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Bodelshausen: „Center M“ weicht Penny

Erstes Outlet-Center Deutschlands wird abgerissen

Designer-Kleidung zu Schnäppchenpreisen, dazu Einzelhandelsgeschäfte, Lebensmittel und Gastronomie – mit diesem Konzept war das „Center M“ in Bodelshausen lange Zeit erfolgreich. Jetzt wird das erste Outlet-Center Deutschlands abgerissen, ein Penny-Markt zieht auf das Gelände.

10.09.2010
  • Kathrin Schoch

Bodelshausen. Dass sich beim „Center M“ etwas tut, war in den vergangenen Wochen unschwer zu erkennen: Das Innere des Gebäudes ist entkernt, alle Läden seit Ende August geräumt. Vom Bodelshäuser Outlet-Center ist nicht viel mehr übrig als das Logo mit dem großen roten „M“ über dem Turmbau. Dieser Tage haben nun die Abrissarbeiten begonnen. Der gesamte U-förmige Bau an der Bahnhofstraße/Ecke Daimlerstraße wird abgebrochen. Noch im Oktober wird die Rewe Group hier neu bauen, auf das Areal kommt ein Penny-Markt.

Inhaber des Centers sind die Brüder Hans-Ernst und Alexander Maute, denen auch die Firma Joma-Polytec gehört. Die Anlage ist seit den 1920er Jahren in Familienbesitz (siehe Kasten). Mit ihrem Konzept waren die Maute-Brüder Mitte der 1990er Jahre Pioniere: Sie stellten Herstellern von Designermode Verkaufsflächen zur Verfügung, verwalteten sie und siedelten gleichzeitig Einzelhandelsgeschäfte, Bäcker, Metzger, einen Supermarkt sowie ein Restaurant an.

In den ersten Jahren liefen die Geschäfte im laut den Inhabern „ersten Outlet-Center dieser Art in Deutschland“ gut. Doch seit zwei Jahren seien die Umsätze deutlich rückläufig gewesen, berichtet Hans-Ernst Maute. Man habe die Konkurrenz durch die Fabrikverkäufe in Metzingen und auch Bodelshausen zu spüren bekommen. Sie seien aktueller gewesen, meint Maute, auch im Außenauftritt: „Da hätten wir viel machen müssen.“

Discounter öffnet im Frühjahr 2011

Die „Gesamtperipherie“ hätte eine Auffrischung gebraucht. Und auch das Angebot habe die Kunden nicht mehr so angezogen. Tatsächlich stand die große Ladenfläche in der Mitte des Areals seit mehreren Jahren leer – hier war einmal ein Plus-Markt untergebracht. Auch eine umfassende energetische Sanierung wäre in der nächsten Zeit nötig gewesen, doch das wäre sehr aufwändig und teuer geworden, erklärt Maute.

Zusätzlich habe man bei einem wesentlichen Großmieter des „Center M“ mit wirtschaftlichen Problemen rechnen müssen. „Es hätte sein können, dass der kurzfristig raus geht“, erklärt Maute. Da kam das Angebot der Rewe Group gerade recht: Der Penny-Markt wird rund 800 Quadratmeter groß, dazu kommen 90 Parkplätze. Der Discounter soll bis zum Frühjahr 2011 fertig sein. Wie zuvor wird es dort wieder einen Bankautomaten der Kreissparkasse sowie eine Bäckerei geben.

Die Gebäude im rechten Arealbereich bleiben unberührt: Hier hat die Universität Tübingen ein externes Krankenblattarchiv. Zwei Firmen sind dort noch untergebracht, und im hinteren Bereich ist im ehemaligen Kantinengebäude der Musikverein untergekommen.

Hans-Ernst Maute ist mit dem Arrangement zufrieden. Das Areal werde weiterhin bewirtschaftet, außerdem schaffe man dadurch ein zusätzliches Angebot im Ortskern. Eine Konkurrenz zum bestehenden Rewe-Supermarkt ergebe sich durch den neuen Discounter nicht, ist er sicher. „Penny bietet ein anderes Sortiment an, das funktioniert gut nebeneinander.“ Das sieht auch Bodelshausens Bürgermeister Uwe Ganzenmüller so. Er hofft, dass mit dem Discounter mehr Kaufkraft im Ort gehalten werden kann. Bisher fahren viele Bodelshäuser zum Einkaufen nach Hechingen oder Mössingen, „es wäre schön, wenn sich das jetzt ändern würde“, so Ganzenmüller.

Dass die Maute-Brüder ihr Center schließen, habe er zwar mit großem Bedauern vernommen. Es sei aber letztendlich eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, die man akzeptieren müsse. Leid tut es ihm um die Betriebe, die nun gezwungenermaßen schließen mussten. Die Gemeinde habe zwar zusammen mit den Mautes versucht, in Bodelshausen neue Räume für sie zu finden. Das sei aber nur für die Goldschmiede Waschinski und die Café-Bar „Safari“ gelungen. „Wir haben in Bodelshausen nicht so viele Leerstände, deshalb hat sich das schwierig gestaltet“, erklärt Ganzenmüller.

Von der Textilfabrik zum Outlet-Center

Johannes Maute zog 1926 mit seiner sechs Jahre zuvor in Tailfingen gegründeten Textilfabrik nach Bodelshausen. Das U-förmige Hauptgebäude, das jetzt abgerissen wird, stammt von 1926 und den späten 1930er Jahren. Später kam ein Anbau dazu. Das Unternehmen stellte unter dem Namen Ascot Herrenwäsche her. 1990 musste es wegen wirtschaftlicher Probleme schließen. Die Enkel von Johannes Maute, Hans-Ernst und Alexander, eröffneten das „Center M“ 1996. Bis zu 20 Herstellerfirmen boten dort auf 1350 Quadratmetern ihre Kollektionen an. Dazu kamen mehrere Einzelhandelsgeschäfte.

Erstes Outlet-Center Deutschlands wird abgerissen
Das „Center M“ in Bodelshausen: 14 Jahre lang zog es Schnäppchenjäger aus der Region und darüber hinaus in das Outlet-Zentrum. Jetzt lassen die Inhaber Hans-Ernst und Alexander Maute den Gebäudekomplex abreißen. Ein Penny-Markt eröffnet voraussichtlich im Frühjahr 2011. Bild: Franke

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10.09.2010, 12:00 Uhr

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