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"Es ist halt immer das große Ich da"
Eigentlich wollte er ja nur über Berlin schreiben: Michael Nast. Foto: Steffen Jänicke
Autor Michael Nast über seinen Bestseller "Generation Beziehungsunfähig"

"Es ist halt immer das große Ich da"

Er steht auf Platz 3 der Spiegel-Bestsellerliste: Michael Nast scheint mit "Generation Beziehungsunfähig" einen Nerv zu treffen.

04.04.2016
  • LENA GRUNDHUBER

Welche Frau geht mit einem Mann aus, der "Generation Beziehungsunfähig" geschrieben hat?

MICHAEL NAST: Es ist eher so, dass man gerne mit mir weggeht, weil man von mir das Bild eines sehr reflektierten Mannes hat. Es kommen ja auch extrem viele Frauen zu den Lesungen. Allerdings werden es immer mehr Männer, denn die Texte sind nicht für Frauen geschrieben, sondern es sind gesellschaftskritische Stücke. Dabei bin ich gar nicht so reflektiert, sondern benutze das Schreiben als Mittel, mich aus einer anderen Perspektive zu sehen. Mein Ansatz ist ja nicht: Es gibt keine Hoffnung mehr, sondern: Ihr müsst es anpacken und euch nicht auf einem Label wie "Generation Beziehungsunfähig" ausruhen.

Beim Lesen hat man das Gefühl eines Spaziergangs durch Berlin, bei dem man lauter Thirtysomethings trifft, die irgendwas mit Medien machen. Kann man das so einfach zur Generation erklären?

NAST: Da muss man in die Entstehungsgeschichte schauen. Ich hatte im April letzten Jahres eine Kolumne geschrieben, die drei Millionen Mal gelesen wurde. Es ist einer dieser Texte, die klüger sind als ihr Autor. Anfangs dachte ich selbst, dass ich über mein Umfeld in Berlin schreibe. Die leben in einer Blase und gehen davon aus, dass andere auch so leben. Deshalb habe ich den Text ironischerweise "Generation Beziehungsunfähig" genannt. Dann haben mir aber sehr viele Leute geschrieben - erst die Resonanz hat dem Begriff so eine Relevanz gegeben. Die Leute finden sich in diesen Texten wieder, wobei man den Begriff Generation relativieren muss: Mir schreiben Leute von 16 bis Mitte 50. Es ist eine Haltung, eine neue deutsche Befindlichkeit.

Sie schreiben über Mittdreißiger und werden von 16-Jährigen gelesen. Komisch, wenn man 40 ist, oder?

NAST: Ja, das erschreckt mich auch ein bisschen. Ich habe 3000 Mails bekommen, darunter von Leuten aus bayerischen Dörfern. Natürlich sind das alles Mittelschichtsprobleme. Jemand, der mit 17 Mutter wird, hat konkretere Probleme, als übers Leben zu sinnieren.

Einmal zitieren Sie eine Anna, die sagt: "Eigentlich brauchen wir mal wieder nen Krieg." Und Sie schreiben, "grundsätzlich hat Anna schon recht." Meinen Sie das ernst?

NAST: Dieses Beispiel ist natürlich sehr plakativ. Es geht einfach darum, dass wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben und manche Dinge nicht mehr mitkriegen. Ich meine nur: Generell hat sie recht. Man kann ja auch mal in andere Länder fahren und verstehen, was wir für ein Glück haben. Wir leiden ja auf höchstem Niveau.

Wenn Sie beschreiben, wie unglaubwürdig Politiker sind, dass Sie keine Nachrichten schauen - ist das nicht der Rückzug, den Sie beklagen? Eine sehr narzisstische Haltung?

NAST: Klar ist das ne narzisstische Haltung. So sind wir: Wir sind Konsumenten in einer Konsumgesellschaft und müssen da rauskommen. Man kann die Dinge ändern, indem man als Konsument bewusster handelt. Für mich ist zum Beispiel das Reisen wichtig, um andere Kulturen und einen anderen Glücksbegriff kennenzulernen.

Info Michael Nast liest am Mittwoch, 20 Uhr, im Ulmer Roxy und am 18. April im Congress Centrum Pforzheim.

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04.04.2016, 06:00 Uhr

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