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Jurka freut sich schon auf ihre Brüder

Eröffnung des „Alternativen Wolf- und Bärenparks“ in Schapbach am Samstag

Die Eröffnung des „Alternativen Wolf- und Bärenparks“ in Schapbach am kommenden Samstag naht mit großen Schritten. Dass im Hinblick darauf noch emsig im Gelände gearbeitet wird, stört Bärin Jurka überhaupt nicht. Sie genießt derzeit die letzten warmen Sonnenstrahlen in ihrem Vorbereitungsgehege.

01.09.2010
  • Monika Schwarz

Bad Rippoldsau/Schapbach. Während die Verantwortlichen vor Ort im Hinblick auf die bevorstehende Eröffnung noch einiges zu tun haben, ist es um Jurka momentan noch vergleichsweise ruhig. Das allerdings wird sich wahrscheinlich bald ändern – inzwischen hat sich ihre Ankunft nämlich schon bei einigen Spaziergängern herumgesprochen. Diese schauen dann gerne auch an dem Gehege vorbei, in dem Jurka gerade auf ihren Aufenthalt im Park vorbereitet wird.

Momentan befindet sie sich noch in der Eingewöhnungsphase. Dass sie im Moment und auch bei der Eröffnung die einzige Bärin im Bärenpark ist, wird sich in absehbarer Zeit ändern. Bereits Ende Oktober, Anfang November gesellen sich mit Ben, Poldi und Schapi gleich drei 15-jährige Bärenbrüder zu der ehemaligen Wildbärin und sorgen so für Abwechslung. Auch Wölfe kommen so bald wie möglich dazu. Diese, so der Geschäftsführer der Stiftung Bären Rüdiger Schmiedel, seien nämlich die Theapeuten für die Bären. Etwa indem sie den Bären das Futter wegnehmen oder sie anderweitig ärgern und so auch aus einer vielleicht einkehrenden Lethargie reißen. „Manche laufen sonst vielleicht nur noch im Kreis“, so Schmiedel.

Ganz wichtig ist ihm, dass man im Bärenpark von einer verhaltensgerechten, aber nicht von einer artgerechten Haltung spricht. Schließlich würden diie Bären gefüttert, kastriert, sterilisiert und lebten hinter einem Zaun. Artgerecht sei dies jedenfalls nicht. Insoweit wird es im Bärenpark natürlich auch keinen Nachwuchs geben, stellt er klar. „Aber wir legen es auch nicht unbedingt darauf an, in hundert Jahren noch zu bestehen – wir sind ein Tierschutzprojekt“, betont er. Außer ihm selbst gehören zum Team auch noch Projektleiterin Annika Lürßen und seit kurzem Julia Kerber (Pädagogik, Tiermanagement), Manuel Stollmaier (Technik, Tiermanagement) und die Diplomantin Anja Bechthold, der die wissenschaftliche Betreuung obliegt. Dass das Vorhaben gestemmt werden konnte liegt aber in erster Linie an einem ehrenamtlichen Engagement, das seinesgleichen sucht. 670 Helfer leisteten bislang 177 Arbeitseinsätze und haben bei Zugrundelegung eines Stundenlohns von 10 Euro damit knapp 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Zum harten Kern gehören vier Rentner, die momentan täglich stundenlang vor Ort sind. Von den eigentlichen Kosten des Projekts hat die Stiftung Bären 150 000 Euro Komplementärmittel für die Gemeinde übernommen – weil es sonst keine Leader-Förderung gegeben hätte. 380 000 Euro wurden für die Eingewöhnungsstation und das Wirtschaftsgebäude benötigt, zirka 100 000 Euro für den Ankauf des Gebäudes. An Wirtschaftskosten hat die Stiftung verganenes Jahr bereits 74 000 Euro und dieses Jahr 92 000 Euro bezahlt. Förderung und Spenden gab es von Leader (450 000 Euro), von der Vier-Pfoten-Stiftung und der Europäischen Tierschutz-Stiftung. Auch zahlreiche Geld- und Sachspenden von Firmen und Einzelpersonen haben bei der Umsetzung des Projekts geholfen.

Das gesamte Gelände ist übrigens rund 7 Hektar groß und aufgeteilt in fünf verschiedene Sektionen. Zwei verschiedene Rundwege führen die Besucher durch den Park. Die Futtersuche der Tiere, aber auch das Graben, das Baden und die Winterruhe in den Höhlen werden durch die naturbelassene Freianlage mit vielfältiger Flora und Fauna ermöglicht. Das natürliche Verhalten der Tiere soll dabei durch die gemeinsame Haltung von Bären und Wölfen, durch das Wirtschaftsgebäude mit Tierpflegebereich (Futterküche, Lagerraum, OP-Station), den Werkraum und die Eingewöhnungsstation gefördert werden. Gesichert ist das Ganze mit einer 2,50 Meter hohen elektrischen Doppel-Zaunanlage mit Übersteig- und Untergrabschutz. Das Wirtschaftsgebäude war ursprünglich übrigens eine von der Fima Pfalzgraf gespendete alte Fabrikhalle. Diese wurde kurzerhand ab- und vor Ort von Ehrenamtlichen wieder aufgebaut. Weil dies aber vor dem eigentlichen Projekt der Fall war, gab es dafür keinerlei Förderung, sagt Rüdiger Schmiedel. Er selbst wundert sich sowieso darüber, dass in einem reichen Land wie Baden-Württemberg für derlei Vorhaben nur vergleichsweise wenig und erschwert Gelder bereitgestellt werden. In anderen Bundesländern werde dies teilweise anders geregelt. Jedenfalls, so betont er, hätten die Leute vor Ort sehr viel geleistet: „Anders wäre das auch gar nicht gegangen“. Da der Park im Moment noch gerichtet wird – erst Mitte nächstes Jahr werden die Rundwege fertig sein –, gibt es bis zum Jahresende noch stark verbilligte Eintrittspreise für die Bärenparkbesucher. Familien zahlen für eine (Rest-) Jahreskarte 10 Euro und Erwachsene 5 Euro (ermäßigt 3 Euro). Das Eröffnungsfest beginnt am Samstag um 10 Uhr mit der Begrüßung durch Bürgermeister Bernhard Waidele.

Eröffnung des „Alternativen Wolf- und Bärenparks“ in Schapbach am Samstag
Die Bärin Jurka wurde 1997 in Slowenien geboren und am 25. August in den „Alternativen Wolf- und Bärenpark“ gebracht.Bilder: mos

Eröffnung des „Alternativen Wolf- und Bärenparks“ in Schapbach am Samstag
Der Geschäftsführer der Stiftung Bären, Rüdiger Schmiedel, und die Diplom-Biologin und Projektleiterin Annika Lürßen im OP-Saal: Das ist eine alte Halle, die dem Förderverein von der Konditorei Pfalzgraf geschenkt und mit viel ehrenamtlichem Engagement dort wieder aufgebaut wurde.

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01.09.2010, 12:00 Uhr

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