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„Es geht uns darum, die Welt zu verändern“
Produktion: Viel geschieht von Hand. Foto: Sonnen GmbH
Solarenergie

„Es geht uns darum, die Welt zu verändern“

Die Sonnen GmbH aus Wildpoldsried hat ein völlig neues Geschäftsmodell: Sie bietet Besitzern von Photovoltaikanlagen eine Strom-Flatrate.

08.10.2016
  • CAROLINE STRANG

Blickt man durch die großen Glasscheiben aus dem lichtdurchfluteten Konferenzzimmer hier in Wildpoldsried, sieht man vor allem Wald und saftige Wiesen. Ein paar Kühe weiden darauf, weiter drüben steht ein altes Bauernhaus. Die Sonne scheint. Ein malerisches Bild. Und ein geradezu perfekter Tag hier im Allgäu. Ein perfekter Tag vor allem für die Kunden der Sonnen GmbH. Denn die haben alle Solaranlagen in Betrieb, die heute viel Strom erzeugen. Der wiederum fließt in die Batterie, die sie bei der Sonnen GmbH erworben haben.

Dieser Mittelständler ist gerade auf dem aufsteigenden Ast. Auch wenn das Logo – ein leicht zerfaserter Kreis – eher nach einer Sonnenfinsternis aussieht, für die Sonnen GmbH strahlt der gleichnamige Planet zurzeit sehr hell. Und so tritt Oliver Koch, einer der Geschäftsführer, auch überaus selbstbewusst auf. Ein Satz, den er immer wieder sagt: „Es geht uns darum, die Welt zu verändern. Ganz ernsthaft!“ Dabei wird seine Gestik raumgreifend, sein Blick schweift ab. Er sagt noch mehr solche Sätze. Alle strotzen vor Stolz. „Was wir machen, braucht der Rest der Welt auch.“ Oder: „Die Entwicklung ist gestartet, sie wird sich nicht aufhalten lassen.“ Und: „Was hier passiert, ist gewaltig.“

Geschäftsmodell entscheidend

Der Rundgang durch das Gebäude in Wildpoldsried beginnt vor einem großen Kasten mit Druckknöpfen – die erste Batterie des Unternehmens. Wirtschaftlich habe diese Batterie noch keinen Sinn gemacht. „Die war nur was für Leute, die unabhängig sein wollten.“ Er bezeichnet die Sonnen GmbH als Dinosaurier im Bereich Batteriespeicher. Schließlich sei sie schon sechs Jahre alt. „Und damals gab es das Thema quasi noch gar nicht.“ Inzwischen hängt die achte Generation der Speicher in den Kellern von Einfamilienhäusern.

Alle neun Monate wurde eine neue Batterie entwickelt. Koch spricht zum Thema Innovationskraft, die die herausragende Stärke des Unternehmens sei. Die Batterien erinnern nicht mehr im geringsten an den schweren Kasten aus dem Eingangsbereich. Sie wirken eher wie ein Wandschmuck von Apple. Schlicht und schick. In der kleinen Version sind die Geräte ab knapp 4000 EUR zu haben.

In der Fertigung in der Halle nebenan geht es ruhig zu und die Mitarbeiter arbeiten mit ihren Händen. Einer befestigt das Logo am weißen Kasten, der nächste schraubt Kabel hinein, so geht es weiter. Eine Runde durch die peinlich saubere Produktion lässt nicht erahnen, dass hier Europas Marktführer Speicherbatterien herstellt.

Geschäftsführer Koch will, dass jeder versteht, dass die Technik nur einen Teil des Unternehmens ausmacht. Wichtiger sei inzwischen das Geschäftsmodell. Und das ist tatsächlich besonders. Denn zum einen gibt es die SonnenCommunity mit inzwischen rund 2500 Mitgliedern. Das sind Solaranlagenbesitzer, die sich mit den anderen vernetzt haben und sich gegenseitig aushelfen. Hat der eine mal zu viel und der andere zu wenig Strom, wird automatisch ausgetauscht. Da greife das Gesetz des Durchschnitts, sagt Koch. „Wir ersetzen dabei den klassischen Energieversorger.“ Michael Eder aus Kissing ist Teil dieser Gemeinschaft. Warum? „Ich denke einfach, dass das auf längere Zeit Sinn macht. Es entlastet das Netz und man kann selbst noch sparen.“ Ihm gefällt auch der Gedanke, dass dezentral Strom erzeugt und dann auch sinnvoll gespeichert wird.

Weit in die Zukunft wagt sich die Sonnen GmbH mit einer ganz neuen Idee, die nach Aussage von Michael Koch einzigartig ist bisher – die Sonnenflatrate. Neukunden können die buchen, wenn sie eine Batterie kaufen. „Das ist das Ende der Stromrechnung“, prophezeit Koch selbstbewusst. Wer mehr Strom verbrauche, als seine Solaranlage liefere, bekomme ihn kostenfrei im Rahmen der Flatrate. Dafür kann die Sonnen GmbH zu Zeiten, in denen die Stromnetze besonders belastet sind, die Batterien ihrer Kunden anzapfen und innerhalb von Millisekunden für Entspannung im Netz sorgen. Sie stellt also so genannte Regelenergie zur Verfügung. „Das ist wie ein virtuelles Kraftwerk, das viel schneller als zum Beispiel ein Notgas-Kraftwerk Energie zur Verfügung stellen kann.“ Dafür bezahlen die Netzbetreiber wiederum Geld an die Sonnen GmbH. Davon wird der kostenfreie zusätzliche Strom für die Kunden finanziert. Alles läuft vernetzt und digitalisiert.

Koch ist stolz. „Wir haben eine andere Geldquelle gefunden als das Portemonnaie der Kunden“, sagt er. Grenzenlos fließt der kostenlose Strom für die Kunden auch im Rahmen der Flatrate allerdings nicht. Die Höchstmenge hängt von der Größe der Solaranlage des Kunden ab und ist vertraglich festgelegt.

Der Stolz hält an, als er vor die Weltkarte führt, auf der Punkte die Verteilung der Batterien anzeigt. Deutschland ist gepunktet, aber auch die südlichen Nachbarländer leuchten. Rund 13 000 der Speicher sind verkauft. Das Unternehmen will expandieren, aber in vielen Ländern ist das schwierig. „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen erlauben es nicht“, sagt Koch. Die Entwicklung des Unternehmens, das inzwischen 250 Mitarbeiter weltweit hat, bremst das nur wenig. Schließlich hat es sich seit Bestehen in jedem Jahr verdoppelt.

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08.10.2016, 06:00 Uhr

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