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„Ernst Unernst“

Ernst Mantel präsentierte sein Soloprogramm

Wannweil. „Hosch dr Anfang mol verschissa, wird dr Rescht au bloss no Pfusch, kosch dr Mittldoil vergessa und glei lassa mit dm Schluss“, mit diesem vielversprechenden Lied eröffnete Ernst Mantel sein ausverkauftes Soloprogramm am Samstagabend in der Wannweiler Gemeindebücherei.

08.02.2010
  • karin burth

Der „Liedermacher, Komödiant und Schwabe“ von der Ostalb, bekannt vor allem als Teil des Duos „Ernst und Heinrich“ mit Heiner Reiff oder aber aus der musikalischen, komödiantischen Formation „Die Tierschau“.

Rund 100 Besucher/innen waren gekommen und verhielten sich ganz so wie es der Programm-Titel gebot: „unernst“. Ausgelassenes Gelächter zeugte von der Fähigkeit des Kleinkünstlers, scheinbare Banalitäten des Alltags wortgewandt und auf den Punkt gebracht zu besingen, begleitet von stimmungsvollen und virtuos gespielten Melodien auf Gitarre, Mandoline oder auch einem futuristischen, japanischen Synthesizermodell.

Zum Auftakt parodierte Mantel mit einer an Loriot erinnernden „Laudatio eines Politikers“ sowohl die berühmt-berüchtigte Rede des zukünftigen EU-Kommissars Oettinger in „schtammeling English“, als auch dessen oft bürokratisch-verschachtelten Worthülsen und Lieblingsschlagwörter „Standard und Qualität“: „apropo Schtandard, mir Schwoba schtandad morgans immer früh auf“ und „Qualität isch für mi id bloss a Schlagwort, sondern au a Fremdwort“. Nach einer Aneinanderreihung wohl bekannter, leerer Politikerphrasen, bedankt Mantel alias Günther sich schließlich mit den trefflichen Worten: „Und bedenken Sie stets, zu bedenken, was ich ihnen gesagt habe“.

Im Anschluss wagte sich der wandlungsfähige Komödiant in „die Seitengässchen der Parapsychologie“. Zwar habe ihn diese „Ufologie“ seit der frühen Kindheit überhaupt nicht interessiert, „denn vom Bauch her sei er eher ein Kopfmensch, quasi ein emotionaler Rationaler“, doch gebe es eben Dinge, die man mit seinem „Alltags-Schubladendenken“ nicht erklären könne: So zum Beispiel die Express-Päckchenversendung, die entgegen dem Standardversand doch ganze acht Tage und länger benötige. An diesem Missstand, und das sei empirisch belegt, „denn em-bier-isch die Wahrheit“, sind die Außerirdischen Schuld. Wenn in Zukunft also die bestellte Bruno-Banani Unterhose länger per Post unterwegs sei, erteilt Mantel den wertvollen Ratschlag, solle man diese besser in die Kochwäsche packen, denn dann hatten „die Aliens bestimmt ihre dreckigen Griffel dran“.

Nach seinem fast zweistündigen, kurzweiligen Programm gibt Mantel in der lautstark geforderten Zugabe schließlich noch seine in Liedform verarbeiteten Erlebnisse während einer ICE-Fahrt durch das Badenerland zum Besten und lässt damit auch die traditionelle schwäbisch-badische Rivalität nicht zu kurz kommen .

Der 1956 geborene Entertainer überrascht allem voran durch seine erstaunliche Wandlungsfähigkeit. Ob in seiner entlarvenden Nachahmung des von der Welt gekränkten Liedermachers Reinhard Mey mit seinem „ökologischen Lied mit fairen Ideen“ oder in der Rolle des schwäbisch-brasilianisch daherbrabbelnden Starkochs, der einen Hummer namens „Edward mit den Scherenhänden“ zubereitet: Mantel zu zuhören wird nicht langweilig. Auch deswegen nicht, weil der gebürtige Schwabe durch seine liebevoll gedichteten, schwäbischen Wort-Labyrinthe immer wieder Triviales zu Höherem verhilft. „Woher kommt jetzt nomal dr Bülent, irgendwo aus dr Türkei, jetzt iz-mir des entfalla“.

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08.02.2010, 12:00 Uhr

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