Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Mit Engelszungen

Es wird Herbst in Reutlingen

Von Reutlinger Weinbau kann heute kaum noch die Rede sein. Um so vitaler hat sich das Weindorf um die Marienkirche zum „Reutlinger Herbst“ entwickelt. Indes ist die Erinnerung daran verblasst, dass der Weinbau einmal ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und die Weingärtnerzunft eine mächtige war.

02.09.2010

Vorbei die Zeiten, in denen man nach der Lese in den Weinbergen Feste feierte und im Juli den „auseligen Mentig“, der ein Festtag war für die ganze Stadt, bei dem die Beamten ihre Befugnisse in die Hände der Zunftmeister legten, die man am Sonntag zuvor neu gewählt hatte.

Und weiter berichtet das „Reutlinger Heimat-Buch“: „Das ganze Stadtregiment ging damit an die erwählten Vertreter des Volkes über, das sich an diesem Tag seiner Freiheit freute und in ausgelassener Lust ganz ,auselig‘ war“.

Mit dem Niedergang des Reutlinger Weinbaus war es auch um die alten Feste geschehen. Wenngleich: „Auselig“, auch wenn man dieses Wort in Reutlingen kaum noch hört, sind die Besucher der Weindorf-Lauben spätestens nach dem zweiten Glas auch heute noch.

Die Tradition hat sich verabschiedet. Das Weindorf, das sich um die Marienkirche huttert, ist ein feuchtfröhliches, heiteres Fest mehr im Kalender der Stadt – und das nun zum 25. Mal. Doch auch nach nahezu einem Vierteljahrhundert ist der „Reutlinger Herbst“ noch keine Tradition geworden, die mehr befriedigt, als die Sehnsucht nach einem Fest, und eigentlich beliebig ist, was man schon am Angebot von 80 verschiedenen badener und württemberger Weinen nebst ausländischen Tropfen ersehen kann.

Ein Weinfest ist’s wie überall auch, wo man im gemütlichem Ambiente aus dem Spätsommer in den Herbst hineingleitet. Auch wenn ihm, im Vergleich mit Stuttgart etwa, ein familiäres Image nachsagt wird, fehlt dem „Reutlinger Herbst“ noch das Programm für ein unverwechselbares Kolorit. Aber braucht es das? Offenbar kommt das Weindorf auch sehr gut ohne aus, was die Besucherzahlen und gestern Abend die fröhlichen Gesichter bei der Eröffnung zu belegen scheinen.

Hören wir also auf herumzumäkeln, schwindet doch alle Trübsal vor der sprichwörtlichen Erkenntnis: „Wenn des Weines goldne Fluten aus dem Becher mich durchrinnen,/ Und es mir im Freudenrausche schwindeln wird an allen Sinnen,/ Tausend Wunder seh‘ ich dann und höre Stimmen, die in klaren/ Worten mir das tiefste Wesen aller Dinge offenbaren.“

Na ja, ganz so weit muss es ja nicht kommen. Sagt doch auch eine Bauernregel: „Viel Nebel im Herbst deuten auf einen langen Nachwinter.“ Bernd Ulrich Steinhilber

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

02.09.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball