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Fahnen und Bäckerhosen

Erinnerungsträchtiger Flohmarkt im legendären Domstüble

Otto Joos, der legendäre Joosebeck ist 1982 gestorben, das Domstüble hat seine Frau Lisel bis vor einigen Jahren weitergeführt. Der Flohmarkt am Samstag war der Kehraus in der Königstraße. Das Haus wird saniert und umgebaut.

10.12.2012
  • Fred Keicher

Rottenburg. Schon vor der offiziellen Öffnung um 10 Uhr wurde der Flohmarkt regelrecht gestürmt. Körbeweise wurden Gläser und Bäckerutensilien herausgetragen. Obenauf hatte einer ein großes Wellholz mit Kugellagern. Der Mann will seinen Namen nicht verraten, das Wellholz ist ein Überraschungsgeschenk zu Weihnachten.

Bekannt werden kann allerdings schon jetzt, dass Theresia Heyer aus Dettingen 15 Schnapsgläser gekauft hat. „Die sind robust und können auch mal umfallen“, sagt sie. Wozu sie sie braucht? Wenn der Musikverein zum Ständle kommt.

Einen Kreuzpickel und einen Holzschlitten hat das Ehepaar Dorner gekauft. Für zehn Euro den Schlitten, für fünf den Pickel. „Schauen Sie sich mal die Qualität an“, schwärmt er.

Nicht fündig wurde allerdings Susanne Ulmer. Sie suchte den Brezelstecken, mit dem Otto Joos immer die Brezeln in die Wirtschaft hereingetragen hat. Einer wird ihr angeboten. „Nein der ist es nicht, das war ein ganz einfacher.“

„Aus so einem Glas habe ich immer um 30 Pfennig einen süßen Sprudel getrunken“, erinnert sich Felicitas Saile-Becker. Ihr Mann hat damals eine „Peng Limonade“ bevorzugt, irgendwas Gelbes. In der Hohlstunde seien sie vom Eugen-Bolz-Gymnasium herübergekommen. „Ja, immer wenn du den Religionsunterricht g’schwänzt hast“, ruft Hermann Sambeth rüber. Das lässt Saile-Becker nicht gelten: „Nein, du hast immer den Religionsunterricht g’schwänzt. Und dein Vater hat im Bistum g’schafft.“ Ihrer auch, gibt sie zu, aber sie besteht drauf, dass sie nur beim Französisch-Unterricht gefehlt hat – ein Geständnis das ihr schwerfällt. Die Lehrerin lebt noch.

Viele kamen, um noch einmal einen Blick in die Räume der Weinwirtschaft zu werfen. Wolfgang Joos, der Neffe von Otto Joos, ist mit seiner Frau Angelika aus Gomaringen herüber gekommen. Eigentlich wollte es die Familientradition der Bäckerdynastie, das der älteste Sohn Josef getauft wird und Bäcker wird. Als der Vater von Wolfgang Joos das aber ausschlug, übernahm der jüngere Otto das Bäckerhandwerk. Ottos Bäckerhosen und die Jacken haben ihn überlebt. Am Samstag gehörten sie mit zum Angebot. Nicht mehr im Angebot waren die stabilen Wirtshausstühle. Sie waren alle schon reserviert.

Hinter dem Wirtshaustresen standen Gertrud Sambeth und Margarethe Nohr. Sie hatten viel damit zu tun, Gläser aus dem Regal einzupacken, während auf dem Fensterbrett noch originalverpackt eingestaubte Weinrömer und Schnapsgläser standen. Susanne Ulmer war entzückt von Eierlikörgläsern im Charme der Fünfzigerjahre. Aber sie hatte schon zwei zu Hause. „Mehr brauch ich auch nicht.“

Die Nähe zum Dom war beim Joosebeck immer deutlich zu spüren. Das legendäre Dom stüble hatte einen nicht weniger legendären Stammtisch. Der tagte am runden Tisch und wurde von Geistlichkeit und heiteren Menschen wie Georg Blechner frequentiert – die dort wahrscheinlich über Gott und die Welt und die Bedeutung von Weinlagen wie Heuchelberg, Zweifelberg oder Heiligenberg disputierten.

Kirchenfahnen zu Fronleichnam in Weiß-Gelb, zeigte Hermann Sambeth her. Keine Nachfrage. Wenig Nachfrage auch nach Büchern. Eine Prachtausgabe der Heiligenlegenden lag neben Konsalik und Simmel, ein Buch über das Schicksal von Ehefrauen von katholischen Priestern neben den Nachrichten „Aus dem Schwäbischen Himmel“.

Der Erlös des Flohmarkts kommt dem Förderverein Hohenberghalle und der Rottenburger Tafel zum Heiligen Martin zugute.

Erinnerungsträchtiger Flohmarkt im legendären Domstüble
Um die Mittagszeit hatte sich das Angebot beim Joosebeck-Flohmarkt schon deutlich gelichtet. Bild: Faden

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10.12.2012, 12:00 Uhr

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