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Nur begrenzter Schutz

Ernüchternde Ergebnisse der weltweit größten Malaria-Impfstudie

Gestern wurden in Johannisburg die Ergebnisse der bislang größten Studie mit einem Impfstoff gegen Malaria vorgestellt. Wesentlich daran beteiligt waren auch Mediziner des Tübinger Tropeninstituts. Mit 31 Prozent ist die Wirksamkeit des neuen Impfstoffs aber sehr eingeschränkt.

10.11.2012
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Seit Jahrzehnten versuchen Forscher, einen effektiven Impfstoff gegen Malaria zu entwickeln – bislang ohne Ergebnis. Nach wie vor gibt es keinen Malaria-Impfstoff auf dem Markt. Umso gespannter wartete die Fachwelt deshalb auf die Ergebnisse des bislang hoffnungsvollsten Impfstoff-Kandidaten. Entwickelt und getestet wurde er in den vergangenen zehn Jahren von einem internationalen Forscher-Team, dem auch die Tübinger Tropenmediziner Prof. Peter Kremsner und Benjamin Mordmüller angehören. Die Bill und Melinda Gates-Stiftung förderte das Projekt mit über 100 Millionen Euro.

Wunder hatte niemand erwartet, sagt Peter Kremsner. Die jetzigen Ergebnissen sind aber auch für ihn und seinen Kollegen Benjamin Mordmüller „enttäuschend“. Eine erste Auswertung vor einem Jahr hatte noch ergeben, dass der Impfschutz bei ein- bis zweijährigen Kindern bei rund 50 Prozent lag. In der Auswertung der zweiten Impfgruppe – rund 6000 Kinder, die wenige Wochen nach der Geburt geimpft wurden – konnte aber nur noch ein Impfschutz von 31 Prozent erreicht werden. Das zeigte die letzte Auswertung.

Das ist deshalb problematisch, weil die Impfung dafür entwickelt wurde, Neugeborene in den ersten Lebensmonaten gegen die von Mücken übertragene Krankheit zu immunisieren. In den Tropen ist Malaria nach wie vor die häufigste Todesursache von Kleinkindern. Die meisten Kinder sterben im Alter von einem bis zwei Jahren. Bei Heranwachsenden entwickelt sich, wenn sie die Krankheit mehrmals überstanden haben, in der Regel eine Resistenz gegen den Erreger.

Die Ergebnisse der Studie wurden gestern in Johannisburg verkündet und zeitgleich in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Die Impfung biete einen „soliden Schutz“, sagte Kremsner. Doch ob die Effektivität ausreicht, damit die Weltgesundheitsbehörde (WHO) die Impfung empfiehlt, ist mit dem 31-Prozent-Ergebnis fraglich geworden.

Trotzdem werde der Impfstoff wohl in ein bis zwei Jahren auf den Markt kommen. Produziert wird er dann von Glaxo Smith Kline. Der Pharma-Konzern war Industrie-Partner in dem internationalen Forschungsprojekt zur Impfstoffentwicklung. Die Produktion und der Verkauf des Impfstoffs sei finanziell für Glaxo Smith Kline wenig attraktiv, allenfalls aus Marketing-Gesichtspunkten. „Mit diesem Impfstoff kann man kein Geld verdienen.“ Der Kaufpreis dürfte vermutlich im Bereich des Selbstkostenpreises liegen, meint Kremsner.

In der bislang größten Malaria-Impfstudie wurden 16 000 Säuglinge und Kleinkinder an elf medizinischen Zentren in ganz Afrika geimpft, darunter auch am Albert Schweitzer-Hospital in Lambarene, dem Partner-Krankenhaus des Tübinger Tropeninstituts. Die Kinder wurden ein Jahr lang nach der Impfung medizinisch betreut und untersucht. Unklar ist bislang, wie lange der Impfschutz – über dieses Jahr hinaus – anhält.

Immerhin: Der neue Impfstoff eröffne Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und zur Erforschung. Bislang sei überhaupt noch nicht bekannt, wie die Immunisierung gegen den Malaria-Erreger im Menschen vor sich gehe, sagt Mordmüller. Er selbst ist an mehreren Projekten beteiligt, die diesen Mechanismus untersuchen wollen. Komme der Impfstoff auf den Markt, werde es der erste sein, der überhaupt zur Verfügung steht.

Ernüchternde Ergebnisse der weltweit größten Malaria-Impfstudie
Peter Kremsner

Ernüchternde Ergebnisse der weltweit größten Malaria-Impfstudie
B. Mordmüller

Malaria wird durch die Anopheles-Mücke übertragen. Mit dem Stich spucken die Mücken Parasiten ins Blut des Menschen. Diese Erreger nisten sich kurz darauf in der Leber ein, wo sie heranreifen und später wieder ins Blut freigesetzt werden. Dort befallen sie die roten Blutkörperchen. Dabei kommt es insbesondere bei Säuglingen und kleinen Kindern häufig zu Komplikationen, zu hohem Fieber und zur Beeinträchtigung des zentralen Nervensystems bis hin zum Koma.
Die jetzt entwickelte Impfung versucht, das Immunsystem des Menschen auf den Erreger zu sensibilisieren, so dass dieser sich gar nicht vermehren kann. Dazu imitiert der Impfstoff die Proteinstruktur auf der Oberfläche des Erregers. So soll eine Immunantwort im Menschen erreicht werden.

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10.11.2012, 12:00 Uhr

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