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Kirchenbau in der Diaspora

Evangelische Kirchengemeinde feiert 50.

Die evangelische Kirchengemeinde Ergenzingen wird in diesem Jahr fünfzig Jahre alt. Übers kommende Wochenende wird das Jubiläum mit einem festlichen Programm am Samstag und Sonntag in und um die Christuskirche gefeiert

13.06.2012
  • Karl Ruoff

Ergenzingen. Vor hundert Jahren dachte im überwiegend katholischen Ergenzingen wohl noch niemand daran, dass es dort einmal eine evangelische Kirche oder gar eine selbständige Kirchengemeinde geben würde. Nach 1807, dem Anschluss Ergenzingens an Württemberg, kam der erste Evangelische durch Einheirat ins Dorf. Danach nahm die Zahl der Protestant langsam zu. Doch noch hundert Jahre später waren es noch nicht einmal fünfzig „Lutherische“, die in Ergenzingen wohnten und nach Eckenweiler zur Kirche gingen.

Dies änderte sich nicht bis zum Zweiten Weltkrieg. Der große Schwung kam erst danach, als sich mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, darunter viele Donauschwaben, in kurzer Zeit die Zahl der evangelischen Einwohner auf beinahe 300 erhöhte. Diese wollten nicht nur ein Zuhause, sondern auch eine Kirche als Heimat. Auch den bereits ortsansässigen Protestanten war dieser Gedanke willkommen.

Zunächst genossen die nämlich die Gastfreundschaft der katholischen Kirchengemeinde. Am Karfreitag des Jahres 1950 feierten sie in der alten katholischen Kirche den ersten evangelischen Gottesdienst in Ergenzingen. Die Katholiken stellten ihnen auch weiterhin in ökumenischem Geist ihren Gemeindesaal für Gottesdienste zur Verfügung. In den oberen Räumen durften die Protestanten mehrere Jahre lang zum Kindergottesdienst einladen.

Der Wunsch nach einer Kirche wird größer

Ab 1954 wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche immer größer. Sie gründeten einen Kirchenbauverein und sammelten bis 1962 mehr als 90 000 Mark. Auch ein Bauplatz wurde nach langer Suche gefunden – an der Königsberger Straße. Im Kaufvertrag, den die offiziell zuständige Kirchengemeinde Eckenweiler abschloss, ließ Grundstücksbesitzer Emil Weipert festhalten, „dass im Falle eines dramatischen Geldverlustes der Kaufpreis in Weizen umgerechnet bezahlt werden muss“.

Noch vor dem Bau der Kirche hatte der Oberkirchenrat 1962 die Bildung einer selbständigen Filialkirchengemeinde genehmigt. Im Frühjahr 1964 war es dann soweit. Nach Plänen des Tübinger Architekten Albrecht Schmidt begann man mit dem Kirchenbau und nach zwei Jahren, am 6. Februar 1966, wurde das Gebäude von Landesbischof Erich Eichele eingeweiht. Er legte in der Predigt den Ergenzingern besonders ans Herz “. . . des Landesbischofs heiߑ Begehren, haltet Eure Kirch in Ehren“. Die Baukosten betrugen rund eine halbe Million Mark, wobei beträchtliche Zuschüsse von der Landeskirche, vom Kirchenbezirk und vom Gustav-Adolph-Werk kamen.

Ökumenisches Zusammengehörigkeitsgefühl ist seit damals im Ort auch akustisch zu vernehmen, denn das Geläute der evangelischen Kirche wurde auf die Glocken der katholischen Kirche abgestimmt. Als dann im September 1969 auch noch die Orgel mit ihren 700 Pfeifen eingebaut war, war die Kirche ganz fertig. Jedoch machte das neue Gotteshaus der Gemeinde bald Sorgen, denn schon nach 15 Jahren musste das undicht gewordene Schiefer- durch ein Kupferdach ersetzt werden. Wie sehr die Kirchengemeinde im Ort integriert war, zeigt sich daran, dass der gesamte Erlös einer Kirchturmhockete bei der katholischen Kirche für die Reparatur gespendet wurde.

Vor allem durch den Zuzug junger Familien aus dem Stuttgarter Raum stieg in den folgenden Jahren die Zahl der Gemeindeglieder: von 737 im Jahr 1990 auf 890 in 2000. Zeitweise betrug sie über 900, sank jedoch in den vergangenen Jahren wieder ein wenig. Nach und nach übernahm die Gemeinde neue Aufgaben. 1991 erwarb sie ein Grundstück samt Wohnhaus neben der Kirche, auf dessen südlichem Teil die Stadt Rottenburg einen Kindergarten errichten ließ. Die Trägerschaft übernahm 1995 die Kirchengemeinde.

Häufiger Wechsel prägte Gemeindeleben

Das Gemeindeleben war in den 50 Jahren nicht zuletzt durch häufige Pfarrer(innen)wechsel geprägt. Nicht weniger als 14 zogen im Pfarrhaus in Eckenweiler, ab 1999 in Ergenzingen, ein- und wieder aus: Reinhold Roller, Karl Reichle, Siegfried Horeld, Reinhardt-Schmidt-Rost, Gottfried Küenzlen, Erika Reichle, Adelbert Schloz, Walter Eller, das Pfarrersehepaar Birgit und Bernd Wildermuth. In der Zeit der Vakatur 1998 bis 1999 war Susanne Wolf Pfarrerin. Auch im Kirchengemeinderat gab es immer wieder Wechsel. Mehr als 40 Kirchengemeinderätinnen und -räte gehörten dem Gremium bis heute an.

Ein neuer Abschnitt begann 1999, als mit Pfarrer Albrecht Reiner erstmals ein evangelischer Geistlicher seinen Wohnsitz in Ergenzingen nahm. Ihm folgten Markus Schwab-Godel und Elke Kaltenbach-Dorfi. Anfang 2004 bekam Ergenzingen sein eigenes Pfarramt, wobei die Zusammenarbeit mit Eckenweiler auf verschiedenen Gebieten aufrechterhalten wurde.

Ironie des Schicksals, dass die Kirchengemeinde nun nach dem Weggang Elke Kaltenbach-Dorfi ausgerechnet im Jubiläumsjahr ohne Pfarrer/in dasteht. Und es ist nicht absehbar, ob und wann die Ergenzinger Pfarrstelle wieder besetzt wird.

Evangelische Kirchengemeinde feiert 50.
Im Frühjahr 1964 begann der Bau der Christuskirche Ergenzingen, am 6. Februar 1966 wurde sie eingeweiht.Privatbild

Am Samstag, 16. Juni, feiert die Evangelische Kirchengemeinde Ergenzingen ihr 50-jähriges Bestehen ab 14.30 Uhr mit einem Kindergartenfest, Vorführungen und einer Spielstraße. Um 18.30 Uhr gibt es dann ein Konzert mit Kieran Straub an der Orgel und der Sängerin Janina Straub.

Um 19 Uhr hält Karl Ruoff den Festvortrag, und um 20 Uhr konzertiert der Reutlinger Kumbaya-Chor aus Reutlingen. Von 15 bis 22.30 Uhr werden die Gäste mit Kaffee und Kuchen, Getränken, Speck- und Zwiebelkuchen bewirtet.

Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, den die Pfarrer Reiner und Huber halten. Anschließend Stehempfang in der Christuskirche.

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13.06.2012, 12:00 Uhr

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