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Etappenziel erreicht

Erster großer Tunneldurchschlag an der Neubaustrecke

Die Betonwand hielt der Fräse nur fünf Minuten Stand: Dann war der offizielle Durchbruch am Steinbühltunnel gestern geschafft. Heute lädt die Bahn zum Tag der offenen Baustelle nach Hohenstadt ein.

07.11.2015
  • RALF HEISELE

Hohenstadt/Mühlhausen . Es rattert und kracht. Rauchschwaden steigen auf. Der Fräskopf frisst sich rasend schnell in die für die gestrige Durchschlagsfeier am Steinbühltunnel hochgezogene Wand aus Spritzbeton. Am Steuer des 44-Tonnen-Baggers sitzt der Mineur Ferdinand Granegger mit Nicole Razavi. Die Göppinger CDU-Landtagsabgeordnete wird hin und her geschüttelt. Nach fünf Minuten ist es geschafft. In der Mauer klafft ein drei Meter hohes und zweieinhalb Meter breites Loch. Der Blick ist frei, zu sehen ist auch das bereits fertig betonierte Portal Todtsburg. Beifall brandet auf und Queens "We are the Champions" tönt aus den Lautsprechern.

Die Festgäste um Finanzminister Nils Schmid stellen sich mit den Verantwortlichen von Bahn und Baufirmen zum Gruppenfoto auf, dann geht es durch den Durchbruch ins Freie. Draußen ist 500 Meter entfernt die abgeholzte Fläche am Berghang zu erkennen. Dort soll in gut einem Jahr der Durchbruch des Boßlertunnels gefeiert werden, der von Aichelberg vorangetrieben wird. Beide Tunnel werden mit einer Brücke über das Filstal verbunden.

Nach Schnapsschüssen mit den Smartphones steigen die Männer und Frauen wieder in die Kleinbusse und fahren im Tunnel die 4847 Meter zurück zum Portal Hohenstadt. Dort steht das große Festzelt mit gut 200 geladenen Gästen, die den symbolischen Durchschlag an der Großleinwand mitverfolgt haben. Jetzt geht es ans Buffet.

Für den Geschäftsführer des Bahnprojekts Stuttgart 21, Manfred Leger, ist der Durchbruch nach 27 Monaten ein Meilenstein. Ein halbes Jahr früher als geplant haben die Mineure den drittlängsten Tunnel der ICE-Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm in den Kalkstein der Schwäbischen Alb gesprengt und gefräst. An der Neubaustrecke entstehen Tunnel mit einer Gesamtlänge von 60 Kilometern - mehr als ein Drittel (23,3 Kilometer) ist fertig. "Und wir liegen dabei voll im Budget", sagt Leger. 50 Prozent der Aufträge seien vergeben.

Finanzminister Nils Schmid (SPD) verwendet das Wort Tunneldurchbruch auch im übertragenen Sinn - hin zu eine besseren Verbindung der Ballungszentren. "Wir brauchen schnellere Verkehrswege." Deshalb sei der Landeszuschuss zum Bahnprojekt von knapp einer Milliarde Euro "gut investiert." Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Norbert Barthle, setzt ebenfalls auf eine gute Infrastruktur. "Mobilität ist eine Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg und Wachstum." Die Neubaustrecke sei ein "wichtiger Lückenschluss" innerhalb des europäischen Schienen-Fernverkehrs.

Den Schlusspunkt der Reden setzt der Hohenstadter Bürgermeister Günter Riebort, der sich seit seinem Amtsantritt 2008 mit dem Bahnprojekt beschäftigt. Er nennt ein paar Probleme beim Namen. So habe die Gemeinde wie auch viele Grundstücksbesitzer immer noch keine Entschädigungszahlungen erhalten. "So etwas darf nicht passieren", mahnt der Rathauschef.

Erster großer Tunneldurchschlag an der Neubaustrecke
Eine Gesteinsfräse erledigt im Steinbühltunnel bei Hohenstadt (Kreis Göppingen) den Durchbruch. Der Tunnel ist einer von vier großen der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm. Der Durchschlag wurde ein halbes Jahr früher als geplant geschafft. Foto: dpa

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07.11.2015, 12:00 Uhr

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