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Belobigung für Steinmetz Poppitz

Erker-Rekonstruktion am Schloss Hohenmühringen fand Beachtung in der Fachwelt

Ein nicht alltäglicher Auftrag am Schloss Hohenmühringen brachte dem Bildechinger Steinmetzbetrieb von Jürgen Poppitz eine nicht alltägliche Auszeichnung ein.

14.09.2011

Von Rainer Sattler

Bildechingen/Mühringen. Bei umfangreichen Umbauarbeiten an dem im Kern aus dem Mittelalter stammenden Schloss im Jahr 1857 ersetzte ein im englischen neugotischen Stil geschaffener Erker einen schlichter gestalteten Vorgänger. Dieser Erker hatte durch eingedrungenes Wasser Risse und in Folge größere Abplatzungen erlitten ? als irreparabel erwiesen sich die Schäden. In zweierlei Hinsicht geriet der Auftrag für Steinmetzmeister Jürgen Poppitz zur Herausforderung. Betraf die originalgetreue Rekonstruktion die (gewohnte) kunsthandwerkliche Seite des Steinmetzberufs, erwies sich der Abbau des gewichtigen Bauteiles als besonders schwierig. Das Eingangstor zur Schlossanlage lässt nämlich die Durchfahrt eines größeren Kranfahrzeuges nicht zu. Als recht knifflig erwies sich die einzige machbare Lösung: Im Gutshof wurde ein 120 Tonnen-Autokran stationiert, welcher das Schwergewicht sicher auf den Boden bugsierte. Das Problem dabei war, dass der Kranführer keinen Sichtkontakt zum Objekt hatte ? „blind? und nur auf Funkkommandos reagierend bugsierte er den Erker nach unten. Dieselbe Aufgabe mit umgekehrtem Ablauf stand natürlich bei der Installation der Rekonstruktion wieder an. Diese wog immerhin noch 750 Kilogramm, in drei Segmenten herausgearbeitet aus einem ursprünglich 3,5 Tonnen schweren Rohblock. Für die Rekonstruktion verwendete Poppitz „Kylltaler Sandstein rotbraun gebändert?, die restlichen Steine wurden mit Udelfanger Sandstein ersetzt. Vor rund 150 Jahren war dafür rot-brauner Sandstein aus Renfrizhausen und gelb-grünlicher Sandstein aus Hochdorf verwendet worden.

Für jeden der drei Erkersteine waren in der Bildechinger Steinmetzwerkstatt 300 Arbeitsstunden von Jürgen Poppitz und Mitarbeiter Alexandre Aubry notwendig. Vor allem der französische Steinmetz und Bildhauer Aubry, seit fünf Jahren bei Poppitz beschäftigt, konnte sein ganzes kunsthandwerkliches Können einbringen. Insgesamt rekonstruierte der Steinmetzbetrieb Poppitz einen Fenstersturz, die drei erwähnten Blendmaßwerke und das Wappen derer von Podewils. Zusätzlich wurden zwölf Brüstungsmaßwerke einer Balustrade komplett nach den verwitterten Originalen erneuert und eingebaut.

Fachliche Anerkennung fanden die von Mai 2009 bis Juli 2010 ausgeführten Arbeiten. Im Wettbewerb um den Peter-Parler-Preis 2011 in der Bewertung dessen, was das Steinmetzhandwerk für die Erhaltung von Kulturgut leistet, zeichnete die Jury Poppitz mit einer Belobigung aus. Die Präzision in der handwerklichen Bearbeitung hat mit Sicherheit dazu beigetragen, in die Bewertung durch die Fachjury überhaupt aufgenommen zu werden. Der Preis wird alle zwei Jahre in Nürnberg verliehen. Auslober des Preises sind die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Bundesverband Deutscher Steinmetze.

Jürgen Poppitz (Bild rechts, links) und sein französischer Mitarbeiter Alexander Aubry erneuerten den oberen Teil eines Erkers am Schloss Hohenmühringen. Außerdem wurde das Wappen im unteren Teilbereich instandgesetzt. Eine Belobigung im Wettbewerb um den Peter-Parler-Preis war der Lohn der Mühen.Bilder: rs

Alexander Aubry bei der Arbeit.Privatbild

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Erstellt:
14. September 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. September 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. September 2011, 12:00 Uhr

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