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Rat billigt den Schulversuch

Eugen-Bolz-Gymnasium will neun Jahre zum Abitur

Die Stadt Rottenburg bewirbt sich mit ihrem Eugen-Bolz-Gymnasium um einen G9-Schulversuch ab dem Schuljahr 2013/14. Würde er genehmigt, wäre dort wieder das Abitur nach neun Jahren möglich.

15.11.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Das G8, das Gymnasium mit dem Weg zum Abitur innerhalb von acht Jahren, gibt es noch keine zehn Jahre, die ersten Abiturienten dieses Typs beendeten dieses Jahr ihre Schulzeit. Seit dem gerade begonnenen Schuljahr 2012/13 gibt es an 22 Gymnasien Baden-Württembergs einen Versuch mit neunjährigem Weg zum Abitur. 22 weitere Schulen sollen im nächsten Jahr dazu kommen, deshalb die Bewerbung des Eugen-Bolz-Gymnasiums (EBG).

Das neue G9 soll nicht das selbe G9 sein, das Jahrzehnte lang an den Gymnasien praktiziert wurde. Anton Hofmann, der Direktor des katholischen Sankt-Meinrad-Gymnasiums, sagte es gestern so: „Das neue G9 ist das G8, nur ein Jahr länger.“ Also mit abgespeckten Lehrplänen gegenüber dem früheren neunjährigen Weg.

Karlheinz Geppert, Schulamtsleiter bei der Stadt Rottenburg, sagte, die G9-Gymnasiasten haben nicht nur ein Jahr mehr Zeit, um den selben Stoff zu lernen, den die G8-Gymnasiasten lernen müssen, sondern sie haben auch etwas weniger Schulstunden unter der Woche.

Rottenburgs Gemeinderat hatte am Dienstagabend zu entscheiden, ob die Stadt für das EBG in die Bewerbungsrunde gehen soll. Sie soll. Es war freilich ein Mehrheitsbeschluss mit 14 Enthaltungen und sogar einigen Nein-Stimmen. Hinter den Enthaltungen steckte die erklärte Skepsis an dem erneuten Wechsel, zugleich aber der Respekt vor einer starken Mehrheit der Eltern. Die Elternumfrage des EBG im März hatte nämlich ergeben, dass sich 80 Prozent für den G9-Schulversuch aussprachen, lediglich 4 Prozent wollten bei G8 bleiben. 86 Prozent des Lehrerkollegiums sprachen sich für den Antrag aus, und in der Schulkonferenz gab es keine Gegenstimme.

Stadt gegen G8 und G9 an einer Schule

Das EBG mit seinen knapp 1000 Schüler/innen erfüllt die Vorgaben für den Schulversuch mit dem Titel „Zwei Geschwindigkeiten zum Abitur am allgemein bildenden Gymnasium“. Diese zwei Geschwindigkeiten stehen für G8 und G9 parallel an einem Gymnasium. Dafür muss eine Schule dauerhaft mindestens vier Züge anbieten. Das das ebenfalls städtische Paul-Klee-Gymnasium (PKG) ist zu klein. Trotzdem diskutierte dort die Gesamtlehrerkonferenz mehrfach über G9. Das Interesse am langsameren Weg zum Abi sei sehr groß gewesen, zitierte die Stadtverwaltung das PKG. Doch es verzichtete zugunsten des EBG und bleibt damit Regelgymnasium.

Das städtische Schulamt und dessen Leiter Karlheinz Geppert gaben dem EBG-Antrag noch eine Verwaltungsempfehlung mit, die aber nicht im Beschlussantrag stand: Die „zwei Geschwindigkeiten“ sollten nicht innerhalb einer Schule stattfinden, vor allem weil das EBG vielfältige Profilangebote habe. Das PKG stehe ja mit seinem achtjährigen Abitur als Alternative zu G9 zur Verfügung.

Stadtrat Jörg Bischof (Grüne) eröffnete die Runde der Stellungnahmen. Er bezeichnete den Versuch namens seiner Fraktion als „nicht zielführend“. Eine durchgängige Entschleunigung wäre besser.

Emanuel Peter (BfH/Linke) begrüßte den Vorstoß des EBG als ersten Schritt auf dem von ihm gewünschten Weg zu Gemeinschaftsschulen für die Klassen 5 bis 10. Bei abnehmenden Schülerzahlen landes- und bundesweit solle nicht noch die Zahl unterschiedlicher Schularten vergrößert werden. Die Abstimmungsergebnisse am EBG nannte Peter „eine schallende Ohrfeige für die verfehlte Bildungspolitik von Schwarz-Gelb“.

Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU) ließ die parteipolitische Aussage Peters nicht unkommentiert: Zu Schulschließungen, so Neher, komme es deshalb, weil die jetzige grün-rote Landesregierung Größenvorgaben mache. Er verwies auf das Beispiel Ammerbuch, wo das Kultusministerium eine einzügige Gemeinschaftsschule verweigert.

Etwas Parteipolitik kam in die Debatte

Für Peter Cuno (WiR) bedeutet der EBG-Antrag „Rückschritt und weitere Zersplitterung“. Seine Fraktion hätte es „viel lieber gesehen, etwas Ruhe einkehren zu lassen und in dieser Zeit Konzepte zu entwickeln“.

Margarethe Nohr sagte, die SPD-Fraktion unterstütze den G9-Antrag. Jetzt, da die Eltern sich ganz deutlich entscheiden haben, solle ihr sonst immer geforderter Wille plötzlich nicht mehr wichtig sein. Zwar habe die frühere Landesregierung „immer von Schließungen gesprochen, es aber den Kommunen überlassen – wohl wissend, dass kein Bürgermeister eine Schule schließt“. So gesehen betreibe Grün-Rot „im Grunde ehrliche Politik“.

Die CDU, sagte ihr Sprecher Horst Schuh, habe „ein Problem mit dem Antrag“; die meisten ihrer Ratsleute würden sich der Stimme enthalten.

Eugen-Bolz-Gymnasium will neun Jahre zum Abitur
Das Rottenburger Eugen-Bolz-Gymnasium bewirbt sich darum, seine Schüler/innen in neun Jahren zum Abitur zu bringen.Bild: Fleischer

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15.11.2012, 12:00 Uhr

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