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Wasser: Bequem und praktisch

Eutingens Talmühlquelle — Ein Abriß der Entstehung (Teil 3 und Schluß)

EUTINGEN (hp). Die Eutinger "Talmühlquelle“ und der Weg des Wassers von der Quelle bis in die Haushalte. Auch schon unsere Vorväter machten sich Gedanken über die Versorgung mit sauberem Wasser. Heute also ein Abriß über die Geschichte der Gäuwasserversorgung.

10.07.1999

D ie Wasserversorgung war in vielen Gemeinden unzureichend. Schon um die Jahrhundertwende wurde deshalb im Oberen Gäu überlegt, wie man sich zentral mit Wasser versorgen könnte. Nach etlichen Vorverhandlungen fand am 20. Juni 1905 im Eutingen die "Konstituierungs—Verhandlung“ statt. Neben Staatsvertretern waren die Oberamtmänner der Oberamte Herrenberg, Horb, Rottenburg und Nagold dabei, sowie die "bürgerlichen Kollegien“ aus den einzelnen Gemeinden. Neben sieben Dörfern des Oberamtes Herrenberg zählten zu den Gründern die Gemeinden: Bildechingen, Eutingen, Göttelfingen, Gündringen, Rohrdorf, Vollmaringen, Eckenweiler, Ergenzingen, Nellingsheim, Remmingsheim, Wolfenhausen und Schietingen; Weitingen kam im November 1907 dazu. Bei der Inbetriebnahme im Jahre 1909 gehörten dem Zweckverband 21 Gemeinden an, etwa 16 500 Einwohner waren zu versorgen.

Bondorf als damals größte Verbandsgemeinde erhielt den Sitz des Verbandes. Die gesamten Baukosten beliefen sich damals auf fast 1, 4 Millionen Mark, nach Abzug des Staatszuschusses und der Gemeindeanteile wurde knapp eine Million "auf den Kopf der Bevölkerung umgelegt.“

Für Eutingen entfiel ein Kostenan-teil von 72 000 Mark. Die Gemeinde hat den Geldbedarf bei ihren "Geld—Bürgern“ in Form einer mit 4 Prozent verzinsten Anleihe gedeckt. Die vorher aufgelegte Zeichnungsliste ergab 27 Namen mit 85 000 Mark. "Die Bequemlichkeit einer Wasserleitung und ihr praktischer Wert wird immer mehr gewürdigt bei den meisten Bürgern“ schrieb damals die Zeitung.

Die Bauarbeiten begannen im Februar 1906. Schon im August konnte erstmals Wasser an die Verbandsge-meinden abgegeben werden. Ein stetiger Ausbau der Anlagen, der Bau von Hochbehältern und Leitungen sicherte die Bereitstellung des Wassers. Das Trockenjahr 1959, aus Sicht der Wasserversorgung ein Katastrophenjahr, brachte Probleme: in einigen Teilen des Verbandsgebietes brach die Versorgung zusammen. Das brachte die bereits in früheren Jahren ins Auge gefaßt Talmühlequelle auf Eutinger Gemarkung ins Spiel. Diese war bisher von der Bahn genutzt worden. Über die zwei Hochbehälter an der B 14 und an der Straße zum neuen Bahnhof löschte sie den Durst der unersättlichen Dampfloks. Letztlich erhielt die Gäuwasserversorgung die Genehmigung zur Entnahme von Hundert Sekundenliter aus der Talmühlequelle. Etwa 1965 ging die Zulieferung des Pumpwerkes Talmühle ans Netz. Doch das Wasser, das heute zur Trinkwasserversorgung Tausender Bürger dient, erfüllte einst einen anderen Dienst: die gut schüttende Quelle trieb die Talmühle an. Unter dem damaligen Besitzer von Eutinger Tal, dem Grafen Lothar Schenk von Stauffenberg, wurde die Mühle im Jahr 1793 gebaut. Sie verfügte über drei Mahlgänge und zusätzlich über einen Gerbgang für Dinkel und Korn. Zuerst als Erblehen verpachet, kaufte sie der Müller später um 100 Goldgulden. Der "Mühlenbann“ verpflichtete einst die Bauern von Baisingen, ihr Getreide in der Eutinger Talmühle mahlen zu lassen. Bestimmt ein beschwerliche Weg war es für die Bauern, von der Gäuhochfläche hinunter ins Tal, vermutlich wurden dazu vornehmlich Tragtiere eingesetzt. Schließlich heißt ein Steilweg am östlichen Talhang im Volksmund heute noch "Eselssteigle“. Schon immer war das "Täle“ der klassische Weg für den Sonntagsspaziergang und für die Streifzüge der Jugend und die Talmühle mit dem erfrischenden Quellwasser Endstation. In den fünfziger Jahren wohnte zeitweise eine holländische Emigrantenfamilie in dem Haus und in den Sommermonaten boten sie Erfrischungen im Biergarten an.


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