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Es ist der absolute Hammer!
Grandios: Sir Simon Rattle mit Mahler. Foto: Monika Rittershaus.
Osterfestspiele

Es ist der absolute Hammer!

Keine Kur, ein Energieausbruch in Baden-Baden: Die Berliner Philharmoniker spielen Mahlers „Sechste“.

11.04.2017
  • JÜRGEN KANOLD

Baden-Baden. Franz Schindlbeck zeigt, wo der Hammer hängt. Der Schlagzeuger der Berliner Philharmoniker versetzt Gustav Mahlers 6. Sinfonie den entscheidenden Schlag, das heißt: zwei dumpfe Schicksalsschläge. Und mit derartiger Wucht, dass er jetzt im Festspielhaus Baden-Baden fast taumelte. In einem Videofilm für die Osterfestspiele erzählt Schindlbeck dazu eine treffliche Anekdote: Nachdem Herbert von Karajan einst seinem Orchester berichtet hatte, dass die Philharmoniker-Konkurrenz aus Wien diese Mahler-Sinfonie mit einem größeren Holzhammer spielte, ließen die „Berliner“ diese Schmach nicht auf sich sitzen und bestellten ein Riesentrumm.

Spektakulär ist Mahlers „Tragische“ in jedem musikalischen Fall: gewaltig instrumentiert, emotional ausufernd in eineinhalb pausenlosen Stunden. Sir Simon Rattle hatte mit diesem Werk 1987 am Pult der Berliner Philharmoniker debütiert, deren künstlerischer Leiter er dann 2002 wurde. Mahlers „Sechste“ ist ihm Herzenssache, auch ein rhythmisches Fest. „Allegro energico“ geht‘s los, aber das war weit untertrieben an diesem Sonntagabend in Baden-Baden.

Was muss sich im Jahre 1904 in der Seele und im Kopf Mahlers nicht alles abgespielt haben: Es ist eine maßlose Sinfonie, die ihre Künstlichkeit mit Kuhglockengebimmel naturalisiert, in der die Streicher um die ganze Welt trauern; eine Musik, die vereinsamt und lärmt, den Klang feiert und den Vorhang wegreißt und ins Leere blickt; eine Musik, die der Menschheit auch grotesk die Zunge zeigt. Rattle dirigiert das und noch viel mehr: verrückte Operette und Jazz geradezu, wütende Absurdität im Marschrhythmus, die Banalität der Moderne. Das kann Rattle alles fordern in unbändiger Musizierlust wie tiefem Ernst, weil wiederum die Berliner Philharmoniker alles können, in mitreißender Perfektion.

Für sie ist diese Sinfonie ein Virtuosenstück. Besser geht's nicht. Ein Konzertwunder. Traumhafte Hörner, eine prominente Solo-Oboe (Albrecht Meyer) oder das furiose Kontrabass-Oktett. Und natürlich der tausendstelsekundengenaue Franz Schindlbeck. Der Hammer! Jürgen Kanold

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11.04.2017, 06:00 Uhr

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