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Appetit auf Mammut

Ernährungsgewohnheiten vor 30.000 Jahren

Prähistorische Menschen, die vor 30.000 Jahren in der Gegend des heutigen Brno (Tschechische Republik) lebten, waren alles andere als Vegetarier. Ein Wissenschaftlerteam unter Tübinger Leitung hat darüber geforscht.

25.11.2014
  • jol

Tübingen. Bei Brno sind bei verschiedenen Grabungen unzählige Knochen und auch Elfenbein von Mammuts gefunden worden. Knochen von mehr als tausend Mammuts waren zum Bau von Behausungen verwendet worden, das Elfenbein diente für die Anfertigung von Skulpturen. Woher stammte aber dieser Rohstoff? Sammelten die prähistorischen Menschen einfach nur die Kadaver in der Steppe oder jagten sie gezielt die Tiere, weil sie sich davon ernährten?

Knochen aus der Fundstelle

Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Prof. Hervé Bocherens vom Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen und dem Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment suchte nach Antworten. Dabei bediente es sich moderner naturwissenschaftlicher Analysemethoden und untersuchte die stabilen Kohlenstoff- und Stickstoffisotope in menschlichen und tierischen Knochen aus der Fundstelle. Aus dem Vergleich dieser Proben kann das Team herleiten, wovon sich die Lebewesen dort vor 30 000 Jahren ernährt haben. „Die Menschen an diesem Fundort aßen Mammutfleisch und das in großen Mengen“, sagt Bocherens, der die Ergebnisse der Untersuchungen jetzt veröffentlichte.

In der seinerzeit ganzjährig genutzten Siedlung fand sich auch eine große Zahl von Überresten weiterer Tiere, deren Knochen von den Forschern in die Isotopenanalyse einbezogen wurden. Demnach schätzten auch Braunbären und Wölfe Mammutfleisch.

Einige der gefundenen Knochen lassen sich steinzeitlichen Hunden zuordnen. Interessant war für die Forscher, dass diese anderes Fleisch bevorzugten. Der Signatur der Isotope konnten sie nämlich entnehmen, dass Hunde lieber Rentierfleisch verzehrten. Und diese Fleischsorte wiederum fanden die menschliche Jäger damals wohl weniger schmackhaft. „Ähnliches ist bei Traditionsvölkern nördlicher Regionen zu beobachten“, kann Bocherens diesem Befund hinzufügen. „Sie verfüttern das Fleisch an die Hunde, das sie selbst nicht so gern mögen.“

Hervé Bocherens findet aus den vorgelegten Ergebnissen nicht nur bedeutsam, dass in Europa vor 30 000 Jahren Mammuts „ein zentraler Faktor des prähistorischen Lebens“ waren. Es kommt nämlich noch die Erkenntnis hinzu, dass schon zu jener Zeit Hunde gehalten wurden. Der Tübinger Geowissenschaftler und seine tschechischen und belgischen Kollegen vermuten, dass sie zahm waren und als Transporttiere eingesetzt wurden.

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25.11.2014, 12:00 Uhr

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