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Den Glanz des Goldenen Oktober brachte das Publikum

Erstaunlicher Zulauf trotz Regen und Kälte

Gegen Mittag hatte der Himmel ein Einsehen und lockte die Leute zum Goldenen Oktober mit verkaufsoffenem Sonntag auf die Straßen und in die Geschäfte der Einzelhändler.

08.10.2012
  • Martin Zimmermann

Rottenburg. Als Jochen Mager gegen elf Uhr die Straßensperre vor dem Weltladen in der Stadtlanggasse aufstellte, regnete es. „Warum hat das Wetter von der 40-Jahr-Feier am Mittwoch nicht bis heute gehalten?“, haderte der Ortsvorsteher von Weiler. Am Stand der Kiebinger Hopfen-Hopser, wo Schupfnudeln mit Sauerkraut gebraten wurden, überlegte man sich ob der Kälte, kurzfristig Glühwein auf die Karte zu setzen. Der Musikverein Dettingen spielte wegen der unsicheren Wetterlage in einem Pavillon vor dem Dom, ebenso die Swing-Band Neckar-Hurgler. Peter Weingärtner von „mode und mehr“ zeigte sich zuversichtlich, während er den Pavillon vor seinem Laden mit Luftballons schmückte: „Die Leute kommen schon noch. In meinem Alter sieht man das gelassen.“

Zuversicht zahlte sich aus. Gegen 14 Uhr füllten sich die Straßen, und die Leute strömten in die Geschäfte. Wo man fragte, herrschte Erleichterung bei den Einzelhändlern, ob bei „Micki-Sport“, im Modehaus „Madison“ oder auch beim Herrenausstatter Steeb.

70 verschiedene Sorten Äpfel an einem Stand

„Anitas Sportswear“ am Metzelplatz hatte Neueröffnung nach Umbau. Dort probierte der sechsjährige Phil Herm verschiedene Wintermützen vor dem Spiegel. Einige der Geschäfte hatten für den Goldenen Oktober Schnäppchenständer aufgestellt und gewährten Sonderrabatte.

Großer Andrang bei Hubert Däuble aus Eckenweiler, der am Regionalmarkt teilnahm. Der Apfelexperte und Seniorchef des gleichnamigen Obstbaubetriebs erklärte dem staunenden Publikum die feinen Unterschiede zwischen den rund 70 verschiedenen Apfelsorten, die er anbaut.

Ebenfalls Äpfel, allerdings in flüssiger Form, verkaufte der Tübinger Armin Straub von seinem Citroen HY auf dem Metzelplatz. Gebaut wurde der Verkauflieferwagen im Jahr 1960, Straub erwarb ihn im Juni 2012. „Er hat null Komfort. Wenn man fährt, kann man sich nicht unterhalten, weil es so laut ist“, beschrieb Straub seinen Oldtimer. Alt, nämlich 1760 bereits erwähnt, ist auch die Apfelsorte Fleiner, die er sortenrein sammelt und als Saft keltert. Den durchgefrorenen Fahrradtouristinnen aus Bräunlingen bei Donaueschingen, die sich vor dem Lieferwagen sammelten, stand der Sinn jedoch eher nach einem Schnaps. Den hatte Straub auch.

Patrick Funke drehte sich ein eigenes Seil

Gegenüber konnten Kinder bei Uli und Sabine Emhart ein Seil drehen. Die Seilermaschine hat Sabine Emhart geerbt: „Früher hatte jeder Bauernhof so ein Gerät, um sich seine Seile selber zu drehen.“ Nachdem die Schnüre aufgespannt waren, kurbelte der zehnjährige Patrick Funke aus Hailfingen mit solcher Begeisterung, als wolle er den Weltrekord brechen.

Vor der Zehntscheuer hatte die Jägerschaft ihren Stand. Sie verkaufte Wildschweinwurst und blies ins Horn. Der zweijährige Jonas Horn aus Hemmendorf interessierte sich für die ausgestopften Füchse, Dachse und Wildschweine, die die Jäger aufgestellt hatten. Es begeisterte ihn, dass die Tiere nicht wegrannten, als er sie streichelte.

Neben den Jägern hatten Torsten Nowag und Tanja Keller ihren mittelalterlich dekorierten Essensstand „Mundgerecht“ geparkt. Die Bieringer sind fahrende Händler, die ihren Lebensunterhalt normalerweise auf Mittelaltermärkten verdienen. „In Rottenburg haben wir ein Heimspiel. Deshalb sind wir hier dabei“, sagte Keller. Mit grüner Schürze stand Bad Niedernaus Ortsvorsteherin Kirsten Stiegler am Stand des Kurpark-Fördervereins, der auch einen Basteltisch für Kinder betreute.

Manche Unternehmer arbeiteten beim Goldenen Oktober scheinbar branchenfremd. Solarunternehmer Thomas Hartmann aus Oberndorf buk, unterstützt von Sohn und Tochter, Flammkuchen. Seine Tochter Elisabeth, die in die dritte Klasse geht, durfte das Geld kassieren und beim Herausgeben Kopfrechen üben. Die Pflegeberaterin Gabriele Lenz und die Heilpraktikerin Christel Scheerer verkauften Tragetaschen, die von brasilianischen Häftlingen gefertigt wurden.

Außerhalb der Fußgängerzone boten Dagmar Neu und Birgit Hahn in ihrem Geschäft für Bastelartikel „Wo der Hahn kräht“ Laternenbasteln für Kinder an. Vor dem Laden gab es am Stand der Neckarlandschaftsführerinnen Waffeln und nebenan beim Weltladen einen fair gehandelten Kaffee dazu. Vor dem Modeshop „Forty-Five“ stand ein riesiger goldener Thron.

Beliebt bei vielen Kindern war die klassische Rummelplatz-Atmosphäre mit Karussell, gebrannten Mandeln, Waffeln und Zuckerwatte. Für den neunjährigen Josua Galster und seine Mutter Irmgard jedenfalls war die klebrige Leckerei das Schönste am Goldenen Oktober.

Erstaunlicher Zulauf trotz Regen und Kälte
Vom frühen Nachmittag an belebte sich das Treiben beim Goldenen Oktober, auch die Geschäftsleute schienen zufrieden. Phil Herm (rechtes Foto) probierte sich schon mal an der herbstlichen Hutmode. Bilder: Zimmermann

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08.10.2012, 12:00 Uhr

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