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Enttäuschendes Aus im Parteirat der Grünen bringt Palmer Zeit

Erleichterung für die Arbeit im Rathaus

Boris Palmer ärgerte sich, dass er am Freitag nach Hannover musste, statt zur Feuerwehrkneipe zu gehen. Dabei war der Landesinnenminister da. So etwas wird dem Tübinger Oberbürgermeister in nächster Zeit vermutlich seltener passieren.

20.11.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. Am Samstag war Boris Palmer vergeblich zur Wiederwahl in den Parteirat angetreten, zwischen den Parteitagen das zweitwichtigste Gremium der Grünen nach dem Vorstand. Mit 47 Prozent erhielt er das schlechteste Ergebnis aller Kandidaten (wir berichteten). Zwei Tage später versuchte der Tübinger Rathaus-Chef gestern, seiner Niederlage Positives abzugewinnen. „Die Leute finden es gar nicht so gut, wenn man sich als Oberbürgermeister parteipolitisch stark engagiert“, erklärt er. „Persönlich bin ich enttäuscht, aber für meine Arbeit in der Stadt bedeutet es eine Erleichterung“ – schon allein, da die Arbeit im Parteirat, dem er zwei Jahre lang angehörte, eine große zeitliche Belastung war.

Der 40-Jährige sieht hauptsächlich zwei Ursachen für sein schlechtes Abschneiden. Da ist zum einen „die Dialektik in der Partei“. Er hatte sich stets dafür eingesetzt, dass sich die Grünen einer möglichen Koalition mit der CDU öffnen, und er unterstützte Katrin Göring-Eckardt als Spitzenkandidatin neben Jürgen Trittin. Doch statt durch die Führungsgremien der Partei kam sie durch eine Urwahl zu dieser Position. „Diejenigen, die sie nicht an der Spitze wollen und die Diskussion über Schwarz-Grün am liebsten beenden würden, hatten ein strategisches Motiv, mich abzuwählen.“

Überdies, das sieht Palmer als zweiten Grund, „lief ich ins offene Messer, weil ich Dinge direkt und offen angesprochen habe“. Damit meine er eher seinen Kommunikationsstil als bestimmte Themen. Es falle ihm schwer, nun lernen zu müssen, dass „eine offene und direkte Ansprache nicht immer erfolgreich“ sei. Auch habe er erkennen müssen, dass er in einer Partei nicht die gleiche Bereitschaft voraussetzen könne, „sich den schwierigen Anforderungen des Tagesgeschäfts zu stellen“ wie in der Kommunalpolitik.

Damit dürfte Palmer auf seinen Auftritt in München anspielen. Dort trat er zur Unterstützung des OB-Kandidaten der Grünen auf und beschrieb den kommunalpolitischen Kurs Tübingens. Die Grüne Jugend fühlte sich provoziert und verließ den Saal. Später hielt sie ihm eines Plakats der Stadtwerke wegen Sexismus vor, prangerte Affenversuche in Tübinger Labors und Law-and-Order-Positionen an. Parteiarbeit und Kommunalpolitik seien zwei verschiedene Felder, und „die Übertragung ist mir nicht geglückt“, räumt Palmer ein.

Erleichterung für die Arbeit im Rathaus
Gar nicht so leicht zu erklären: Boris Palmer verpasste meilenweit den Wiedereinzug in den Parteirat der Grünen. Archivbild: Sommer

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20.11.2012, 12:00 Uhr

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