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Landwirtschaft

Studenten auf die Felder: Ernten statt lernen?

Den Landwirten fehlen in diesem Jahr jene 300.000 Mitarbeiter, die normalerweise zwischen April und Ende Oktober als ausländische Saisonkräfte auf den Feldern und im Stall helfen. Nun sollen nicht nur Bezieher von Kurzarbeitergeld und Freiwillige die Lücke schließen, sondern auch Studenten und Schüler für die Arbeit auf dem Feld angeworben werden.

29.03.2020

Von Nina Jeglinski & Mathias Puddig

Im Hörsaal der Universität Stuttgart findet vorerst kein Lehrbetrieb statt. Arbeitskräfte werden aber zur Spargelernte bnötigt. Fotos: Sebastian Gollnow/dpa und Andreas Arnold/dpa

Politiker und die Hochschulen sind sich allerdings uneins, ob das wirklich eine gute Idee ist. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte bereits früh vorgeschlagen, dass fehlende Erntehelfer durch Arbeitskräfte aus anderen Branchen aufgefangen werden könnten, unter anderem auch Studierende. „Wenn in der Landwirtschaft helfende Hände fehlen, dann geht uns das alle an: Denn verpasste Ernten kann man nicht nachholen, und was nicht in die Erde kommt, kann auch nicht geerntet werden. Wer in der Landwirtschaft helfen kann und will, sollte das deshalb tun und damit auch Geld verdienen können. Das ist eine Win-Win-Situation“, sagt Klöckner.

Zusammen mit der Landwirtschaft hat ihr Ministerium dafür extra eine Jobbörse freigeschaltet. Unter www.daslandhilft.de sollen landwirtschaftliche Betriebe „zügig, regionalisiert und unbürokratisch Unterstützung dorthin vermitteln, wo sie gebraucht wird“. Regional wurden weitere Portale geschaltet. Gerade in Zeiten wie diesen, müssten die Menschen solidarisch zusammenstehen, so die Ministerin. Jeder könne seinen Beitrag leisten.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 122 000 Tonnen Spargel auf insgesamt 22 900 Hektar geerntet, in diesem Jahr wollten die Landwirte eine ähnliche Fläche bewirtschaften. Auch die Erdbeerbauern und der Anbau von Kartoffeln und Hopfen ist gefährdet. Eigentlich wird Anfang April mit der Aussaat dafür begonnen. „Die Pflanzen sind bereits auf die Höfe geliefert worden und müssen in die Erde“, schreibt der Bauernverband.

Bafög-Regeln angepasst

Ulrich Radtke, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz, sieht die Vorstöße der Bundesregierung skeptisch: „Das muss man sich sehr genau anschauen, ob damit den Interessen der Studierenden wirklich gedient ist“, sagt er. „Ich habe gehört, dass auch die Mitarbeit in der Landwirtschaft ohne erhebliche Vorkenntnisse nicht geht. Auch das Spargelstechen braucht eine lange Einarbeitungszeit.“

Klar ist schon jetzt: Ein solcher Einsatz in der Landwirtschaft soll sich für Bafög-Empfänger finanziell nicht negativ auswirken. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat vorgeschlagen, die Regeln bei der Bafög-Berechnung zu ändern; der Bundestag hat dem bereits zugestimmt. Bafög-Geförderte, die sich in der Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen engagieren und deswegen für eine kurze Zeit ein höheres Einkommen haben, werden für den restlichen Bewilligungszeitraum ihre Ansprüche nicht verlieren. Das gilt im Gesundheitswesen genauso wie in der Landwirtschaft. „Die Bereitschaft vieler Studierender, sich für unser Gesundheitswesen einzusetzen, verdient Unterstützung und Anerkennung“, sagte Karliczek. Bereits zuvor war geklärt worden, dass Geförderte ihren Bafög-Anspruch auch dann nicht verlieren, wenn Schulen und Hochschulen geschlossen werden.

Ganz neu ist die Idee ohnehin nicht. Noch in den 1950er-Jahren wurden in der Bundesrepublik Studenten für vereinzelte Ernteeinsätze angeheuert. In der DDR waren die Einsätze sogar Pflicht – nicht selten allerdings mit eher mäßiger Begeisterung. Zwar war für manche der Abstecher aufs Land auch eine bereichernde Erfahrung – für die meisten war die Arbeit auf dem Acker körperlich anstrengend und ungewohnt.

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Erstellt:
29. März 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. März 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. März 2020, 06:00 Uhr

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