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Kommentar

Erst Medienschelte, dann Mediation

Es war ein TAGBLATT-Artikel, der Reutlingen damals sehr bewegt hat – und noch heute bewegt: Im Oktober hatten sich Mitarbeiter des städtischen Baudezernats darüber beklagt, dass sie sich dem autokratischen und diktatorischen Führungsstil von Baubürgermeisterin Ulrike Hotz ausgesetzt fühlten.

28.06.2012
  • Thomas de Marco

Seit langem hätten sich Mitarbeiter des Dezernats auf Baustellen ausgeheult, hätten Schikanen beklagt, auf den hohen Krankenstand hingewiesen und vor einem drohenden Exitus gewarnt, hieß es. Schwere Vorwürfe, welche die Stadt heftig zurückwies und als „verallgemeinernde anonymisierte Anschuldigungen“ zurückwies. Da weder Ross noch Reiter genannt würden, könnten solche Behauptungen noch nicht einmal überprüft werden, hieß es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung, die sogar juristische Schritte einleitete.

Statt abgeklärtes Krisenmanagement zu demonstrieren, wurde die Berichterstattung zunächst in Bausch und Bogen verdammt – bis dann auf einmal bekannt wurde, dass die Stadtverwaltung in dieser Angelegenheit die Dienste eines Mediators in Anspruch nehmen würde. Keine Frage: Die Mediation ist das klare Eingeständnis, dass die Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sondern eine Aufarbeitung mit Hilfe eines professionellen, externen Krisenmanagers nötig ist.

Die Mediation mit dem Münchner Psychologen und Organisationsberater Klaus Doppler geht heute nach den Vorgesprächen in die eigentliche Aufarbeitung der Konflikte. Deshalb ist es noch zu früh für eine Bewertung, ob das spürbare Bemühen der Bürgermeisterin, bei (öffentlichen) Terminen betont zuvorkommend und offen aufzutreten, dem erklärten Wunsch nach Änderung entspringt – oder der Tatsache geschuldet ist, dass sie im nächsten Jahr wiedergewählt werden will. Es ist auch noch zu früh, einzelne Stimmen zu werten, die im Rathaus hinter vorgehaltener Hand raunen, die Mediation sei ohnehin nur eine Farce.

Es ist allerdings während dieses Klärungsprozesses immer an der Zeit zu fragen, warum die Probleme so lange nicht erkannt und die Belastungen der betroffenen Mitarbeiter nicht registriert worden sind. Die Verwaltung tut sich trotz des externen Helfers nach wie vor schwer mit der öffentlichen Aufarbeitung dieses Vorgangs. Eine Anfrage der Gemeinderatsfraktion von Grünen und Unabhängigen etwa nach Art, Umfang und Zeitplan dieser Mediation von Anfang Februar diesen Jahres sei bis heute unbeantwortet geblieben, sagt Fraktionsvorsitzender Rainer Buck. Eigentlich unverständlich, denn wer eine solche Konfliktberatung in Auftrag gibt, die zudem sicher nicht billig ist, der muss auch zu den Problemen stehen und Auskunft geben.

Bleibt zu hoffen, dass dieser Klärungsprozess eine dauerhafte Veränderung der Bedingungen im Baudezernat bewirkt. Für diejenigen, die mit dem Druck allerdings nicht klar gekommen sind und deshalb das Amt verlassen haben, beginnt diese Aufarbeitung aber viel zu spät.

Lesen Sie dazu auch den Artikel über die beginnende Mediation im Reutlinger Baudezernat in der Donnerstagsausgabe des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS

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28.06.2012, 12:00 Uhr

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