Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Doch noch nicht überzeugend genug

Es mangelt am „außergewöhnlichen universellen Wert“: Warum Tübingens erster Anlauf aufs Weltkulturerbe scheiterte

Der gemeinsame Vorstoß der Universitätsstädte Marburg und Tübingen als Weltkulturerbe-Anwärter scheiterte ziemlich deutlich, wie die Begründung des deutschen Fachbeirats zeigt. Die Stadt will trotzdem noch nicht aufgeben, zumindest wenn‘s nach Stadtarchivar Udo Rauch geht.

23.06.2014
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. 31 Anträge aus 13 Bundesländern lagen der Expertenkommission vor, die dann Empfehlungen für eine sogenannte Tentativliste an die Kultusministerkonferenz übermittelte. Sieben Vorschläge, von „Höhlen der ältesten Eiszeitkunst“ bis „Alpine und voralpine Wiesen- und Moorlandschaften“, fanden Gnade vor den Augen der Juroren und sind als fortgeschriebene deutsche Beiträge für die Welterbeliste ab 2016 nominiert worden.

Es mangelt am „außergewöhnlichen universellen Wert“: Warum Tübingens erster Anlauf aufs
Ein bisschen Moderne hat sich rechts neben der Alten Aula in der Münzgasse schon eingeschlichen: Möglichen Weltkulturerbe-Wächtern kann man das zur Not immer noch als „architektonischen Kontrapunkt“ schmackhaft machen. Archivbild: Sommer

Die „serielle Bewerbung“ von Marburg und Tübingen ist, wie vermeldet, nicht darunter. Der Fachbeirat, der ein Dutzend der Antragsteller vor Ort inspizierte und weitere Anwärter einlud, machte sich nicht einmal die Mühe, sich in Marburg oder Tübingen anzumelden. Zu eindeutig schien wohl die Sachlage.

Die Kommission legt sich selber und vor allem den Bewerbern strenge Kriterien auf: Schließlich gehöre Deutschland „zu den Ländern mit den meisten Eintragungen. Ein solcher Erfolg bedeutet zugleich die Verpflichtung, das nominierte und eingeschriebene Welterbe nachhaltig zu schützen und zu nutzen“.

Was befähigt ein nationales Kulturdenkmal (oder auch die immaterielle Idee davon), internationales Weltkulturerbe nach Unesco-Vorgaben zu werden? Zuerst einmal der „Outstanding Universal Value“ (OUV), der „außergewöhnliche universelle Wert“.

Neben den sieben Top-Gesetzten schafften es mit Bayernkönig Ludwigs Märchenschlössern sowie dem Schweriner Residenzensemble immerhin zwei Vorhaben, in einen Zwischenmodus mit weiterer Aussicht auf Erfolg zu kommen, indem ihnen eine gemeinsame serielle Nominierung nahelegt wird. Das gilt auch für so mache der restlichen 22 Unterlegenen. Einige von ihnen werden vertröstet oder an andere Wettbewerbe verwiesen. Rundweg abgelehnt („Keine Empfehlung“) wurden lediglich sieben, darunter eben auch Marburg/Tübingen.

„Nicht hinreichend nachvollziehbar“

Der Antrag der beiden alten Universitätsstädte aus Hessen und Baden-Württemberg wolle sich mit dem „besonderen kulturellen Raum“, entstanden durch „die lange Präsenz ihrer jeweiligen Universitäten“, für die Liste empfehlen, referiert der Fachbeirat in seiner Ablehnung. „In dem Antrag werden vor allem Universitätsgebäude in ihrer historischen Bandbreite und in ihrem Bezug auf die urbanen Strukturen der jeweiligen Städte gewürdigt und in dynamische Beziehung gebracht.“ Damit solle der „Typus ,Universitätsstadt‘ als dynamische Kategorie“ konturiert werden.

Einerseits würdigt der Beirat die Idee, dass Universitätsstädte mehr seien als „Städte mit Universitäten“. Dennoch kommt er „zu der Einschätzung, dass die aufgezeigten Entwicklungen in der Auswahl und Begründung der Kriterien für die genannten Städte nicht hinreichend nachvollziehbar sind“. Weder das Kriterium als „Kulturraum, in dem ein ständiger Austausch der Akteure stattfindet“, noch jenes als „Stadttyp, der eine besondere Kulturtradition hervorgebracht hat“, aber auch nicht „hervorragende Beispiele für Gebäudetypen, die in Tübingen mit Neubauten und in Marburg mit der Umnutzung von Klosterbauten begründet werden“. Selbst ein Kriterium, wie es sich „auf das in den Städten künstlerische und literarische Erbe bezieht“, wurde vermisst.

„In keiner der Begründungen für die Spezifizität dieser Städte wird das Potenzial zum OUV überzeugend dargelegt“, so die niederschmetternde Diagnose. Zu wenig außergewöhnlicher universeller Wert also. Wichtiger erscheint allerdings folgender tadelnde Hinweis: „Darüber hinaus wären Studien zu vergleichbaren Entwicklungen in weiteren westlichen europäischen Ländern, insbesondere in England, Frankreich, Italien und Spanien, erforderlich gewesen.“

Ein durchaus positiver Ansatz, wie Tübingens Stadtarchivar Udo Rauch findet: Er kann sich nun durchaus vorstellen, andere europäische Städte in eine weitere serielle Bewerbung mit aufzunehmen. Man müsse ja „die Flinte nicht gleich ins Korn werfen“. Gewiss, es gibt ältere Universitätsstädte. Tübingen baute allerdings als erste Universität Europas sich alles selber, dann „man hätte sich nirgends reinsetzen können“.

Das macht für Rauch den Unterschied. Jetzt müsse man „genau wägen“: Der internationale Neuansatz erfordere deutlich mehr Zeit. Man sollte die „alte europäische Idee des gemeinsamen Ursprungs nicht leichtfertig absagen“. Es sei aber „viel einfacher, dem Publikum klarzumachen, da steht eine Burg wie Neuschwanstein“.

Rauch übt sich in zweckmäßigem Optimismus. „Ich glaube fest daran. Das ist noch nicht beerdigt.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

23.06.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball