerkt habe, dass da ganz hinten in meinem Kopf etwas war", gestand Murray einmal: "Man kann sich gar nicht vorstellen, wie hart solch ein Ereignis für ein Kind ist." Seit ein paar Jahren setzt der Sohn einer früheren schottischen Tennis-Landesmeisterin, der 2016 selbst Vater wird, auf Konfrontation statt Verdrängung - und redet. "Ich hätte eines dieser Kinder sein können, die es getroffen hat", sagte Murray, der 2008 in seiner Autobiografie ausführlich über seinen "ganz persönlichen Albtraum" schrieb. Der Sport hat dem exzellenten Aufschläger geholfen, das Geschehene besser zu verkraften. Doch die Umstände für Murray sind in diesen Tagen immer noch ganz besondere.

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26.11.2015, 08:30 Uhr

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