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Wer tut so etwas?

Ermittlungen zu den Tätern laufen - Festnahmen in Belgien - Mindestens ein Angreifer flüchtig

Nach der Anschlagsserie von Paris wurden gestern erste Einzelheiten zu den Tätern bekannt. Unter anderem identifizierten Ermittler einen toten und einen flüchtigen Angreifer. Doch es bleiben viele offene Fragen.

16.11.2015
  • DPA/AFP/KPR/HÖH

Ermittlungen zu den Tätern laufen - Festnahmen in Belgien - Mindestens ein Angreifer flüchtig
Präsenz zeigen: Polizisten standen gestern Wache am Eiffelturm in Paris. Foto: Imago

Was wissen wir über die Täter? Stand gestern Abend waren es mindestens acht Attentäter, womöglich aber auch mehr. An den Tatorten fand die Polizei sieben tote Angreifer. Mindestens ein Verdächtiger war gestern Abend auf der Flucht. Die belgische Justiz schrieb den 26-jährigen Mann international zur Fahndung aus, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Über fünf Angreifer wurden Details bekannt. Einer war ein französischer Kleinkrimineller, zwei waren Franzosen, die zuletzt im Großraum Brüssel lebten. Zwei weitere Angreifer reisten womöglich als Flüchtlinge getarnt ein. Jedenfalls wurde bei einem Selbstmordattentäter am Stade de France ein syrischer Pass gefunden. Nach Angaben der griechischen Behörden ließ sich mit dem Pass im Oktober ein Mann auf der griechischen Insel Leros als Flüchtling registrieren. Die Ermittler sind aber vorsichtig: Der Pass könnte gefälscht, gekauft, weitergereicht oder gestohlen worden sein.

Wer waren die Attentäter? Als erster Angreifer aus dem "Bataclan" wurde der 29-jährige Franzose Omar Ismail Mostefai identifiziert. Der Kleinkriminelle war wegen mehrerer Straftaten verurteilt worden, zuletzt stand er im Visier der Sicherheitsbehörden, weil er sich im islamistischen Milieu radikalisiert hatte. Er hielt sich 2014 sehr wahrscheinlich in Syrien auf - unklar ist aber, ob er mit einem Auftrag für einen Anschlag zurückkehrte.

Wie gingen die Angreifer vor? Laut bisherigem Ermittlungsstand schlugen die Attentäter in drei Teams an sechs Orten in der französischen Hauptstadt nahezu gleichzeitig zu: Eines am Stadion Stade de France, eines im Konzertsaal "Bataclan", das dritte an mehreren öffentlichen Plätzen, vor Restaurants und Bars.

Was passierte am Stadion? Das erste Team, drei Selbstmordattentäter, sprengte sich vor dem Fußballstadion Stade de France im Norden von Paris in die Luft. Völlig geklärt ist der Ablauf noch nicht. Die Männer wollten offenbar ins Stadion eindringen, wo das Länderspiel Deutschland gegen Frankreich stattfand. Das sagte gestern der französische Sport-Staatssekretär. Die Gegend vor dem Stadion war glücklicherweise nahezu menschenleer.

Was passierte im "Bataclan"? Drei Attentäter griffen die Konzerthalle "Bataclan" an. Sie schossen auf Besucher eines dort stattfindenden Rockkonzerts. Während der Erstürmung durch die Polizei kamen sie um. Es gibt unterschiedliche Angaben dazu, wie viele sich selbst in die Luft sprengten und wie viele erschossen wurden.

Was machte das dritte Team? Das dritte Team, das offenbar in einem schwarzen Seat unterwegs war, soll binnen weniger Minuten an drei Orten in Paris auf die Gäste von Bars und Restaurants geschossen haben. Außerdem sprengte sich in einem Restaurant ein Selbstmordattentäter in die Luft. Bis gestern Abend war unklar, was mit den Angreifern im Seat geschah. Das Auto wurde in der östlich an Paris angrenzenden Vorstadt Montreuil gefunden, im Fahrzeug wurden mehrere Kalaschnikow entdeckt. Die Angreifer könnten zu den sieben Männern gehören, die in Belgien festgenommen wurden - oder aber sie sind noch auf der Flucht.

Welche Spur führt nach Belgien? Die Staatsanwaltschaft von Brüssel teilte am Sonntag mit, dass es sich bei zwei Angreifern um Franzosen handelte, die in der belgischen Hauptstadt Brüssel lebten. Einer von ihnen wohnte demnach im Problemvorort Molenbeek. Die Ermittler kamen ihnen offenbar über einen mutmaßlichen Tatwagen auf die Spur. In der Nähe des "Bataclan" war zuvor ein schwarzer Polo mit belgischem Kennzeichen gefunden worden. Der Wagen soll von einem Franzosen angemietet worden sein, der in Belgien lebt. Er geriet am Samstagmorgen in einem anderen Auto in eine Routinekontrolle, mit im Wagen waren mehrere Personen mit Wohnsitz in der Region Brüssel. Aufgrund dieser Verbindung durchsuchte die Polizei am Samstagabend in dem Brüsseler Einwanderer-Stadtteil Molenbeek Wohnungen und nahm fünf Menschen fest. Einer der Festgenommenen soll am Freitagabend in Paris gewesen sein.

Gibt es Komplizen? Die Attentäter brauchten Geld und Waffen für ihre Taten - hatten sie Unterstützer? Die Ermittler werden insbesondere der Frage nachgehen, woher die Männer ihre Kalaschnikows hatten und wie sie die Angriffe finanzierten. Außerdem hatten alle Angreifer Sprengstoffgürtel bei sich. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass der Sprengstoffspezialist, der die Gürtel herstellte, sich mit in die Luft sprengte.

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16.11.2015, 12:00 Uhr

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