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Randnotiz

Es war wie in einer Filmkulisse

Nach den Geschehnissen in Paris hätten gestern in der Begegnung der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande nicht Taktik und Tore die Hauptrolle gespielt, sondern die Fans - alleine durch ihre Anwesenheit. Die 35 000 bis 40 000, die sich auf den Weg in die HDI-Arena gemacht hatten, hätten allein durch ihre Anwesenheit deutlich machen wollen: Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen.

18.11.2015
  • GEROLD KNEHR

Und so hatten sich die Zuschauer mit dem gebotenen Ernst auf den Weg ins Stadion gemacht. In der U-Bahn waren auf der kurzen Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und der Station Waterloo nicht, wie sonst oft bei solchen Anlässen, Gesänge und "Deutschland, Deutschland"-Rufe zu hören. Der Weg von der U-Bahn-Station Waterloo zum Stadion glich eher einer Prozession denn einer "Fanmeile". Wo sonst in den Stunden vor den Spielen die Bierkioske gut besucht und Fußball-Devotionalien-Händler ihre Produkte marktschreierisch anpreisen, war gestern zwei Stunden vor dem geplanten Anpfiff nichts vom üblichen Trubel zu spüren.

Wer schon früh ins Stadion ging, wurde penibel kontrolliert. Meine Laptop-Tasche wurde zweimal, am Presseeingang und vor der Mixed-Zone, in der sich Spieler, Funktionäre und Journalisten begegnen, durchsucht, die anderer Kollegen zum Teil noch öfter.

Ein anderer Treffpunkt der Journalisten ist bei Länderspielen der Mercedes-Benz-Presseklub, der meist, wie auch in Hannover, in einem Zelt im Innenbereich stattfindet. Dort erfuhren die Journalisten von der Absage des Spiels. Draußen erwartete uns ein Blaulichtgewitter, Polizeisirenen dröhnten. Es war, als sei man in eine Filmkulisse geraten. "Verlassen Sie das Stadion zügig", lautete eine Durchsage, "bleiben Sie ruhig." Später hieß es: "Die Polizei fordert Sie auf, umgehend die Heimreise anzutreten".

Noch war der Großteil der Zuschauer nicht in Stadionnähe, als die Absage publik wurde. Die Zuschauer reagierten bemerkenswert besonnen, selbst rote Fußgängerampeln wurden beim Rückweg auf die Parkplätze oder Richtung Innenstadt beachtet. Von Panik war nichts zu spüren. Aber es herrschte das Gefühl einer bitteren Niederlage. Denn die geplante Demonstration für die Freiheit war vorzeitig zu Ende gegangen.

Es war wie in einer Filmkulisse
SWP-Sportredakteur Gerold Knehr berichtet, wie er die Räumung des Stadions in Hannover erlebt hat. Foto: V. Koenneke

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18.11.2015, 12:00 Uhr

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