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Harte Kritik an der Vorherrschaft des Marktes

Ernst Ulrich von Weizsäcker knöpft sich die Amerikaner vor

250 oder 500 Euro bekamen die Studierenden, die den Nachhaltigkeitspreis 2012 der Universität erhalten haben. Sie und alle, die am Freitag bei der Übergabe dabei waren, bekamen noch ein Extra: einen feurigen Vortrag von Ernst Ulrich von Weizsäcker.

26.11.2012
  • Wolfgang Albers

Tübingen. Universitäre Abschlussarbeiten können sich mit vielem beschäftigen. Um Studierende zu den Themen der Nachhaltigen Entwicklung zu locken, vergibt die Universität seit letztem Jahr den Nachhaltigkeitspreis und schüttet dabei immerhin bis zu 2250 Euro aus.

Die diesjährigen sechs Gewinner haben vor allem geografisch und wirtschaftlich geforscht. Moritz Drupp hat landwirtschaftliche Flächen in Australien untersucht, die von Versalzung bedroht sind. Sebastian Geiger hat für die hiesige Gegend ein Netz von Radschnellwegen für die E-Bikes entworfen. Und Simone Stöhr hat sich mit dem Rebound-Effekt beschäftigt: dem Phänomen, dass energiesparende Techniken den Energieverbrauch steigern, weil die Zahl der Nutzer steigt.

Das waren Bachelor-Arbeiten. Bei den Master- und Diplomarbeiten hat Hauke Diederich in nicaraguanischen Dörfern festgestellt, dass die Elek trifizierung die örtliche Wirt-schaft stärkt. Hans-Martin Krause hat die Effekte von Pflanzenkohle gemessen: Sie verbessert Böden und eliminiert Treibhausgase. Und Jan Neidhardt hat anhand von wirtschaftswissenschaftlichen Theorien untersucht, wie sich der Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie aufheben lässt.

Die Sustainability Lecture, also den Festvortrag an diesen Nachhaltigkeits-Nachmittag, hielt Ernst Ulrich von Weizsäcker – SPD-Politiker, Naturwissenschaftler, weit herumgekommener Hochschullehrer (derzeit Honorarprofessor in Heidelberg) und Doyen der Ökologie-Bewegung.

„Was schulden die Alten den Jungen?“ war sein Thema. Vieles – und eben auch Nachhaltigkeit. Schon war von Weizsäcker bei seinem Thema. Der 73-Jährige ist nicht mehr gut zu Fuß, auf zwei Krücken stützte er sich. Aber am Rednerpult legte er los wie ein junger Heißsporn, ganz im Sinne seiner Attacke auf deutsche Zwangspensionierungen: „Die, die etwas leisten können, sollen nicht daran gehindert werden – das muss korrigiert werden.“ Ältere nehmen dabei Jüngeren nicht den Job weg: „Wenn sie einen Mehrwert schaffen.“

Den bot von Weizsäcker rhetorisch allemal. Mit einer Serie von Attacken auf die USA: Nachhaltigkeitsverweigerer seien die Amerikaner, sowohl politisch („Seit Reagen haben die kein internationales Abkommen mehr geschlossen, die wollen nicht, dass es so etwas wie global governance gibt“) wie auch vom Verhalten: „Wir bräuchten fünf Erdbälle, wenn sich alle Erdbewohner so benehmen würden wie die Amerikaner.“

Die auch keinen starken Staat wollen, den von Weizsäcker so befürwortet: „Die 70er waren die goldenen Jahre der Demokratie: Der Staat setzte die Regeln, die Wirtschaft folgte und florierte.“ Jetzt dominiere der Markt und spalte die Gesellschaft. Sie leidet überall, wo der Markt stark ist: „Das muss auch bei den Ökonomen in Tübingen mal ankommen.“

All das sei „eine makabre Analyse“. Aber Nachhaltigkeit ist nicht chancenlos. Deshalb plädierte von Weizsäcker für Passivhäuser, Bio-Lebensmittel, fürs Radfahren – fürs nachhaltige Leben. Dann würden die meisten Länder prosperieren: „Die Verlierer wären die üblichen Verdächtigen, die nichts dazulernen – die USA.“

Ernst Ulrich von Weizsäcker knöpft sich die Amerikaner vor

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26.11.2012, 12:00 Uhr

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