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Gravierende Verstöße

Ex-Volksbanker wegen Untreue vor Gericht

Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Reutlingen wurde am Montag das Strafverfahren gegen den früheren Vorstandssprecher der Volksbank Münsingen, Werner Leichtle, eröffnet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 68-Jährigen Untreue in zwei Fällen vor.

06.01.2015
  • ST

Reutlingen. Wie mehrfach berichtet, geht es dabei um die Frage, inwieweit der Volksbank durch den Verkauf des sogenannten Schoell-Gebäudes an Dietmar Leichtle, den Sohn des Angeklagten, ein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist. Dieser hatte das Objekt zum Kaufpreis von 320.000 Euro Anfang Juni 2011 erworben. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft lag jedoch zuvor ein Angebot eines Immobilienunternehmens vor, das einen Kaufpreis in Höhe von 450.000 Euro angeboten hatte und später sogar noch eine höhere Summe in Aussicht stellte.

Abgewickelt wurde der Verkauf nicht durch Vorstandssprecher Leichtle sondern den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Volksbank. Doch weder dieser noch die weiteren Aufsichtsräte seien von dem Angebot des Immobilienunternehmens unterrichtet worden, warf Staatsanwalt Jan Vytlacil dem Beschuldigten vor. Anderfalls wäre dem Verkauf an Dietmar Leichtle nicht zugestimmt worden. Folglich sei der Bank ein Schaden in Höhe von mindestens 130.000 Euro entstanden. Ebenfalls als Untreue wertete die Staatsanwaltschaft die Bezahlung einer Architektenrechnung in Höhe von 11.640 Euro für die Schätzung von Sanierungskosten, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Verkauf an Dietmar Leichtle bereits beschlossen gewesen sei.

Werner Leichtle und dessen Verteidiger, Dietrich Quedenfeld, wiesen die erhobenen Vorwürfe zurück. Der Verkauf des Gebäudes habe sich über mehrere Jahre hingezogen. Leichtle betonte, nach einer ersten Anfrage des Immobilienunternehmens habe es keine weiteren Kontakte mehr gegeben. Sämtliche Versuche der Bank, Kontakt aufzunehmen, seien erfolglos geblieben. Auch zum vereinbarten Besichtigungstermin im August 2010 sei kein Vertreter des Unternehmens erschienen. Daher sei für ihn klar gewesen, dass kein Interesse mehr an dem Objekt bestanden habe. Die fragliche Architektenrechnung resultiere aus einem Auftrag, der bereits vor den Verkaufsplänen an Dietmar Leichtle erteilt worden sei, um die Kosten für eine Sanierung zu ermitteln.

Zwei der als Zeugen vernommenen damaligen Aufsichtsräte bestätigten, dass dem Gremium nichts von einem Angebot des Immobilienunternehmens bekannt gewesen sei. Nach Angaben des ermittelnden Kripobeamten finden sich in den Protokollen zwar Vermerke über den geplanten Verkauf an den Sohn von Werner Leichtle, nicht jedoch zum Angebot der Immobilienfirma. Der Kripobeamte verwies zudem auf „gravierende Verstöße“, die sich aus dem Prüfbericht des Genossenschaftsverbandes ergeben hätten.

Info Die Verhandlung wird mit der Vernehmung zahlreicher weiterer Zeugen am 19. Januar um 9 Uhr am Amtsgericht Reutlingen fortgesetzt.


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