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Mit Engelszungen

Erst auf Facebook gezündelt, dann gelöscht

Der Eninger Bürgermeister Alexander Schweizer ist mit Herzblut bei der Sache – und manchmal schießt er dabei auch kräftig über das Ziel hinaus. Das weiß man spätestens, seit Schweizer nach seiner Wiederwahl im vergangenen Jahr seiner Stellvertreterin Barbara Dürr nicht nur das Vertrauen, sondern auch gleich ihren Stellvertreter-Posten entziehen wollte – obwohl das gar nicht in seiner Macht steht.

06.10.2016
  • Uschi Kurz

So groß war sein Ärger, weil die promovierte Ärztin sich erdreistet hatte, gegen ihn anzutreten. Ein dicker Fehltritt des Schultes, der mittlerweile wieder vergessen scheint, zumindest geschirren die beiden wieder miteinander.

Anlässlich des Tags der Deutschen Einheit und der riegeldummen Proteste der Pegida-Anhänger bei den Feierlichkeiten in Dresden hat Schweizer wieder einmal seinen Befindlichkeiten freien Lauf gelassen. Und sich damit verbal so ziemlich auf die Ebene der von ihm kritisierten „Ossis“, die sich seiner Meinung nach schämen sollten, begeben. „Ihr habt kein Recht im Namen des deutschen Volkes herumzuschreien! Laut aktueller Untersuchung existiert im Osten große Fremdenfeindlichkeit, was dort die wirtschaftliche Entwicklung hemmt. Aber ihr habt ja uns doofe Wessis, die Eure nationalistischen Eskapaden über den ‚Solidaritätszuschlag‘ finanzieren. Pfui!“

Und weiter: „Wir sollten die Mauer wieder aufbauen und den Soli einstellen. Dann könnt Ihr Wiedervereinigung mit Orban machen, da gehört ihr hin …“ – So lauteten seine Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit. Die Kommentare zu seinem Facebook-Post waren alles andere als wohlwollend. Vor allem einige Eninger Bürger haben sich kräftig fremdgeschämt. Auch Schweizer bedauert mittlerweile seinen Eintrag, weil der nicht differenziert genug gewesen sei. Keinesfalls, meinte der Bürgermeister im Gespräch mit dem SCHWÄBISCHEN TAGBLATT, habe er eine ganz Bevölkerungsgruppe verunglimpfen wollen.

Gestern hat er den Eintrag gelöscht, nachdem ein richtiger Shitstorm über ihn herein gebrochen war. Mit einer so heftigen Reaktion hatte er nicht gerechnet. Zumal er die ganze Aufregung zunächst nicht nachvollziehen konnte. Schließlich handle es sich um eine private Meinungsäußerung, die nicht für eine öffentliche Diskussion gedacht gewesen sei. Dann fragt man sich freilich schon, warum um alles in der Welt er seine private Meinung so öffentlich machen musste? Er selber räumt ein, dass er in solchen Situationen leider nicht der Beherrschteste sei. Daran sollte er arbeiten.

Dabei kann man seinen Ärger über die Idioten, die am Montag bei jeder Politikerin, bei jedem Politiker, die/der an ihnen vorbei kam, mit hassverzerrtem Gesicht „Volksverräter“ geschrien haben, durchaus nachvollziehen. Auch ich muss gestehen, dass ich mir um die kleine Gruppe, die mit ihrem Geschrei in den Medien so groß rauskam, durchaus klammheimlich eine Mauer gewünscht habe. Zumindest eine, die den Schall schluckt.

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06.10.2016, 01:00 Uhr

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