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Eruptionen aus Farbe
Joachim Wörner griff in diesen Bildern Flucht und Gefahr auf. Bild: Bernhard
25 Jahre Kunstverein

Eruptionen aus Farbe

Joachim Wörner verbindet in seinen abstrakten Farblandschaften geologische Morphologie und innere Seelenlandschaften.

06.03.2018
  • Dunja Bernhard

Hingegossene Landschaften mit knallbunten Felsen, Weitblick ins Blau hinter dem Horizont und Einblicke in abgrundtiefe Farbschluchten sind Beschreibungen für Joachim Wörners abstrakte Farblandschaften.

Die Landschaft um das Lochenhörnle bei Balingen, wo er gern wandert, diente ihm als Vorbild für einige Bilder. Jedoch nur insofern, als dass er Ausblicke und Stimmungen einfängt. Farbschicht um Farbschicht arbeitet er sich an die Natur heran und entfernt sich zugleich in der Abstraktion von der realen Landschaft.

„Der Malprozess ist dabei vergleichbar mit erdgeschichtlichen Vorgängen. Die Werke entstehen in einem langen Prozess“, schreibt die Kunstkritikerin Bettina Zundel. Der Kunsthistoriker Rudolf Greiner sieht in Wörner einen Vorreiter, der Ende der 1970er-Jahre „das Diktat der reinen Form und Farbe durchbrach und dem Gegenstand eine neuartige Rolle im Bild und in der Kunst eroberte“.

Ein magmatisches Brodeln erkennt der Kunsthistoriker Clemens Ottnad in Wörners Bildern. Sie glichen „abseits konkret bezeichenbarer Topografien schier geomorphologischen Untersuchungen, die ein äußeres Naturerleben und die Formation innerer Landschaften in ein dynamisches Verhältnis setzen“.

Der 67-jährige Balinger studierte von 1971 bis 76 in Stuttgart Bildende Kunst und Kunstgeschichte. Er ist nicht nur Mitglied im Kunstverein Oberer Neckar, sondern auch im Hechinger Kunstverein.

SÜDWEST-PRESSE: Herr Wörner,
erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Bild, das Sie ausstellten?

Joachim Wörner:Boah, das ist eine schwierige Frage. Das liegt sehr weit zurück. Ich habe ja in den 70er-Jahren studiert und da gab es Ausstellungen an der Kunstakademie, an denen ich regelmäßig beteiligt war. Also um die Zeit
herum wird es gewesen sein.

Wissen Sie noch, was die Bilder
darstellten? Waren sie schon so
abstrakt wie heute?

Das waren eher Grafiken. Die
Bilder, die ich damals ausgestellt habe, waren Radierungen oder Bleistiftzeichnungen und Kohle- oder Tuschezeichnungen. Mit der Malerei habe ich erst später angefangen, als ich 1978 auf die Schwäbische Alb zog.

Welches Thema hat Sie im vergangenen Jahr besonders beschäftigt?

Mein großes Thema ist die Landschaft. Wobei ich dabei gern den Begriff Farblandschaft verwende. Ich male immer Landschaften. Der Begriff Farbe zeigt, dass das keine Landschaftsporträts im eigentlichen Sinn sind, sondern erdachte Landschaften auf der Basis erlebter Landschaften. Es sind im Grunde Landschaftsdichtungen. Sie haben einen hohen abstrakten Wert. Aber es sind Landschaften mit Boden, Bergen, Horizont und Himmel. Dieses Formenrepertoire kommt aus der Begegnung mit der Natur bei Wanderungen und Erlebnissen auf der Schwäbischen Alb und im Schweizer Hochgebirge.

Ihre Bilder sind in kräftigen Farben gestaltet. Malen Sie schwungvoll und mit großen Gesten oder eher in kleiner penibler Ausarbeitung?

Weder noch. Also schwungvoll vielleicht im Ansatz. Meine Leinwände liegen am Boden, weil ich sehr flüssig arbeite. Ich setze zunächst ein Balkengerüst mit dunkler Farbe. Dieses erinnert mich an die Tektonik der Landschaft hier. Im nächsten Schritt gehe ich mit Farbe drüber. Ich male mit dem Pinsel rein oder schütte Farbe auf die Leinwand und gucke, wie es sich entwickelt und greife gestaltend ein. Der Zufall spielt dabei auch eine Rolle. Altmeisterlich male ich überhaupt nicht.

Sind Ihre Bilder auch Abbild Ihrer
inneren Landschaft?

Durchaus. Ich habe mich im Kunststudium sehr intensiv mit Caspar David Friedrich beschäftigt. Er sagte, dass die Landschaften ein Spiegel seines Inneren sind. In dem Sinn würde ich das auch sehen. Es sind auch Seelenlandschaften. Ich male auch das, was ich in mir sehe. Ich versuche, einen Einklang zu finden zwischen mir und dem Ergebnis.

Was war Ihr künstlerischer Erfolg?

Große Erfolge, die zählen für mich nicht so. Ich habe immer wieder Ausstellungen. Mich freut der Zuspruch. Mir ist es wichtig, in der Region Menschen zu begegnen, die sich mit meiner Kunst beschäftigen.

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06.03.2018, 01:00 Uhr

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