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Viel Lob und Anerkennung, aber auch Enttäuschung

Erste Stimmen zum souveränen Durchmarsch des grünen Amtsinhabers Boris Palmer und zur Niederlage seiner Herausforderin Beatrice Soltys

Manche freuten sich über OB Boris Palmers Wiederwahl, andere haben daran zu knabbern.

19.10.2014
  • ST

Tübingen. „Das ist ein großartiger Sieg für Palmer – ein überzeugendes Bekenntnis der Bevölkerung für den Amtsinhaber“, sagt Michael Bamberg.

Erste Stimmen zum souveränen Durchmarsch des grünen Amtsinhabers Boris Palmer und zur Niederlage
Michael Bamberg

Allerdings hatte der Chef des Uni-Klinikums mit einer zweiten Wahl gerechnet. Er habe zuletzt viel Kritik an Palmer gehört, aber: „Kritik an Palmer haben und deshalb Soltys wählen – das sind zwei Paar Schuhe.“ Aus dem OB-Wahlkampf hat sich das CDU-Mitglied Bamberg, der mit Palmer „schon lange befreundet“ ist, bewusst herausgehalten. Anders seine Frau Regina, die für Soltys trommelte: „Die hat halt ihre eigene Meinung.“

Bamberg ist guter Dinge, „dass wir weiter eine konstruktive, wertschätzende Zusammenarbeit zwischen Stadt und Uni-Klinikum haben werden – ohne ideologische Barrieren.“ Spielt er damit auf die Parkplatznot auf dem Schnarrenberg an? „Dieses Thema haben wir bewusst aus dem Wahlkampf rausgehalten“, sagt Bamberg. Er sei aber „optimistisch, dass der Gemeinderat unseren Argumenten folgen wird“.

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Cord Soehlke

Einer, der am Sonntagabend in der Uhland-Mensa strahlte wie ein Honigkuchenpferd, war Baubürgermeister Cord Soehlke. Er machte keinen Hehl daraus, dass er zuletzt um seinen Chef gebangt hat: „Ich war zu nah dran, ich konnte die Lage gar nicht mehr einschätzen.“ Umso größer war seine Freude dann über das „tolle Ergebnis für Palmer und die Stadt“ – für ihn der verdiente Lohn für die „gute Arbeit in den vergangenen Jahren“ und einen „inhaltlichen Wahlkampf“. Das er bei einer Niederlage von Palmer fluchtartig das Rathaus verlassen hätte, an diesem Gerücht sei nie etwas drangewesen: „Tübingen ist meine Stadt, ich wäre geblieben und hätte auch mit Soltys zusammengearbeitet.“

Christoph Gögler sieht Palmers Sacharbeit bestätigt. Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Tübingen wünscht sich, „dass der OB fortsetzt, was er bei der Gewerbeansiedlung bisher getan hat“. Allerdings sollte der Gewerbesteuerhebesatz gesenkt werden. Die evangelische Dekanin Elisabeth Hege zeigt sich „froh“ über das Ergebnis. Denn mit Palmer habe es eine „gute Zusammenarbeit“ zwischen Stadt und Kirche gegeben.

Der SPD-Ortsverbandsvorsitzende Werner Walser sagte: „Ich hätte das Ergebnis nicht so deutlich erwartet.“ Die Stärke des Amtsinhabers habe das Vorgehen der Sozialdemokraten bestätigt, niemand selbst aufzustellen. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal hat „auf eine 6 am Anfang getippt“. Die Wähler hätten die „hervorragende Arbeit Boris Palmers belohnt“. „Tübingen wählt nicht irrational“, freute sich Chris Kühn, Bundestagsabgeordneter der Grünen. „Das Wahlergebnis ist ein klarer Auftrag, die Politik der vergangenen acht Jahre fortzusetzen.“ Palmer habe seine Arbeit als Oberbürgermeister gut gemacht, „also muss er wiedergewählt werden.“

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Stephan Neher

Für Rottenburgs OB Stephan Neher, der am Sonntag in die Uhland-Mensa kam, um seinem Tübinger Kollegen zu gratulieren, war dessen klarer Sieg „keine Überraschung“. Allerdings habe Palmer das gute Ergebnis „nicht allein seiner Politik zu verdanken, sondern insbesondere auch der vorhandenen Steuerkraft – das macht Vieles einfacher.“ Und noch etwas ist Neher in Palmers Tübingen aufgefallen: „Der Einklang vom Lebensgefühl einer Universitätsstadt und dem Wirtschaftsstandort hat Fortschritte gemacht.“ Dass Palmer „verbal manchmal übers Ziel hinausschießt“, stört ihn nicht: „Es ist doch gut wenn jemand klare Worte findet.“ Auch sonst kommt der Rottenburger CDU-Mann mit dem Tübinger Grünen „sehr gut klar – auch wenn wir schon mal aneinandergeraten wegen einer Handelsansiedlung“. Soltys war in seinen Augen „eine sehr gute Kandidatin“. Eine „Frau mit diesem Format“ für die Tübinger Wahlkampagne zu finden, sei „durchaus nicht selbstverständlich“.

„Frau Soltys hat die 30 Prozent bekommen, die man als CDU-Kandidatin in Tübingen bekommen kann“, sagte der ehemalige Erste Bürgermeister Michael Lucke, der Mitglied der SPD ist. Boris Palmer habe ein „tolles Ergebnis“ erzielt, er freue sich mit ihm.

Gar nicht gefreut hat sich Eugen Höschele, der für die CDU im Kreistag sitzt, Regionalverbandspräsident und Vorsitzender der LAV Stadtwerke ist. „Mir bleibt die Stimme weg“, sagte er sichtlich erschüttert. Er habe mit einer zweiten Wahl gerechnet, „aber in die Wähler kann man eben nicht reingucken. Und mehr will ich dazu nicht sagen.“

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Joachim Walter

Landrat Joachim Walter, der mit Palmer wegen der Flüchtlingsunterbringung zur Zeit Streit hat, gratulierte Boris Palmer schon in Kirchentellinsfurt, nachdem 60 der 66 Wahlbezirke ausgezählt waren. „Ich hätte gedacht, es wird knapper“, sagte er. Doch „diese Autogeschichte mit der Schramme“, habe Palmer viel genutzt. Und auch dass Palmer gesagt hatte, er werde in einem zweiten Wahlgang nicht mehr antreten, wenn er Soltys unterliege, habe viele Wähler mobilisiert. „Ich wünsche ihm, dass er den guten Ratschlag des Ministerpräsidenten beherzigt“, sagte Walter. „Er sollte nicht so stark polarisieren, sondern integrieren und zusammenführen.“

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19.10.2014, 12:00 Uhr

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