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Erster Apfellauf war erfolg- und regenreich
Welcher ist der Schönste, Leckerste, Robusteste im ganzen Streuobstland?
Keine Minute zählt

Erster Apfellauf war erfolg- und regenreich

Wenigstens hatte der Regen aufgehört. Als um 9.30 Uhr die Halbmarathonläufer im Pausa-Quartier starteten, versuchte das Wetter kurzfristig einen guten Eindruck zu machen. Nur wenig später prasselte der Regen aber auf die Stände des Mössinger Apfelfestes, drängte die Besucher in die Tonnenhalle und ließ die Läufer pitschnass zurückkehren.

08.10.2012
  • Susanne Wiedmann

Mössingen. Nur der Genuss zählte. Nicht der Rang und nicht die Minuten, weil der Apfellauf kein Wettkampf sein sollte. „Lasst euch Zeit!“, rief Dieter Schneider, der Vorsitzende der LG Steinlach, unmittelbar vor dem Start des Halbmarathons. Dennoch war klar, dass der Lauf nicht gemütlich und nicht anspruchslos sein würde. Immerhin 750 Höhenmeter mussten die „Halbmarathonis“ überwinden, einen steilen Anstieg zum Dreifürstenstein hinauf, dann am Albtrauf entlang, zum Hirschkopf und über die Wachholderwiese zum Farrenberg. 25 Läufer starteten. „Bei schönem Wetter hätten sich nicht viel mehr angemeldet“, glaubte Schneider, weil die Strecke richtig anstrengend sei.

Joachim Löckelt, Kreisfachberater für Obst und Gartenbau, genügten elf Kilometer durch die Streuobstwiesen, die er mit 24 weiteren Läufern auf dem Panoramaweg zurücklegte – gestern allerdings ohne Panoramablick. „Das ist doch toll“, schwärmte Löckelt. Nicht vom Wetter, sondern von der Apfelwoche, die am Sonntag endete, auch vom Apfellauf und Apfelfest. „Was die Leute hier geschafft haben, ist enorm.“ So werde auf die erhaltenswerte Streuobstlandschaft aufmerksam gemacht. Nicht weniger als 40 000 Obstbäume wachsen rund um Mössingen. „Schützen durch Nützen“, lautet das Motto und „ureigene Ziel“ des Netzwerks Streuobst, das die Apfelwoche samt Apfelfest organisierte.

Hans Wener, Streuobst-Netzwerker und Vorsitzender des Mössinger Obst- und Gartenbauvereins, ist begeistert. „Es lief super“, sagte er und kündigte an, dass es im nächsten Jahr wieder eine Apfelwoche geben wird. Unternehmen, Institutionen, Vereine, Stadt und Schulen, Kindergärten, Kino und Künstler haben sich beteiligt mit Beiträgen rund um den Apfel – auch gestern beim sechsten Apfelfest.

An den Ständen wurden Gelees, Honig, Saft und Schnaps verkauft, Blumen-, Henkel-, Erntekörbe geflochten, aus Lindenrinde Omeln gebaut. In der Tonnenhalle waren rund hundert Apfel- und einige wenige Birnensorten ausgestellt. „Oh, riecht der gut“, bemerkte eine Frau, während sie an einem „Gravensteiner“ schnüffelte. „Jakob Lebel“ ist leicht säuerlich, „Josef Musch“ etwas trocken und die „Gräfin von Paris“ leidet unter kalten und nassen Lagen. Da geht es ihr nicht anders als den Besuchern. „Komm’ do isch’s warm!“, ruft ein Mann und drängt seine Frau ins Apfelcafé der Obst- und Gartenbauvereine Belsen und Mössingen, das in der Tonnenhalle eingerichtet ist. Und Oberbürgermeister Michael Bulander eröffnete das Apfelfest lieber drinnen als draußen. „Eine einmalige Veranstaltung“, sagte er zum Abschluss der Apfelwoche und lobte das bürgerschaftliche Engagement. „Unglaublich, was man aus dem Thema Apfel machen kann. Der Apfel ist ein wahres Vergnügen.“ Die Obstbaumwiesen prägten nicht nur die Landschaft, sondern seien Teil der Geschichte und Erbe der Stadt. Viele seien jedoch vernachlässigt. Deshalb werde versucht, Pachtgrundstücke zu vermarkten. Das funktioniere immer besser, betonte Hans Wener.

Da auch der Wald zur regionalen Naturlandschaft gehört, hatten die örtlichen Jäger eine Szenerie mit präparierten Bewohnern aufgebaut: Kinderhände streichelten und kraulten Fuchs, Hase, Dachs, Wildschwein. „Ist das echt?“, fragte ein Mädchen, während es ein Wildschwein tätschelte. „Ja. Des isch die Mama, eine Bache“, antwortete einer der Jäger.

Neben Äpfeln und Waldtieren wurden die Spätblüher der Streuobstwiesen vorgezeigt: kräftig dunkelblau blühender Wiesensalbei, krautiger gelber Bocksbart, schlichte weiße Schafgarbe. Und die Mädchen und Jungen des Kindergartens Hinter Höfen hatten unzählige Äpfel gefilzt und sie an Zweige gehängt.

Am Mittag hatten sich der Regen und die durchnässten Apfelläufer längst verzogen. 87 Teilnehmer/innen waren es insgesamt, davon 37 Walker über sieben und zehn Kilometer. Dieter Schneider ist „hoch zufrieden“ – bedenke man das Wetter und der gleichzeitige Panoramalauf in Hechingen. Niklas Scheffold war mit seinen neun Jahren nicht nur der Jüngste. Er führte auf der Elf- Kilometer-Strecke gar die Gruppe an und lief als Erster durchs Ziel.

Der Regen war lästig. Aber Stimmung und Strecken seien großartig, sagten die Läufer, die pitschnass zum Löwensteinplatz zurückgekehrt waren und gleich wissen wollten: „Machen Sie das nächstes Jahr wieder?“ Es sieht danach aus. Dieter Schneider fand: „Ein guter Anfang ist gemacht.“

gMehr Bilder im Internet auf

www.tagblatt.de.

Erster Apfellauf war erfolg- und regenreich
Es war nass, manchmal rutschig, aber schön. Eine der zwei Halbmarathon-Gruppen in den Streuobstwiesen. Bilder: Rippmann

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08.10.2012, 12:00 Uhr

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