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Erzieher mit Kinderpornos
10 000 Fotos und 900 Videos mit kinderpornographischem Inhalt wurden bei dem Verdächtigen gefunden. Foto: Uwe Zucchi/dpa
Prozess

Erzieher mit Kinderpornos

Der mutmaßliche pädophile Mann wurde nach dem ersten Verdacht nicht sofort aus dem Kindergarten abgezogen.

07.03.2018
  • Hans Georg Frank

Heilbronn. Mit einem Krisenteam möchte die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn verlorenes Vertrauen wiederherstellen. Die Polizei hatte beim Leiter eines Kindergartens im Frühjahr 2016 kinderpornografisches Material entdeckt, die Kirchenleitung erfuhr davon erst im August 2017 – und schwieg lange.

Am 16. März muss sich der 30-Jährige vor dem Amtsgericht Heilbronn wegen des Besitzes von 10 000 Fotos und 900 Videos mit kinderpornografischem Inhalt verantworten. Die Kriminalpolizei kam ihm auf die Schliche, weil er sich auf ein Tauschgeschäft mit einem Beamten eingelassen hatte. Die Ermittlungen zogen sich fast anderthalb Jahre hin. Erst im August 2017 sei der Heilbronner Dekan informiert worden, dieser wiederum habe den für die Geschäftsführung der Kindergärten verantwortlichen Kirchenpfleger mit der Klärung beauftragt, teilte ein jetzt gebildeter Krisenstab mehrerer Pfarrer gestern mit. Beide hätten ihr Wissen für sich behalten, erst aus der Presse hätten die anderen Pfarrer und verantwortlichen Mitarbeiter von den Vorwürfen erfahren. „Für uns alle ist das natürlich ein Fiasko“, erklärte Steven Häusinger, Pfarrer jener Gemeinde, deren Kindergarten der Beschuldigte seit drei Jahren leitete.

Warum der mutmaßlich pädophile Mann nicht sofort bei Bekanntwerden der Verdachtsmomente aus dem Kindergarten abgezogen ist, kann sich der Krisenstab nicht erklären. „Eine Unschuldsvermutung gibt es nicht“, verwies Pfarrer Matthias Marschall auf ein Sicherheitskonzept zum Wohl der Kinder. Allem Anschein nach hätten bei der Entscheidung der Kirchenleitung arbeitsrechtliche Aspekte überwogen. Der Rauswurf erfolgte vor kurzem. Mehr Aufschluss erhoffen sich die besorgten Pfarrer von externen Beratern.

Auf dem beschlagnahmten Material sollen keine Aufnahmen aus Heilbronn sein, auch der entlassene Erzieher sei darauf nicht zu sehen, erfuhr der Krisenstab: „Aber eine Restunsicherheit bleibt.“ Der Mann – seit zehn Jahren im Kirchendienst – sei sehr beliebt gewesen, über seinen eigentlichen Aufgabenbereich hinaus „ein sehr aktiver Mitarbeiter“, etwa bei der Organisation eines Büchercafés. Zu seinen privaten Aktivitäten gehörten durchweg positiv bewertete Kinderpartys, im Theater und bei Fernsehserien hatte er Komparsenrollen.

Auf seiner Homepage, die am Tag der ersten Presseberichte über die Kinderpornos gelöscht wurde, war ein Foto von ihm mit der Bundesfamilienministerin zu sehen. Manuela Schwesig hatte den Heilbronner im November 2014 mit dem ersten Preis (300 Euro) belohnt für besonders gelungene Elternbegleitung mit einem Video.

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07.03.2018, 06:00 Uhr

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